Definition: Was ist ein Finanzplan?
Der Finanzplan (oder Wirtschaftsplan) ist ein zentrales Instrument der betriebswirtschaftlichen Planung, das die zukünftige finanzielle Entwicklung eines Unternehmens über einen Planungszeitraum (meist 3 bis 5 Jahre) darstellt. Er ist ein wesentlicher Bestandteil des Businessplans und dient der Überprüfung der Rentabilität und der Sicherstellung der Liquidität.
Hauptbestandteile eines professionellen Finanzplans:
- Umsatzplanung: Erwartete Einnahmen nach Produkten, Mengen und Preisen.
- Kostenplanung: Geplante Ausgaben, insbesondere Material-, Personal- und Fixkosten.
- Investitionsplan: Geplante Anschaffungen (Maschinen, IT, Fahrzeuge) mit Volumen und Zeitpunkt.
- Rentabilitätsvorschau: Prognose des Gewinns (Umsatz minus Kosten).
- Liquiditätsplanung: Gegenüberstellung von Ein- und Auszahlungen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit.
- Kapitalbedarfs-/Finanzierungsplan: Ermittlung der benötigten Mittel und deren Herkunft (Eigenkapital, Kredite, Förderungen).
Mit einem Finanzplan wird ein detaillierter Plan erstellt, der alle zentralen finanziellen Sachverhalte eines Unternehmens erfasst, darstellt und bewertet. Er wird aber nicht nur von Unternehmen, sondern auch von öffentlichen oder Privathaushalten erstellt. Der Finanzplan bzw. die Finanzplanung ist bei Unternehmen und Gründern meist ein zentraler Bestandteil des Businessplans. Ein Businessplan geht in der Regel aber über eine reine Finanzplanung hinaus und umfasst fast immer auch weitere Elemente, wie z.B.
- Produktbeschreibungen
- Marketing
- Wettbewerb
- Kunden
- spezifische Risiken
Ein Finanzplan sollte nicht nur für ein Jahr, sondern für einen längeren Planungszeitraum von etwa 3 bis 5 Jahren erstellt werden. Nur so lässt sich verlässlich abschätzen, ob ein Gründungsvorhaben dauerhaft tragfähig ist bzw. ob ein Unternehmen langfristig weiter am Markt existieren kann.
Warum ist Finanzplanung so wichtig?
Über einen Finanzplan bzw. eine Finanzplanung zu verfügen, ist für dich als Unternehmer oder Gründer aus zwei Gründen elementar. Zum einen, weil du mit einer Finanzplanung selbst einen guten Überblick über alle finanziellen Größen deines Unternehmens hast, wie zum Beispiel:
- Umsätze
- Kosten
- Gewinn
- Rentabilität
- Liquidität
So lässt sich der Finanzplan auch als Controlling-Instrument nutzen, etwa indem du den Planwerten regelmäßig die tatsächlich erreichten Istwerte gegenüberstellst. Anschließend prüfst du, ob und wo es Abweichungen gegeben hat und mit welchen Maßnahmen diese sich reduzieren oder künftig ganz vermeiden lassen.
Zum anderen, weil Banken und andere Investoren wie Förderbanken einen fundierten Einblick in die finanzielle Leistungsfähigkeit deines Unternehmens bekommen. Das ist u.a. dann wichtig, wenn du einen Kredit benötigst, beispielsweise für Investitionen oder die Finanzierung von Produktentwicklungen. Oder auch, wenn du expandierst oder ein Unternehmen erst gründen möchtest und hierfür Kapital benötigst. Ein Finanzplan ist daher für die Existenzgründung ebenso wichtig wie für bestehende Unternehmen.
Finanzplanung nach der Gründung
Nach der Gründung sollte ein Finanzplan jährlich erstellt bzw. aktualisiert werden. Hier wird dann sowohl mit Plan- als auch Istzahlen gearbeitet. Das heißt, dass du für einen Zeitraum von meist einem Jahr einen Finanzplan auf Monatsbasis erstellst und den Planwerten regelmäßig die tatsächlich erreichten Zahlen gegenüberstellst.
