Preiskalkulation: Wie kalkuliere ich Preise richtig?

Das Auftragsbuch ist voll, der Umsatz stimmt. Das klingt zunächst nach einer sehr guten Ausgangsposition, die sich jedes erfolgreiche Unternehmen wünscht. Trotzdem bleibt dir zu wenig Gewinn vom Umsatz. Ein Blick auf die Konkurrenz zeigt, dass es den Mitbewerbern scheinbar nicht so geht. Wo liegt dein Fehler? Geh den Ursachen auf den Grund und erhöhe deine Gewinnspanne bei Dienstleistungen und Produkten mit einer Preiskalkulation des nächsten Auftrags.

Zuletzt aktualisiert am 27.02.2026
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Definition und Ziele der Preiskalkulation

Eine adäquate Preisgestaltung ist das A und O für jedes Unternehmen. Nur wenn du deine Preise richtig kalkulierst, weißt du, mit welchen Produkten oder Leistungen du Gewinne und mit welchen du Verluste erwirtschaftest. Zu einer erfolgreichen Verkaufspreis-Kalkulation gehören beispielsweise Konkurrenzfähigkeit und die Ermittlung des Deckungsbeitrags. Die kaufmännische Kalkulation deckt also weiteren Handlungsbedarf auf – zum Beispiel Kostensenkung oder auch Realisierung höherer Gewinne. Wir zeigen dir, wie du eine Kostenkalkulation erstellst und wie dein Unternehmen langfristig davon profitieren kann. 

Definition

Was ist eine Preiskalkulation?

Laut Definition handelt es sich bei der Preiskalkulation um eine detaillierte Ermittlung des Verkaufspreises mittels Kostenrechnung – unter Einbezug sowohl der Einzel- als auch der Gemeinkosten.

Egal, in welcher Branche ein Unternehmen agiert. Bei fast allen Dienstleistungen und Produkten gibt es Konkurrenz. Oft ist der Preis ein wichtiges Differenzierungsmerkmal. Daher hast du als Firmeninhaber selten großen Einfluss auf die Preisgestaltung. Vermeide jedoch, dich ausschließlich nach deiner Konkurrenz zu richten und übernimm in keinem Fall ungeprüft deren Preise.

Denn du weißt in der Regel nicht, ob ein Konkurrent ähnliche Kosten und Rahmenbedingungen hat wie du. Möglicherweise unterscheiden sich seine Einkaufspreise oder er kann andere Leistungen billiger beziehen. Es könnte auch sein, dass er weniger Mitarbeiter beschäftigt, diese schlechter bezahlt oder dass er die Tochterfirma eines großen Unternehmens ist und ihm daher einfach andere finanzielle Möglichkeiten offenstehen.

Führe stattdessen selbst eine Preis- und Produktkalkulation durch. Dadurch schaffst du Transparenz und kannst schlussfolgern, ob du aktiv werden musst.

Wann besteht Handlungsbedarf?

  • Liegt dein Preis unter dem allgemeinen Marktniveau?
    Wenn du dir deine Wettbewerber oder die Angebote im Internet ansiehst und feststellst, dass du günstiger bist als der Rest, dann besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Allenfalls kannst du prüfen, ob du den Preis etwas höher festlegen kannst, ohne dabei Kunden zu verlieren. Damit erhöhst du unter sonst gleichen Bedingungen deinen Gewinn.
  • Entspricht dein Preis dem allgemeinen Marktniveau?
    Dann hast du zwar keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Dennoch solltest du präventiv über die Umsetzung von Maßnahmen nachdenken. Denn die Lage kann sich schnell ändern. Wenn deine Konkurrenz beispielsweise die Preise senkt, musst du kurzfristig handeln.
  • Sind deine Preise über dem allgemeinen Marktniveau?
    In diesem Fall hast du unmittelbaren Handlungsbedarf. Du musst dich dann zwingen, dich sehr kurzfristig um Verbesserungen zu kümmern.

Achtung

Nicht unreflektiert Preise anpassen!

Selbst dann, wenn deine Mitbewerber plötzlich die Preise niedriger ansetzen, solltest du nicht sofort mitziehen. Führe zuerst erneut eine Preiskalkulation durch und reagiere erst anschließend. Gib nicht einfach ungefiltert dem Druck nach. Denn diese Handlung macht langfristig den Preis auf dem Markt kaputt. Und gute Leistung hat nun einmal ihren Preis.

