Wie können Unternehmer ein erfolgreiches Mitarbeitergespräch führen?

Als Kleinunternehmer kennst du deine Mitarbeiter persönlich. Mit allen hast du Kontakt, mit den meisten arbeitest du eng zusammen. Diesen Vorteil kannst du aber noch ausbauen, indem du Mitarbeitergespräche führst. In diesem Austausch kannst du Leistungen anerkennen, konstruktive Kritik üben oder Hindernisse ausräumen. Erfahre im folgenden Beitrag, wie du Mitarbeitergespräche richtig führst und wie du diese zielgerichtet aufbaust.

Zuletzt aktualisiert am 16.01.2025
© Contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Warum solltest du Mitarbeitergespräche führen?

Als Unternehmer hast du deine persönliche, durch Erfahrungen geprägte Sicht der Dinge. Die Ansicht deiner Mitarbeiter kann aber eine ganz andere sein. Folgende Gründe zeigen, weshalb du regelmäßige Gespräche mit deinen Angestellten führen solltest:

  • Einblick in dein Team: In Mitarbeitergesprächen kannst du das Unternehmen oder deine Abteilung auch vom Standpunkt deiner Mitarbeiter sehen, Erwartungen und potenzielle Konflikte erkennen.
  • Kommunikation: Durch den Dialog verbesserst du die Zusammenarbeit mit deinen Arbeitnehmern, räumst bestehende Missverständnisse aus und sorgst für ein besseres Arbeitsklima.
  • Personalentwicklung: Indem du Personalgespräche führst, kennst du die Ziele und Probleme deiner Mitarbeiter und hilfst Ihnen, diese mittels Zielvereinbarungen zu erreichen bzw. Herauforderungen zu meistern.
  • Mitarbeitermotivation: Wenn du Feedbackgespräche richtig führst, steigerst du nicht nur die Zufriedenheit und Produktivität deiner Team-Mitglieder, sondern auch die Mitarbeiterbindung.

Auch wenn es keinen aktuellen, dringenden Gesprächsbedarf gibt, ist es sinnvoll, mit jedem Mitarbeiter ein Jahresgespräch zu führen.

Info

Pflicht zur Durchführung von Mitarbeitergesprächen

Als Arbeitgeber bzw. Führungskraft bist du gemäß § 82 des Betriebsverfassungsgesetzes dazu verpflichtet, deinen Angestellten Mitarbeitergespräche anzubieten.

Ein Arbeitnehmer darf jederzeit um eine Unterredung mit einem Vorgesetzten bitten, wenn es dabei um betriebliche Angelegenheit geht, die ihn persönlich betreffen.“

Checkliste zum Führen von Mitarbeitergesprächen

Gerade als junger Unternehmer arbeitest du vielleicht noch nicht lange in der Personalführung. Steht der erste Termin mit einem deiner Angestellten an, ergibt sich die Frage „Wie führe ich ein Personalgespräch?“. Unsere Checkliste versorgt dich mit den notwendigen Informationen, damit du deine Mitarbeitergespräche erfolgreich führst.

1. Vorbereitung des Mitarbeitergesprächs

Auch wenn du mit vielen, operativen Aufgaben beschäftigt bist, solltest du deine Mitarbeitergespräche gut vorbereiten. Beachte im Vorfeld folgende Punkte:

  • Plane genügend Zeit ein. Dein Mitarbeiter soll nicht den Eindruck erhalten, dass du ihn zwischen Terminen abfertigst.
  • Lege fest, wo du das Gespräch führen willst. Findet es in deinem Büro statt, solltest du dich keinesfalls hinter deinem Schreibtisch verschanzen. Das betont die Hierarchie unnötig und erschwert es dem Mitarbeiter, offen mit dir zu reden. Schaffe eine gute Gesprächsatmosphäre.
  • Du solltest deinen Mitarbeiter rechtzeitig informieren, dass du ein Mitarbeitergespräch führen willst. Teile ihm Zeitpunkt, Ort und Anlass des Gesprächs mit, damit er sich ebenfalls vorbereiten kann.
  • Lege fest, was du erreichen möchtest. Je genauer du dein Ziel kennst, umso besser wird es dir gelingen, das Gespräch darauf auszurichten. Das Ziel muss erreichbar und zumutbar sein; und es muss rechtlich erlaubt sein.
  • Musst du die Zielvereinbarungen verhandeln, solltest du für dich selbst Ober- und Untergrenzen festlegen. Bei allen Gesprächsinhalten kann es sinnvoll sein, ein Alternativziel parat zu haben.
  • Sammle schlüssige Argumente für deine Ziele und überlege, welche Fragen du deinem Mitarbeiter stellen möchtest.