Tipp
Wann sind Maßnahmen erforderlich?
Bei größeren Abweichungen (Faustregel: ab ca. 5 bis 10 % oder Beträgen ab etwa 200 bis 400 Euro) zwischen Plan und Ist sollten Maßnahmen eingeleitet werden, um negative Abweichungen (z. B. höhere Kosten als geplant) zu begrenzen und positive Abweichungen (z. B. höhere Umsätze als geplant) zu verstärken.
Auch bei Bestandsunternehmen dient der Finanzplan dazu, Investoren von der Leistungsfähigkeit des eigenen Unternehmens zu überzeugen.
Aufbau: Welche Bestandteile beinhaltet ein Finanzplan?
Wie bei einem Businessplan gibt es kein standardisiertes „Rezept“ für den Finanzplan-Aufbau. Allerdings gibt es Bestandteile und Inhalte, die in jedem vollständigen und professionellen Finanzplan enthalten sein sollten. Zu nennen sind insbesondere:
- Umsatzplanung: Möglichst unterteilt nach Produkten und Kunden sowie Mengen, Preisen und Konditionen. In einen Finanzplan können auch die Produktkalkulationen aufgenommen werden.
- Kostenplan: Möglichst für alle wichtigen Kostenarten, z. B. Material- und Personalkosten, Abschreibungen, Raumkosten, Versicherungen.
Tipp
Orientiere dich an der BWA
Eine gute Orientierung stellt die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) dar, bei der unter „Materialaufwand“ und „Kostenarten“ die wichtigsten Kostenpositionen zusammengefasst werden. Außerdem sollten noch die Zinsen in die Planung einbezogen werden. Nutze unsere kostenlose BWA-Analyse, um deine Zahlen zu bewerten.
- Investitionsplan: Untergliedert nach Investitionsgütern mit Volumen und Zeitpunkten, um die Einflüsse auf die Liquiditätslage besser beurteilen zu können.
- Rentabilitätsrechnung bzw. Rentabilitätsvorschau: Hier geht es vor allem darum, den Gewinn darzustellen, der sich im Wesentlichen aus der Differenz von Umsätzen und Kosten ergibt. Die Rentabilität wird oft auch mit Kennziffern dargestellt, z. B. Umsatz- oder EBIT-Rendite (EBIT = Earnings before Interest and Taxes, Gewinn vor Zinsen und Steuern).
- Liquiditätsplanung: Sie ergibt sich, wenn die Rentabilitätsrechnung, die im Wesentlichen auf Umsätzen und Kosten aufbaut, um alle Positionen ergänzt wird, die Einfluss auf die Zahlungsfähigkeit haben. Zu nennen sind auf der Auszahlungsseite neben den Investitionen insbesondere Tilgungsleistungen, Gesellschafterentnahmen, Steuernach- und Vorauszahlungen, Umsatzsteuer-Zahllast, Lizenzen, Pachten, Spenden usw. Auf der Einzahlungsseite kommen u.a. Kreditaufnahmen, Gesellschaftereinlagen oder Steuererstattungen in Betracht. Wie du eine Liquiditätsplanung erstellst, liest du in unserem weiterführenden Artikel.
- Finanzierungsplan und Kapitalbedarfsplan: Bei diesen Teilplänen geht es v.a. darum, zu planen, welchen Kapitalbedarf ein Unternehmen in den kommenden etwa 3 bis 5 Jahren hat. Kapitalbedarf entsteht z. B., wenn du in Anlagevermögen investierst oder Vorräte finanzieren musst. Bei Gründern kommen in der Regel noch Gründungskosten hinzu. Auch für mögliche Verluste kann es im ersten und ggf. zweiten Jahr Kapitalbedarf geben. Der Finanzbedarf wiederum zeigt, woher ein Unternehmen die notwendigen Mittel bekommt, um den Kapitalbedarf zu finanzieren. Quellen für den Finanzbedarf sind u.a. Eigenkapital, Fremdfinanzierungen (z. B. Kredite oder Fördermittel), Leasing oder Factoring.