Preisfindung: Mit dem richtigen Preis zu mehr Gewinn

Natürlich stellt sich zunächst die Frage: Was genau ist denn der richtige Preis? Willst du in allen Marktsegmenten und für alle Käufergruppen denselben Preis anbieten? Die eigentliche Kunst liegt darin, für jedes Produkt zu jedem Zeitpunkt den besten Preis zu finden. Das heißt, die Zahlungsbereitschaft der Kunden in vollem Umfang auszunutzen. Das kann zum Beispiel mit Flatrates für bestimmte Leistungen bzw. Zielgruppen oder mit der Aufforderung „Zahle, was du willst!“ funktionieren.

Egal, wie du vorgehst: Eine genaue Preiskalkulation zu erstellen, ist die Basis. Doch eine Warenkalkulation alleine reicht nicht aus. Du musst außerdem deine Zielgruppe ermitteln. Erkenntnisse erhältst du aus einer Markt- und Wettbewerbsanalyse

  • Diese hilft dir dabei herauszufinden, wer eigentlich deine Produkte kauft bzw. deine Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Was bringt es dir, dir ausschließlich einen Überblick über deine Preisstruktur zu verschaffen, wenn du keine Kunden findest, die auch bereit sind, die Ausgaben zu tätigen?
  • Analysiere parallel den vorhandenen Wettbewerb. Was sind die Stärken und Schwächen deiner Konkurrenz? Verfügt diese über besondere Leistungen oder Produkte, welche du ebenfalls in Betracht ziehen solltest? Weisen andere Wettbewerber Mängel auf, die dein Unternehmen dagegen ausgleichen kann?

Wie du siehst, ist eine Kalkulation für Produkte und Dienstleistungen am Anfang zunächst mit viel Arbeitsaufwand verbunden – dieser lohnt sich aber! Denn so erzeugst du ein realistisches Preis-Leistungs-Niveau, mit dem du gleich mehrfach profitierst

  • Du erzielst Gewinne.
  • Du stellst deine Zielgruppe zufrieden.
  • Du platzierst dich erfolgreich auf dem Markt.

Diese Faktoren solltest du bei der Preiskalkulation beachten

Preisfindung und Preiskalkulation sind wichtige unternehmerische Entscheidungen. Denn Preisänderungen wirken sich kurzfristig und unmittelbar auf den Umsatz und den Gewinn aus. Wie kannst du nun aber eine solche Kostenkalkulation erfolgreich erstellen? Bei der Preisfindung spielen viele unternehmensinterne und externe Faktoren eine Rolle. Hier die wichtigsten im Überblick:

<b>Interne Faktoren</b>
Interne FaktorenExterne Faktoren
Unternehmensstrategie Marktniveau, Preise der Wettbewerber
Preispolitik Erwartungen der Kunden, Kaufkraft, Nachfrage
Kosten Erwartungen anderer Mitglieder der Distributionskette, z.B. Zwischenhändler
Marketing-Mix gesetzliche Regelungen

Info

Die 3 Typen der Preisgestaltung

Du kannst Preise grundsätzlich wettbewerbsorientiert, nachfrageorientiert oder kostenorientiert festlegen. Wie du richtig vorgehst, hängt von der jeweiligen Unternehmens- und Marktsituation ab. 

  1. Wettbewerbsorientierte Preisgestaltung: Diese kann dann sinnvoll sein, wenn du die eigenen Kosten nur schwer ermitteln kannst oder wenn du unangenehme Reaktionen des Wettbewerbs auf die eigenen Preise fürchtest.
  2. Nachfrageorientierte Preisfindung: Hierbei orientierst du dich am Zusammenhang zwischen Preis und Nachfrage auf dem Markt. Ein hilfreiches Instrument zur Analyse des Zusammenhangs zwischen Angebot, Nachfrage und Preisen ist die sogenannte Angebotskurve.
  3. Kostenorientierte Preisgestaltung: Es ist nicht sinnvoll, den Preis alleine an den eigenen Kosten für ein Produkt zu orientieren. Kosten zu decken, ist zwingend notwendig, sich aber nur auf diesen internen Faktor zu konzentrieren, vertut Marktchancen und ignoriert externe Einflussfaktoren. Damit agierst du unter Umständen am Markt vorbei.

