Definition
Was genau ist ein freibleibendes Angebot?
Ein freibleibendes Angebot, auch unverbindliches Angebot genannt, gilt rechtlich nicht als verbindlich, sondern lediglich als Einladung an den Kunden. Das heißt: Freibleibende Angebote verpflichten dich im Gegensatz zu tatsächlichen Angeboten rechtlich nicht zur Vertragserfüllung. Sie sind keine Willenserklärung.
In der Wirtschaft ist ein Angebot rechtlich bindend. Das heißt, wenn du deinem Kunden ein Angebot unterbreitest und er dieses annimmt, ist laut Bürgerlichem Gesetzbuch ein Vertrag zustande gekommen, den du erfüllen musst. Diese Regelung macht es Unternehmern und Freiberuflern nicht immer leicht. Vor allem dann, wenn du mit stark schwankenden Kosten, Erträgen und Lieferzeiten zu kämpfen hast, ist es schwierig, ein verbindliches Angebot schreiben und einhalten zu können. In diesem Fall kannst du ein freibleibendes Angebot schreiben. Damit das funktioniert, musst du bei der Formulierung einige Regeln und Grundsätze beachten.
Kostenvoranschlag und freibleibendes Angebot
Bei Freiberuflern ist es üblich, anstelle eines freibleibenden Angebots einen Kostenvoranschlag an den Kunden zu senden. Die beiden Dokumente ähneln sich insofern, als dass sie beide rechtlich nicht bindend sind und die tatsächlichen Vertragskonditionen offenlassen.
Pflichtangaben beim freibleibenden Angebot
Ein reguläres Angebot beinhaltet normalerweise folgende Informationen:
- Die Menge und Art der infrage kommenden Waren oder Dienstleistungen.
- Den entsprechenden Preis dafür.
- Die voraussichtliche Lieferzeit.
Ein freibleibendes Angebot darf sich diese drei Faktoren offenhalten. So kannst du zum Beispiel bei einem freibleibenden Angebot:
- den Preis zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses entsprechend deiner aktuellen Preiskalkulation anpassen.
- die Menge offenlassen, die zu liefern du in der Lage sein wirst.
- die Lieferzeit offenhalten, je nach aktuellen Lieferkonditionen.
Dabei hast du auch die Möglichkeit, zu mehr als einem Angebotsfaktor unverbindliche Angaben zu machen.
Achtung
Freibleibende Angebote dürfen nicht zu schwammig auf potenzielle Kunden wirken
Du solltest jedoch bedenken, was für einen Eindruck uneindeutige Formulierungen auf deine Kunden machen: Ein Unternehmer, der sich auf nichts festlegen kann, wirkt unter Umständen nicht wie ein attraktiver Vertragspartner für potenzielle Kundschaft.
Freizeichnungsklauseln beim freibleibenden Angebot
Je nachdem, welche Konditionen in deinem Angebot freibleiben sollen, musst du bei der Angebotserstellung entsprechende Freizeichnungsklauseln in das Dokumenteinbauen. Diese sind unbedingt notwendig, damit dein freibleibendes Angebot laut BGB nicht bindend ist. Folgende Formulierungen bieten sich an:
| Einschränkung | Freizeichnungsklausel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Preis |
“Preis freibleibend” “Preisänderungen vorbehalten” | Der Kunde wird darüber informiert, dass sich der Preis bis zum Vertragsschluss ändern kann. |
| Menge |
“Liefermenge vorbehalten” “Nur solange der Vorrat reicht” | Der Kunde weiß, dass die im freibleibenden Angebot kommunizierte Liefermenge nicht garantiert ist. |
| Zeit |
“Angebot gültig bis...” “Lieferdatum vorbehalten” | Der Kunde weiß, dass das Angebot nur befristet gültig ist bzw. dass sich das Lieferdatum unter Umständen noch ändern kann. |
Wenn du ein freibleibendes Angebot erstellst, muss mindestens eine dieser Klauseln in deinem Angebot zu finden sein. Nur so umgehst du die gesetzliche Bindung an dein Angebot.
Freibleibendes Angebot: Ein Beispiel
Die Frage, die du dir stellen solltest, ist, wann ein freibleibendes Angebot tatsächlich sinnvoll ist. Generell gilt: Wenn die Rahmenbedingungen deiner Unternehmung sehr volatil sind, ist Unverbindlichkeit ein hilfreiches Instrument in der Kundenkommunikation. Hier ist ein Beispiel für eine Situation, in der ein freibleibendes Angebot angemessen ist:
Bei einem Schreiner wird im Frühjahr ein Angebot für eine bestimmte Menge an Stühlen und Tischen für ein neu zu eröffnendes Restaurant angefragt. Dem Schreiner liegt eine ungefähre Kalkulation vor, wie sich die Preise für den Rohstoff Holz entwickeln, allerdings kann er trotzdem nicht mit letzter Sicherheit sagen, wie die Preisentwicklung und Lieferzeiten für Holz in diesem Jahr aussehen werden. Der Schreiner erstellt also ein freibleibendes Angebot, in dem Liefermenge und Preis freibleiben. Dieses Angebot beruht auf seiner aktuellen Kalkulation, lässt Ihm aber die Möglichkeit offen, Preise und Liefermengen entsprechend der tatsächlichen Ernte zu korrigieren.
Freibleibendes Angebot: Was passiert bei der Annahme?
Wenn du einem Kunden ein freibleibendes Angebot unterbreitest, gilt dessen Annahme rechtlich als erster Antrag. Damit Unternehmer ihre Kunden nicht einfach in der Luft hängen lassen, gibt es eine gesetzlich festgelegte Reaktionspflicht. Diese ist für dich als Unternehmer besonders wichtig, wenn du ein vom Kunden angenommenes Angebot später doch nicht umsetzen willst. Möchtest du dies nachträglich ablehnen, muss das möglichst zeitnah passieren. Denn wenn du auf den ersten Antrag deines Kunden nicht reagierst, versteht der Gesetzgeber dies als stillschweigende Annahme. Im Folgenden bist du verpflichtet, deinen Teil des Vertrags zu erfüllen - unabhängig davon, ob dein ursprüngliches Angebot freibleibend war oder nicht.