- Deckungsbeitragsrechnung: Falls möglich, sollte die Finanzplanung auch eine Deckungsbeitragsrechnung enthalten. Der Deckungsbeitrag ergibt sich, wenn du vom Produktpreis die variablen Kosten, wie z. B. Material und Fertigungslöhne, abziehst. Je höher der Deckungsbeitrag, desto wichtiger ist ein Produkt für das Unternehmen.
Info
Gründungskosten
Vor dem ersten Umsatz kommt die Gründung, die ebenfalls Kosten verschlingt. Dabei ist es aber stark abhängig von der Natur deines Geschäftsmodells, wie hoch die Gründungskosten ausfallen. Zu dieser Kostenart werden Beratungskosten, Gebühren für die Markenanmeldung oder den Eintrag ins Handelsregister, Kosten für die Personalsuche sowie Ausgaben für die Erstausstattung deines Geschäfts gezählt. Die Gründungskosten sind in vielen Fällen ein nicht unerheblicher Posten bei der Ermittlung des Kapitalbedarfs und daher solltest du sehr detailliert prüfen, was hier in deinem Einzelfall genau auf dich zukommt.
Tipp
Geh in der Praxis am besten so vor
Ein Finanzplan sollte einen Zeithorizont von etwa 3 bis 5 Jahren haben. Erstelle im ersten Jahr eine detaillierte Planung mit einem möglichst genauen Preis-Mengengerüst und plane alle Zahlen monatlich. So lässt sich besser erkennen, wo es in welchem Umfang Schwankungen (z. B. bei den Umsätzen) und möglicherweise Liquiditätsengpässe gibt. Und: Es bleibt meist ausreichend Zeit, sich darum zu kümmern, eine Liquiditätslücke zu schließen bzw. sie erst gar nicht entstehen zu lassen. Ab dem zweiten Jahr genügt es in der Regel, eine Planung quartalsweise durchzuführen. Und ab dem dritten Jahr ist eine jährliche Planung ausreichend.
Finanzplan erstellen: So gehst du vor
Jeder Finanzplan besteht aus mindestens den genannten Teilplanungen, die erstellt werden müssen. In der Praxis hat sich folgende Reihenfolge bewährt:
1. Umsatzplanung
Am sinnvollsten ist es, bei der Erstellung des Finanzplans mit der Umsatzplanung zu beginnen. Es ist notwendig, sich genau zu überlegen, welche Umsätze sich mit welchen Produkten und welchen Kunden zu welchen Preisen ergeben werden. Um fundierte Planungen vornehmen zu können, solltest du dir immer auch ansehen, wie sich die Umsatzzahlen in der Vergangenheit entwickelt haben. Außerdem ist es hilfreich, sich mit wichtigen Kunden über deren Kaufabsichten zu unterhalten und zu prüfen, ob und in welchem Umfang es bereits bestehende Verträge oder feste Zusagen gibt.
2. Rentabilitätsplanung
Die Rentabilitätsplanung, ebenso Rentabilitätsvorschau genannt, dient als Antwort auf folgende Fragen:
- Wie profitabel ist das Unternehmen in der Zukunft?
- Wie große Einnahmen sind nötig, um die Ausgaben abzudecken?
- Wie hoch ist der Kapitalbedarf?
- Sind die Zahlungsverpflichtungen einhaltbar?
Daneben helfen die Erkenntnisse der Planung weiterhin dabei:
- zu ermitteln, ob sich das Vorhaben lohnt (Existenzgründung, Einführung eines neuen Produkts, usw.).