Die 3 gängigen Preisstrategien

Während du deine Verkaufspreise kalkulierst, musst du dir jedes Mal neu überlegen, welche Preislage strategisch sinnvoll ist. In der Regel bietest du als Unternehmer verschiedene Produkte aus unterschiedlichen Preissegmenten an. Berücksichtige dies bei der Kalkulation des Verkaufspreises. Grundsätzlich lassen sich alle Angebote in folgende drei Strategien klassifizieren:

  1. Niedrigpreisstrategie: Produkte, die in Masse produziert werden, sind oft preisgünstig. Denn hierbei ist Quantität der entscheidende Faktor. Gerade in diesem Preissegment musst du bei der Preiskalkulation berücksichtigen, dass Kunden auf Preisänderungen sehr sensibel reagieren und oftmals nicht bereit sind, allzu hohe Ausgaben zu tätigen. 
  2. Mittelpreisstrategie: Unternehmen stehen unter permanentem Preisdruck. Sind die Preise zu hoch, wandern Kunden eventuell zur Konkurrenz ab. Sind sie hingegen zu niedrig, arbeitest du unter Umständen nicht kostendeckend und fährst Verluste ein. Die Mittelpreisstrategie eignet sich daher für die Preiskalkulation von Produkten mittlerer Qualität. Diese spielt parallel zur Quantität eine große Rolle. Wenn du Preise richtig berechnest, kalkulierst du nicht nur am Minimum, sondern passt den Preis gewinnbringend realistisch an.
  3. Hochpreisstrategie: Hochwertige Produkte haben Ihren Preis. Hier ist das Image ein sehr relevanter Faktor bei der Preiskalkulation. Denn viele Kunden sind durchaus bereit, für sehr gute Qualität und herausragende Leistungen entsprechend mehr Geld zu bezahlen. In diesem Segment hast du immer die Möglichkeit, dich bei der Verkaufspreiskalkulation nach oben hinzuorientieren.

Preiskalkulation: Mit wenigen Schritten den richtigen Preis ermitteln

Bei deiner Preisfindung sind gleich mehrere Variablen relevant. Zusätzlich zu den Material- und Herstellungskosten und deinen Gewinnvorstellungen ist auch die Mitbewerbersituation auf dem Markt entscheidend. Im Klartext heißt das: Für eine realistische Preiskalkulation ist es wichtig zu wissen, welche Preiskultur die Konkurrenz pflegt und welche Preise die Kunden zu zahlen bereit sind? Für eine kluge Berechnung deiner Preise solltest du Folgendes tun: 

  1. Erstelle eine Zielgruppenanalyse und lerne diejenigen kennen, die deinen Preis bezahlen sollen. Umfragen – zum Beispiel via Social Media – helfen außerdem, mit Unklarheiten zum Produkt bzw. der Dienstleistung aufzuräumen. Hier kannst du schnell feststellen, wie deine Produktidee ankommt und ob deine Preiskalkulation realistisch ist. Die so gewonnenen Informationen helfen, einen Preisrahmen für dein Geschäftsmodell festzulegen.
  2. Hilf dir mit einer Konkurrenzanalyse und vergleiche deine neu gewonnenen Erkenntnisse aus deiner Excel-Kalkulation mit der Preiskalkulation am Beispiel deiner Mitbewerber. Lerne von der Konkurrenz und analysiere deren Preis-Leistungs-Verhältnis. So erhältst du eine realistische Orientierung.
  3. Beziffere alle Kostenarten in der Vorlage deiner Preiskalkulation, die für dein Produkt oder deine Dienstleistungsidee anfallen und ermittle so die Gesamtkosten. Dabei sind einerseits die Einzelkosten pro Produkt wichtig und andererseits die sogenannten Gemeinkosten, die auf die Anzahl aller hergestellten Produkte verteilt werden müssen. Unter dem Strich hast du dann in deiner Kalkulation die Selbstkosten eines Produkts oder einer Dienstleistung ermittelt.
  4. Kalkuliere deine Gewinnspanne und erinnere dich dabei an die Ergebnisse deiner Zielgruppenanalyse. Das hilft dir herauszufinden, wie viel du auf die Selbstkosten deiner Geschäftsidee aufschlägst und welche Preisstrategie du verfolgen kannst.
  5. Belohne Kunden mit einem Rabattsystem, dann verlierst du bei der Kalkulation deine Gewinnmarge nicht aus dem Blick. Rechne genau und schau darauf, dass auch eine kurzfristige Preissenkung deinen Gewinn nicht beeinträchtigt. Dasselbe gilt, wenn du als Zahlungsoption einen Skonto-Abzug anbietest. Beides – Rabatte sowie Skonti – solltest du gleich zu Beginn deiner Preiskalkulation mit einrechnen.

Info

So hilft das Mindestumsatzverfahren

Das Mindestumsatzverfahren bezieht die Nachfrage in die Preiskalkulation mit ein. Dazu analysierst du die Verkäufe deiner Konkurrenz, Branchenzahlen und -studien. Viele Preiskalkulationsstudien findest du online. Beispielsweise bei Wirtschafts- und Branchenverbänden, der Industrie- und Handelskammer, statistischen Ämtern oder Forschungsinstituten.

Ziel ist es, zu ermitteln, wie viele Produkte du monatlich verkaufen kannst – also welches Potenzial vorhanden ist.

Beispiel: Es macht einen gewaltigen Unterschied aus, ob du 10 Produkte oder 100 Stück pro Monat verkaufen kannst. Je nach Menge kannst du dir dann ausrechnen, wie teuer ein einzelnes Produkt sein muss, um wirtschaftlich zu sein.

7 Tipps zur Preiskalkulation

1. Preis sinnvoll runden

 

Ergibt deine Preiskalkulation für ein Produkt einen „krummen“ Preis, z. B. 17,34 Euro? Dann solltest du versuchen, einen verkaufspsychologisch günstigen Preis zu verlangen. Runde den Preis nach Möglichkeit auf z. B. 17,95 oder 17,99 Euro auf. Ist das nicht möglich, musst du mit dem Preis nach unten gehen, etwa auf 16,99 Euro. Versuche möglichst bei jedem Produkt einen höheren Preis zu verlangen, als die Kostenkalkulation ergibt. Dann ist es in Einzelfällen unkritisch, wenn du abrunden musst.

2. Preissenkung wegen Wettbewerbsdruck

 

Wenn du dich in einem wettbewerbsintensiven Umfeld bewegst, bist du unter Umständen gezwungen, deine Preise zu senken, wenn du keine Kunden verlieren möchtest. Prüfe aber in dem Fall, welche Verbesserungen du in deinem Betrieb umsetzen kannst, um keine Verluste zu erwirtschaften (s. nächsten Punkt).

3. Saisonale Preisgestaltung

 

Bist du gezwungen, die Preise saisonal zu verändern, obwohl deine Kosten stabil bleiben? Dann solltest du versuchen, die Preise zu Saisonzeiten deutlich über den kalkulierten Preis anzuheben (Faustregel: 30-50 %). In der Nebensaison solltest du versuchen, mit dem Preis nicht mehr als 20-30 % unter den berechneten Verkaufspreis zu gehen.

4. Preise höher als die der Konkurrenz

 

Falls deine Preise deutlich über denen deiner Konkurrenten liegen, solltest du über folgende Möglichkeiten nachdenken:

  • Prüfe deine Preisnachlässe und senke diese bei Bedarf
  • Prüfe den gewünschten Gewinnzuschlag
  • Kontrolliere deine kalkulatorischen Kosten
  • Prüfe Maßnahmen zur Senkung deiner Kosten
  • Verringere den Anteil unproduktiver Zeiten

5. Bei der Produktion Kosten einsparen

 

Sieh dir deine Preiskalkulation genau an und berechne den Deckungsbeitrag. Ergibt es vielleicht Sinn, höhere Ausgaben zu investieren, um langfristig Kosten zu verringern? Zum Beispiel durch neuere Maschinen oder Softwareprogramme. Manchmal ist es außerdem zielführend, die Produktion zu erhöhen und durch die Massenproduktion sparen zu können.