- Kapitalgeber zu überzeugen, dass ein Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist.
- Abweichungen von Plan- und Ist-Zahlen festzustellen.
Um einen Rentabilitätsplan zu erstellen, ermittelst du zunächst, welchen Deckungsbeitrag deine Produkte erwirtschaften.
3. Kostenplanung und Deckungsbeitragsrechnung
Um den Deckungsbeitrag I zu ermitteln, stellst du alle Kosten zusammen, die bei der Herstellung eines Produkts bzw. beim Erbringen einer Dienstleistung anfallen. Dazu gehören beispielsweise:
- Materialeinkauf
- Maschineneinsatz
- Personalaufwand je Einheit
Diese Kosten ziehst du vom Verkaufspreis des Produkts/der Dienstleistung ab, um den Deckungsbeitrag I zu ermitteln.
Der Deckungsbeitrag II ergibt sich, indem du die direkt zurechenbaren Vertriebskosten (Provisionen, Versand, Verpackung) vom Deckungsbeitrag I abziehst. Der Deckungsbeitrag II muss über das gesamte Geschäftsjahr (und alle Produkte/Dienstleistungen) gerechnet so hoch sein, dass er alle weiteren anfallenden Kosten deckt, die nicht direkt mit Produktion oder Vertrieb zusammenhängen. Darunter fallen fixe Kostenarten wie z. B.:
- Mieten
- Abschreibungen
- Finanzierungskosten
- Gehälter
Hier muss geprüft werden, ob es ausreicht, zum Beispiel einen Zuschlag für Tariflohnsteigerungen einzuplanen oder ob du auch die Mitarbeiteranzahl verändern möchtest. Bei anderen Kostenarten wie dem Material musst du einen Abgleich mit den Umsatzzahlen vornehmen. Planst du zum Beispiel eine Umsatzsteigerung von 10 %, erhöhen sich die Materialkosten oft in ähnlichem Umfang.
Bei der Kostenart Werbung solltest du eine gesonderte Planung vornehmen: Plane zunächst konkrete Maßnahmen wie Messen oder Internetwerbung und versehe diese dann mit Preisen, das heißt Kosten für den eigenen Betrieb. Bei anderen Kostenarten ergeben sich die genauen Beträge erst, wenn andere Teilplanungen erstellt sind. Zur Höhe der Abschreibungen beispielsweis lassen sich erst nach Abschluss der Investitionsplanung präzise Werte erstellen. Nimm daher auch Kalkulationen und die Deckungsbeitragsrechnungen in den Finanzplan auf.
4. Umsatzprognosen mit der Gewinnschwelle
Damit du weißt, wie viel du im Monat verkaufen musst, um alle Kosten zu tragen, kannst du die Gewinnschwelle ermitteln. Hierfür teilst du die Fixkosten durch den Deckungsbeitrag II. Das Ergebnis ist die Stückzahl eines Produkts/einer Dienstleistung, die du monatlich mindestens verkaufen/erbringen musst, um Gewinn zu erzielen. Hast du mehrere Produkte/Dienstleistungen im Angebot, wird die Rechnung etwas komplexer. Dann ermittelst du nicht mehr die Einzelstückzahl, sondern den Umsatz, der im Monat erforderlich ist.
Du kennst nun den Ertrag aus den einzelnen Produkten und weißt, wie viel du absetzen musst, um deine Kosten zu decken. Nun ermittelst du, welche Mengen du realistisch betrachtet verkaufen kannst. Berücksichtige dabei auch eventuell stark unterschiedliche Absatzmengen in einzelnen Monaten (Sommerflaute, Weihnachtsgeschäft). Plane hier möglichst detailliert. Ermittle auf diese Weise deinen möglichen Umsatz pro Jahr. Dem Umsatz stellst du nun die Kosten gegenüber und erhältst so eine einfache Rentabilitätsvorschau.