6. Preise regelmäßig überprüfen

 

Die Bedingungen in deinem Betrieb, bei Wettbewerbern und an den Märkten ändern sich ständig. Daher solltest du regelmäßig prüfen, ob deine Annahmen bei der Angebotskalkulation noch gelten, um rechtzeitig reagieren zu können. In der Praxis hat sich eine Überprüfung im Abstand von 3 bis 6 Monaten bewährt:

  • Hat es bei dir unvorhergesehene Kostensteigerungen gegeben, z. B. bei Materialien oder Energien?
  • Hast du evtl. Kostenpositionen vergessen, z. B. für Personaleinstellungen, die Konzeption eines (neuen) Internetauftritts oder Tariflohnsteigerungen?
  • Hat es personelle Veränderungen gegeben? Ist ein Mitarbeiter hinzugekommen oder hast du Personal abgebaut?
  • Hast du mehr/weniger investiert als vorgesehen? Musstest du z. B. einen neuen PKW anschaffen?
  • Hast du Verbesserungen im Betrieb umgesetzt, die sich auf die Preise auswirken, z. B. schnellere Durchlaufzeiten?
  • Musst du ggf. höhere Nachlässe geben als bisher, z. B. weil neue Wettbewerber auftreten oder deine Produkte veraltet sind?
  • Musstest du mehr Geld in die Entwicklung neuer Produkte stecken als gedacht, z. B., um deine Marktposition auszubauen?

Wenn sich Veränderungen ergeben haben, musst du reagieren und unter Umständen neu kalkulieren.

7. Verbesserungen umsetzen

 

Wenn dir die Preiskalkulation zeigt, dass du aktiv werden musst, solltest du u.a. folgende Verbesserungsmöglichkeiten prüfen:

  • Kannst du die Fixkosten senken, z.B. andere Materialien einsetzen, preiswertere Versicherungen nutzen oder Energie über einen anderen Anbieter beziehen?
  • Lohnt es sich für dich, Dritte zu beauftragen, bestimmte Arbeiten für dich zu übernehmen (wenn dies geringere Kosten zur Folge hat)?
  • Musst du deinen Gewinnzuschlag senken, vor allem, wenn er über dem der Branche liegt?
  • Kannst du administrative Arbeiten reduzieren?
  • Kannst du Kunden Kosten separat in Rechnung stellen, z.B. für Anfahrt, spezielle Maschinen, Rüstzeiten, Fracht oder Verpackung? Diese Positionen kannst du in der Preiskalkulation aus der Formel herausrechnen und deine Preise sinken.
  • Versuche, möglichst die Produkte und Leistungen zu verkaufen, mit denen du die höchsten Gewinne erzielst. Stelle diese Artikel z.B. in der Werbung besonders heraus.
  • Prüfe, ob es möglich ist, andere Kunden anzusprechen, die weniger preissensibel sind. Prüfe außerdem, ob du dich von Verlustbringern trennen kannst.

 

Preiskalkulation mit Excel-Tool: So geht's

Wenn du ein kleines Unternehmen führst, kannst du die Preiskalkulation einfach mit einem Excel-Werkzeug umsetzen. Im Vergleich zu einer Unternehmenssoftware wie einem ERP-System ist dies eine weitaus kostengünstigere und gleichzeitig transparente Lösung. Insbesondere für den Einstieg ist ein Excel-Tool geeignet. 

Je nachdem, ob du Waren zukaufst, um diese weiter zu vertreiben, oder ob du selber Produkte herstellst und diese verkaufst, muss eine andere Art von kaufmännischer Preiskalkulation durchgeführt werden. Schließlich hat ein Warenhandelsunternehmen einen anderen Ansatz als ein Industriebetrieb. Der Aufbau einer Handelswarenkalkulation ist von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich und im Wesentlichen von dem verwendeten Produktionsverfahren abhängig.

Dennoch gibt es für die Kalkulation besonders im Industriebetrieb und im Handelsunternehmen einheitliche Grundstrukturen.

Tipp

Vorlage für Preiskalkulation nutzen

Um eine marktgerechte Preiskalkulation für deine Dienstleistungen und Produkte sicherzustellen, empfiehlt es sich, eine Vorlage zu nutzen.

Preiskalkulation mit Excel: Durchführung

Wenn du für die Preiskalkulation die Excel-Vorlage von Lexware nutzt, gehst du im Rechner wie folgt vor:

  • Entscheide dich auf der Startseite des Tools für die passende Art der Preiskalkulation: Handelswarenkalkulation oder Industriekalkulation.
  • Nimm dir die Unterlagen der letzten 2-3 Jahresabschlüsse zur Hand und übertrage die verschiedenen Kosten in das Tool.
  • Bilde bei den Werten pro Kostenart einen Mittelwert (Überschlag bzw. Schätzung genügt), um eine Ausgangsbasis für die weiteren Schritte zu haben.
  • Überlege dir, welchen Gewinn du dir wünschst und ob der Wert realistisch ist. Vergleiche die Preise deiner Wettbewerber, um eine Orientierung zu haben.

Je nachdem, wie das Ergebnis deiner Preiskalkulation ausfällt, musst du Veränderungen vornehmen oder nicht. Ob Handlungsbedarf besteht, liest du hier. 

Diese Vorteile hast du von einer Nachkalkulation

Die Ursachen für Unterschiede zwischen dem kalkulierten Preis und den wirklich aufgelaufenen Kosten sind vielfältiger Natur: 

  • Deine Mitarbeiter und du benötigt mehr Arbeitsstunden als ursprünglich veranschlagt.
  • Rohstoffe werden innerhalb der Angebotsfrist teurer.
  • Eine Maschine fällt aus. 

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Die tatsächlichen Kosten unterscheiden sich fast immer von denen, die du in der Preiskalkulation berechnet hast.

Wenn die Unterschiede zwischen der Kalkulation und den tatsächlichen Kosten zu groß sind oder häufiger auftreten, solltest du deine Preiskalkulationen anpassen. Auch interne Schwachstellen – etwa die Arbeit mit veralteten Daten – können dazu führen, dass es zu Abweichungen zwischen Soll- und Ist-Daten kommt.

Eine Vorkalkulation ist zwar immer sinnvoll, aber erst die Nachkalkulation macht transparent, wo Abweichungen auftreten, und gibt Hinweise darauf, was du tun kannst, um künftig realistischere Angebotspreise zu berechnen. So gehst du vor:

  • Nimm dir eine oder mehrere Preiskalkulationen zur Hand.
  • Erfasse nach der Abwicklung eines Auftrags oder der Fertigung eines Produkts alle Zahlen und Daten, die bei der Herstellung von Produkten oder der Erledigung von Aufträgen entstehen. Zum Beispiel: Materialkosten, Fremdleistungen, eigene Arbeitsstunden und -kosten, Fracht- und Verpackungskosten
  • Stelle die Ist-Daten denen der Preis- oder Angebotskalkulation gegenüber und vergleiche diese sorgfältig.

Durch dieses Vorgehen stellst du mittels Nachkalkulation zum Beispiel Optimierungsbedarf fest, den du für die nächste Preiskalkulation zwingend berücksichtigen musst.

Ergebnis prüfen und Handlungsbedarf festlegen

In der Praxis ist eine genaue Übereinstimmung von Plan- und Ist-Werten unwahrscheinlich. Insofern sind Abweichungen normal, zumindest solange sie sich in Grenzen bewegen. Daher solltest du immer prüfen, welcher von drei grundlegenden Fällen vorliegt und dann entscheiden, was du tun solltest.

Fall 1: Preis- und Nachkalkulation stimmen weitgehend überein; die Abweichungen liegen unter 5 %
Diese Abweichungen sind in der Regel unkritisch und du hast keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Dennoch solltest du auf die Nachkalkulation nicht verzichten und diese regelmäßig durchführen, um auch für die Zukunft sicherzustellen, dass es keine Schwierigkeiten gibt.

Fall 2: Preis- und Nachkalkulation weisen Abweichungen von 5 bis 10 % auf
Du hast grundsätzlichen Handlungsbedarf und solltest möglichst kurzfristig aktiv werden, um kaufmännische Verbesserungen zu erreichen. Besonders wenn die Nachkalkulation zeigt, dass du nicht alle Kosten ansetzt oder einige Kosten nur teilweise erfasst, solltest du handeln. Wenn dagegen die tatsächlichen Kosten unter den Kosten der Preiskalkulation liegen, hast du eventuell Spielraum für Preissenkungen.