Info
Wie agiere ich, wenn sich Ertragsprobleme aufzeigen?
Zeichnet sich bei der Planung ab, dass du Ertragsprobleme bekommen kannst, dann prüfe deine Kosten:
- Gibt es alternative Lieferanten mit günstigeren Konditionen?
- Habe ich den günstigsten Energieversorger?
Kann ich bei Marketing/Reisekosten/Fahrzeugkosten sparen?
5. Investitionsplanung
Einerseits sind Investitionen wichtig für die weitere Existenz des Betriebes. Andererseits fließt bei jeder Investition viel Geld aus dem Betrieb ab. Daher müssen im nächsten Schritt die Investitionen mit dem voraussichtlichen Finanzierungsbedarf geplant werden. Und zwar möglichst einzeln nach Kategorien, zum Beispiel Maschinen, Fahrzeuge, IT. Außerdem muss geplant werden, in welchen Monaten investiert werden soll, damit das benötigte Geld bereitgestellt werden kann.
6. Liquiditätsplanung
Die bisherigen Planungen müssen durch eine Liquiditätsplanung ergänzt werden. Denn wenn du deine Rechnungen nicht mehr bezahlen kannst, bist du insolvent. Der Zeitraum, den du dabei realistisch betrachten kannst, wird zwischen wenigen Wochen und einigen Monaten liegen. In die Liquiditätsplanung gehören – aufgeteilt nach Monaten – alle Sachverhalte, die bisher nicht berücksichtigt wurden und die Einfluss auf die Höhe des Kontostands haben, wie zum Beispiel:
- Tilgungsleistungen
- Steuernachzahlungen und Vorauszahlungen
- Umsatzsteuer-Zahllast
- Lizenzauszahlungen
- Gesellschafterentnahmen
- Kreditaufnahme
- Gesellschaftereinlagen
- Lizenzeinzahlungen
- Lieferantenrechnungen
- Personalkosten (und Sozialversicherungsbeiträge)
- Mieten
- Finanzierungsraten (Leasing, Zinsen, Tilgung)
- Steuern
Damit kennst du den Liquiditätsbedarf und auch die Termine, zu denen du die Zahlungen leisten musst.
Im nächsten Schritt machst du das Gleiche mit den Einnahmen: Wann kann ich welche Geldeingänge erwarten? Wenn du Kunden hast, die regelmäßig verspätet zahlen, plane das direkt mit ein – so vermeidest du böse Überraschungen. Die Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben zeigt dir, ob das vorhandene Geld (oder ihre Kreditlinie bei der Bank) ausreicht oder ob du zusätzliches Geld brauchst.
Tipp
Nutze unsere Excel-Vorlage für die Liquiditätsplanung
Mit unserem Liquiditätsplaner erfasst du einfach und übersichtlich alle Zahlungsflüsse. So behältst du den perfekten Überblick über deine Liquidität und kannst bei Bedarf rechtzeitig handeln.
7. Kapitalbedarfsplanung
Parallel zu den genannten Arbeitsschritten, gilt es, den Kapitalbedarf zu planen und ständig weiter zu konkretisieren. Gleichzeitig muss entschieden werden, zu welchen Teilen z. B. Eigen- und Fremdkapital eingesetzt werden soll.
Achtung
Alle Teilplanungen gehören zusammen!
Denn Veränderungen bei einem Teilplan führen fast immer dazu, dass sich auch die Werte in anderen Teilplänen ändern. Werden zum Beispiel die Investitionen erhöht, verändern sich Abschreibungen, Gewinn und Rentabilität sowie ggf. der Finanzierungbedarf. Wer hier nicht mit einer integrierten Excel- oder anderen IT-Lösung arbeitet, muss stets prüfen, ob bei Änderungen in einem Teilplan Anpassungen bei anderen Modulen notwendig sind und dies entsprechend manuell umsetzen. Ohne diese Plausibilitätsprüfungen kann es zu Abweichungen zwischen den Plänen und zu Fehlentscheidungen im Betrieb bzw. zu einer Nichtbewilligung von notwendigen Krediten durch die Bank kommen.