Fall 3: Angebots- und Nachkalkulation weisen Abweichungen von mehr als 10 % auf
Wenn du häufiger Abweichungen von mehr als 10 % feststellst, machst du mit hoher Wahrscheinlichkeit systematische Fehler in deiner Preiskalkulation. Du vergisst beispielsweise, bestimmte Kosten anzusetzen, greifst auf nicht mehr aktuelle Daten zurück oder verschätzt dich häufiger beim Ansatz von Arbeitsstunden.

6 Maßnahmen zur Gewinnsteigerung

Das Kalkulieren eines Preises für einen Auftrag kann sich mitunter schwieriger gestalten, als es auf den ersten Blick aussieht. Um den gewünschten Gewinn zu erzielen, musst du daher eine exakte Preiskostenanalyse vornehmen:

1. Kostenpositionen prüfen

 

Prüfe, ob du bei der Preiskalkulation wirklich alle Kostenpositionen angesetzt hast.

2. Aktualität prüfen

 

Prüfe, ob es sich um aktuelle Werte handelt und nicht z. B. um Lohndaten aus dem Vorjahr, bei denen die Tariflohnsteigerungen nicht eingerechnet wurden. Gleiches gilt für andere Verträge bzw. Kosten (etwa durch Mieten, Energie, Versicherungen, Wartung etc.).

3. Daten richtig erfassen

 

Prüfe, ob alle Daten richtig erfasst werden; vor allem bei den Arbeitsstunden kommt es regelmäßig zu Erfassungsfehlern, auch wenn du mit modernen EDV-Programmen arbeitest.

4. Arbeitsstunden genau planen

 

Die Praxis zeigt, dass ein häufiger Grund für Abweichungen bei der Planung von Arbeitsstunden liegt. Prüfe daher sehr sorgfältig, ob es größere Abweichungen bei den Plan- und den Ist-Stunden gibt, und bei welchen Arbeitsschritten oder Aufgaben dies häufiger vorkommt, z. B. bei der Planung oder Konstruktion, der eigentlichen Fertigung, der Montage, dem Test beim Kunden oder der Nachbereitung.

Falls du tendenziell zu wenige Stunden ansetzt, solltest du ermitteln, wie viele Stunden du in der Vergangenheit bei ähnlichen Aufträgen im Schnitt benötigt hast. Auf dieser Grundlage kannst du bei der nächsten Preiskalkulation die Stundenzahl festlegen. Prüfe bei der nächsten Nachkalkulation, ob du mit diesem Ansatz hinkommst oder ob weitere Anhebungen notwendig sind.

5. Kosten senken

 

Prüfe, welche Möglichkeiten du hast, die Kosten zu senken oder deine Abläufe zu verbessern. Kostensenkungen führen oft relativ kurzfristig dazu, dass die Abweichungen zwischen Plan-Daten der Preiskalkulation und Ist-Daten geringer werden. Wenn du die Abläufe verbesserst (z. B. Einführung eines modernen Produktions- oder Planungssystems, Verzicht auf nicht wirklich notwendige Arbeiten) und den Anteil nicht direkt produktiver Arbeiten verringerst (z. B. bestimmte Büroarbeiten nur noch einmal pro Monat vornehmen oder Vertreterbesuche ebenfalls monatlich bündeln), hast du in der Regel eher mittelfristige Vorteile. Auch die Qualifikation der Mitarbeiter ist eine Maßnahme, die meist mittelfristig wirkt.

6. Puffer einbauen

 

Wenn du regelmäßig mit größeren Abweichungen zu kämpfen hast, solltest du versuchen, in die Preiskalkulation einen Puffer für Unvorhergesehenes einzubauen, z. B. 2 bis 5 % vom Auftrags- oder Produktpreis. Auch hier musst du dir darüber im Klaren sein, dass dies den Preis für deine Produkte erhöht.