Werden alle Planungsschritte durchlaufen und alle Annahmen kritisch hinterfragt sowie dokumentiert, entsteht ein bankfähiger Finanzplan, mit dem du neue Kredite oder auch Fördergelder beantragen kannst.
Wichtige Hinweise zum Erstellen eines Finanzplans
Wenn sich abzeichnet, dass es bei deiner Liquidität „eng“ wird, hast du verschiedene Möglichkeiten. Folgendes kannst du tun:
- Sprich mit Lieferanten, ob du längere Zahlungsziele bekommen kannst.
- Biete deinen Kunden die Zahlung mit Skonto (Preisnachlass bei schneller Bezahlung) an – das kostet zwar Rentabilität, schont aber deine Liquidität.
- Sprich mit deiner Bank, ob diese eventuell befristet den Kreditrahmen erhöhen kann.
- Prüfe, ob es für dich andere Möglichkeiten als die Bankfinanzierung gibt.
Tipp
Binde alle Führungskräfte in die Finanzplanung ein!
Der Grund: Wenn der Finanzplan nur von der Geschäftsleitung in Zusammenarbeit mit dem Controlling erstellt wird, besteht zum einen das Risiko, wichtige Sachverhalte zu vergessen. Zum anderen ist die Gefahr gegeben, dass alle nicht eingebundenen Betroffenen sich nicht mit der Planung identifizieren und eine entsprechend geringe Motivation aufweisen, die Zahlen zu akzeptieren.
Finanzierungsplan erstellen: Beispiel aus der Praxis
Unternehmer W. will mit einer Dienstleistung im Webdesign in die Selbstständigkeit starten. Herzstück seines Businessplans ist ein Finanzierungskonzept. Zuerst erstellt er eine Rentabilitätsvorschau. Er ermittelt, wie sich Umsatz und Kosten nach heutigem Ermessen in den ersten 3 Jahren entwickeln werden. Damit die Zahlen nachvollziehbar sind, muss er für sich folgende Fragen beantworten:
- Wie viel Umsatz je Kunde und wie viele Kunden erwarte ich pro Monat?
- Sind meine Absatzmengen, Preise und Leistungen konkurrenzfähig?
- Werde ich genügend Kunden finden, um diese Umsätze zu realisieren?
- Lassen sich die geplanten Umsätze mit dem Inventar und meiner Arbeitszeit erreichen?
Sobald er diese Zahlen zusammengestellt hat, kann er beurteilen, ob das Vorhaben wirtschaftlich rentabel ist. Das ist es nur, wenn unterm Strich ein „Plus“ steht.
Ob es sich wirklich lohnt, Zeit und Geld in das Projekt zu investieren, hängt jedoch auch davon ab, ob er neben den betrieblichen Kosten auch seine privaten Lebenshaltungskostendecken kann. Deshalb ermittelt er mithilfe eines Monatsbudgets auch seinen privaten Kapitalbedarf, also den Unternehmerlohn, den er sich selbst auszahlen möchte.
Dann stellt er eine Liquiditätsplanung auf. Indem er die erwarteten Einnahmen den Ausgaben gegenüberstellt, simuliert er die Kontobewegungen der nächsten Monate. Gerade in der Anlaufphase werden kaum Einnahmen fließen, aber er muss noch einiges an Inventar einkaufen, um sein Unternehmen zu starten. Der niedrigste Monatskontostand zeigt ihm genau, wann rechnerisch die größte Belastung auftaucht. Dadurch weiß er jetzt beispielsweise, dass sein Erspartes nicht ausreicht, um allen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, und dass er sich noch um eine andere Finanzierung (z. B. Existenzgründungsfinanzierung mit öffentlichen Mitteln) kümmern muss.