Preiskalkulation im Einzelhandel: Beispiel aus der Praxis

Das Thema Preiskalkulation ist zunächst sehr theoretisch. Du erhältst viele Tipps und Tricks, doch ohne ein Anwendungsbeispiel kann es sich schnell zu einem Buch mit 7 Siegeln entwickeln. Aus diesem Grund zeigen wir dir, wie sich eine Kostenkalkulation anhand eines Beispiels zusammenstellen lässt:

Bernd Klingenburg verkauft Schreibtische mit individuellem Design. In der Regel gibt es keine festen Marktpreise für seine Tische. Die Preiskalkulation seiner Produkte macht Klingenburg bisher nur "Pi mal Daumen", indem er auf den Bruttoeinkaufspreis seiner Lieferanten stets etwa 100 % aufschlägt.  Auf diese Weise erzielte er bisher jedes Jahr einen Gewinn. Allerdings entwickelt sich der Gewinn seit einiger Zeit rückläufig.

Klingenburg will nun eine Preiskalkulation zunächst an einem neuen Produkt, dem Schreibtisch "Fichte exquisit", durchführen. Der Bruttoeinkaufspreis für den Tisch beträgt 599 Euro. Mit seiner bisherigen Vorgehensweise, der Verdopplung des Bruttoeinkaufspreises, kommt Klingenburg auf einen Ladenpreis von 1.198 Euro. Der Netto-Listenpreis liegt somit bei 1.032,76 Euro. Von seinen Verkaufspreisen gewährt Klingenburg seinen Kunden im Schnitt 8 % Nachlass sowie in den meisten Fällen 2 % Skonto.

So läuft die Preiskalkulation ab

 

Um eine verlässliche Handelskalkulation zu erstellen, muss Klingenburg zunächst den Nettobezugspreis für den Tisch ermitteln. Diesen erhält er, indem er den Bruttopreis um Mehrwertsteuer, Nachlässe und Skonto reduziert und die obligatorischen Nebenkosten für die Beschaffung, z. B. Transport und Versicherungen, addiert. Am Ende beträgt der Bezugspreis für den Tisch 466,61 Euro.

Jetzt wird es etwas schwieriger: Klingenburg will einen Zuschlagssatz für seine Handelskosten ermitteln. Dazu stellt er die Kosten des letzten Jahres zusammen. Nicht berücksichtigt werden in der Aufschlagskalkulation Wareneinsatz bzw. Materialkosten sowie die Bezugsnebenkosten. Zu jeder Kostenposition stellt sich Klingenburg die Frage, ob es im laufenden Jahr zu größeren Veränderungen kommen wird. Dies ist vor allem bei Fixkosten wie Energie- und Personalkosten (z. B. Löhne) der Fall. Hier stehen größere Steigerungen an. Klingenburg erhöht die Beträge entsprechend.

Danach muss er schätzen, wie hoch die Verkaufsmengen pro Tisch sind, und diese Mengen dann mit den Nettoeinkaufspreisen multiplizieren. Den Nettoeinkaufspreis wählt er, weil er nicht in jedem Fall die tatsächlichen Bezugskosten kennt. Beispielsweise fehlen häufiger Angaben zu den Nebenkosten und den Nachlässen der Lieferanten.

Dann werden voraussichtliche Kosten und Materialwerte in Relation gebracht, und Klingenburg erhält einen Zuschlagssatz von 76,41 %, den er auf den Bezugspreis des neuen Schreibtisches aufschlagen kann. Da der Zuschlagssatz ein Mittelwert ist, kann er auch bei der Berechnung der anteiligen Handelskosten aller anderen Produkte verwendet werden. Nun lassen sich die Selbstkosten, also die Kosten, die ihm für Ein- und Verkauf eines Tisches entstehen, berechnen: Summe = 823 Euro pro Stück.

Klingenburg will mit jedem verkauften Tisch einen anteiligen Gewinn realisieren – ihm schweben 15 % vor. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass er seinen Kunden im Schnitt 8 % Nachlass sowie 2 % Skonto gewährt. Dies eingerechnet, entsteht ein Listenpreis für den Tisch von immerhin 1.049,92 Euro. Gegenüber der bisher praktizierten Vorgehensweise ist der Listenpreis also um rund 18 Euro höher. Zum Schluss wird noch die Mehrwertsteuer von 19 % aufgeschlagen.

Ergebnis: Der Ladenpreis beträgt 1.249,40 Euro, liegt also um 51,40 Euro höher als ohne genaue Kalkulation.

Das überzeugt Klingenburg, auch für andere Produkte eine genaue Preiskalkulation zu berechnen.