Indem W. seine Kalkulationen zu Papier bringt, setzt er sich messbare Ziele und definiert, was er erreichen will. Diese Zahlen sind sein erstes Controlling-Instrument. Im späteren Vergleich von Plan- und Ist-Zahlen wird er Abweichungen feststellen und bei Bedarf eingreifen können.
Die Ziele der Finanzplanung
Einen Finanzplan erstellst du zum ersten Mal bereits vor der Existenzgründung. Dann ist er Teil deines Businessplans. Anhand deiner Planung weißt du, welchen Finanzierungsbedarf du hast und kannst diesen bei Bedarf mit Banken oder Fördergeldgeber besprechen und sicherstellen. Losgelöst davon, ob du einen Finanzplan im Rahmen einer Existenzgründung erstellst oder einen existierenden Finanzplan fortschreibst, verfolgst du mehrere Ziele gleichzeitig:
Marktbewertung
Im Rahmen des Businessplans hast du Informationen zu deiner Zielgruppe, den möglichen Kunden, zusammengestellt und dir Gedanken darüber gemacht, welche Akzeptanz dein Produkt oder deine Dienstleistung am Markt genießen wird. Du hast entweder Marktstudien ausgewertet oder dich mit ähnlichen Anbietern verglichen und kannst abschätzen, in welchen Mengen und zu welchen Preisen du deine Produkte/Dienstleistungen am Markt platzieren kannst.
- Marktakzeptanz hat zwei wichtige Facetten:
- Wie groß ist die Zielgruppe und welchen Anteil der Zielgruppe kannst du erreichen?
Was ist die Zielgruppe bereit zu bezahlen? Eine realistische Markteinschätzung liefert dir mögliche Umsätze und wird dir im weiteren Verlauf der Finanzplanung auch sagen, ob du Gewinn machen kannst.
Kapitalbedarf einschätzen
Der Finanzplan gibt deinem Unternehmen und dir einen detaillierten Überblick, welche laufenden Kosten in deinem Unternehmen anfallen und welche Investitionen du tätigen musst. Er sagt dir auch, welche Einnahmen du zu erwarten hast. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass du den Finanzplan nicht auf jährlicher, sondern auf monatlicher Basis erstellst. So siehst du, wie viel Geld du monatlich benötigst, um deine Kosten zu decken.
Die Darstellung der Zahlungsflüsse auf einer feinen Zeitskala entspricht damit einem Liquiditätsplan. Er verschafft dir einen Einblick, ob du dein Vorhaben aus Eigenmitteln stemmen kannst oder ob du Fremdkapital zur Finanzierung benötigst.
Außerdem wird klar, wann genau du das Geld benötigst. Mit Vorlage des Finanzplans kann aber auch die Bank als Geldgeber dein Vorhaben optimal einschätzen und auf dieser Grundlage entscheiden, ob und in welcher Höhe sie dir einen Kredit gewährt. Du selbst profitierst auch von dem Finanzplan, weil sich auf seiner Basis Stärken und Schwächen deiner Geschäftsidee offenbaren und gerade die Aspekte der finanziellen Realisierung in den Mittelpunkt gerückt werden.
Langfristige Planung
Die detaillierte Kostenaufstellung ist auch ein Instrument der langfristigen Planung. Mit Blick auf die Liquidität kannst du den Finanzplan deines Unternehmens als Steuerungsinstrument begreifen und beispielsweise größere, gleichzeitig anfallende Kostenblöcke entzerren oder strecken, sofern das sinnvoll möglich ist.
Eine langfristige Planung ist häufig auf zehn Jahre ausgelegt, ist aber für die späten Jahre deutlich gröber strukturiert. Mittelfristplanungen sind da schon genauer und sind auf etwa fünf Jahre ausgelegt. Dieser Planungshorizont wird im Rahmen der Existenzgründung von möglichen Geldgebern auch mindestens verlangt.
Die Kurzfristplanung betrifft die nächsten zwei Jahre und sollte möglichst scharf sein.
Ziele bewerten und anpassen
Indem du mit dem Liquiditätsplan deine Finanzen einschätzt, erkennst du, ob dein Vorhaben rentabel ist. Du erkennst rechtzeitig, ob und welche Engpässe in finanzieller Sicht zu erwarten sind. Zu diesem Zweck greifst du auch auf Erfahrungswerte und Zahlen der letzten Jahre zurück (was für Existenzgründer jedoch schwierig ist) und schaust dir an, wie sich bestimmte Kosten- und Einnahmepositionen mit der Zeit entwickelt haben.
Wenn du rechtzeitig Trends identifizierst, weil beispielsweise bestimmte Rohmaterialien teurer geworden sind oder sich bestimmte Produkte nicht mehr so gut verkaufen, kannst du Strategien entwickeln, gegebenenfalls frühzeitig gegenzusteuern. Brauchst du andere Lieferanten oder musst du deine Produkte weiterentwickeln?
Unterstützung holen
Wenn du mithilfe des Finanzplans weißt, welche Ausgaben und Einnahmen auf dich zukommen, kannst du kalkulieren:
- Wie viel Eigenkapital steht dir zur Verfügung und mit welcher Summe musst du dich von externen Geldgebern unterstützen lassen?
- Wie hoch muss ein mögliches Darlehen genau sein und wer kommt als Geldgeber infrage?
In diesem Zusammenhang legst du zudem fest, mit welchen Mitteln und in welchem Zeitraum du einen Kredit zurückbezahlen kannst. Das ist von besonderer Bedeutung. Schließlich möchtest du sicherstellen, dass du das geliehene Darlehen bedienen kannst, ohne dich zu übernehmen und dich am Ende zu verschulden oder gar das Unternehmen wieder zu verlieren.
Wie schon angedeutet, beruht ein realistischer Finanzplan oft auf Erfahrungswerten. Führst du ein Unternehmen bereits seit mehreren Jahren, kannst du die Zahlen aus vorangegangenen Jahren heranziehen, um eine realistische Einschätzung für viele Bereiche deines Finanzplans zu treffen. Als Existenzgründer kommst du nicht umhin, zunächst ein gewisses Planungsrisiko auf dich zu nehmen.
Einen Finanzplan mit Excel erstellen: Gibt es gute Vorlagen?
Wenn du ein kleines Unternehmen führst, kannst du relativ gut mit selbst konzipierten Excel-Anwendungen einen Finanzplan erstellen. Im Internet existieren zahlreiche Finanzplan-Vorlagen für Excel. Außerdem gibt es professionelle IT-Lösungen, die du sofort nutzen kannst, etwa als Modul eines ERP-Programms.
Häufig gestellte Fragen zum Finanzplan
Was sind die Vorteile von Finanzplanung im Unternehmen?
Eine Finanzplanung zu erstellen, bringt gleich mehrere Vorteile. Der wichtigste darunter ist jedoch eine realistische Übersicht der finanziellen Lage. Mit dieser Basis lässt sich das weitere Vorgehen im Unternehmen planen.
Wer kann bei der Erstellung eines Finanzplans unterstützen?
Wenn du lieber auf der sicheren Seite sein willst, wende dich an einen Berater, um einen Finanzplan zu erstellen. Dazu zählen beispielsweise Unternehmens- und Steuerberater sowie Wirtschaftsprüfer.
Warum braucht jedes Unternehmen einen Finanzplan?
Ein Finanzplan dient nicht nur als realistische Erfassung der eigenen Einnahmen und Ausgaben, sondern wirkt durchgehend als Orientierung dafür, wie sich das Unternehmen entwickelt, was Probleme bereitet und ob stets finanzielle Mittel für geplante Maßnahmen bestehen.