Tipp

Optimal vorbereitet mit unserer Vorlage

Hol dir jetzt kostenlos unsere Mitarbeitergespräch-Vorlage und geh perfekt vorbereitet in dein nächstes Gespräch!

2. Führung des Mitarbeitergesprächs

Als Teamleiter wünschst du dir, dass der Termin mit deinem Angestellten zwar ergebnisorientiert, aber auch harmonisch abläuft. Damit beide Bedingungen eintreten, gibt es einige Aspekte zu beachten, während du Mitarbeitergespräche führst.

  • Ein erfolgreiches Mitarbeitergespräch braucht eine Struktur. Du musst vorher in groben Zügen den Ablauf planen. Das Vorgehen erläuterst du deinem Mitarbeiter, damit auch er sich darauf einstellen kann. Am besten orientierst du dich an einem Gesprächsleitfaden.
  • Geh offen und ohne Vorurteil ins Gespräch. Für den Gesprächseinstieg kannst du mit dem Anlass und den Zielen der Besprechung starten und Erfolge des Mitarbeiters hervorheben.
  • Achte darauf, dass dein Mitarbeiter beim Thema bleibt. Werde nicht ungeduldig: Dein Mitarbeiter ist vielleicht ungeübt darin, seine Interessen im Gespräch zu vertreten.
  • Wenn du Mitarbeitergespräche führst, sollte dies auf Augenhöhe geschehen und beide Parteien sollten zu Wort kommen. Hierbei darf deinem Angestellten gerne ein höherer Redeanteil zukommen. Mit der 70-30-Regel spricht der Mitarbeiter zu 70 % und die Führungskraft zu 30 %.
  • Konzentriere dich voll auf deinen Gesprächspartner und schenke ihm deine volle Aufmerksamkeit. Frage gegebenenfalls nach und vermeide Unterbrechungen. Dieses „aktive Zuhören“ hilft dir, persönlichen Kontakt zum Mitarbeiter herzustellen, seine Interessen, Wünsche und Vorstellungen besser zu erkennen und leichter gemeinsame Lösungen zu finden.
  • Rede keinesfalls über abwesende Mitarbeiter.
  • Sorge für einen sachlichen Ablauf des Personalgesprächs. Wenn das gar nicht funktioniert, brich das Gespräch ab, und unternimm später einen neuen Versuch. 

Info

Das Mitarbeitergespräch dokumentieren

Mach dir stichwortartig Notizen zum Gesprächsinhalt. So gehst du sicher, dass du nichts Wichtiges vergisst.

3. Gesprächsstrategien und Situationen vorhersehen

Manche Angestellte tendieren dazu, innerhalb der Konversation vom Thema abzulenken oder kommen gar nicht erst auf den Punkt. Bei solchen Mitarbeitern musst du die Gesprächsführung übernehmen. Dies gelingt dir mit folgenden Maßnahmen:

  • Mit den richtigen Fragen kannst du geschickt das Gespräch lenken, unsichere Mitarbeiter zum Reden bringen und allzu redselige zurück zum Thema führen.
  • Falls du dich von einer Frage deines Mitarbeiters oder Einwänden überrumpelt fühlst: Wiederhole wichtige Aussagen mit eigenen Worten; damit gewinnst du wertvolle Zeit, in der du dir eine Antwort überlegen kannst.
  • Bei einem impulsiven Mitarbeiter musst du auch mit aggressiven Reaktionen rechnen. Bleib ruhig, spiegle sein Verhalten wider, frag ihn nach der Ursache für sein Aufbrausen. Lässt er sich gar nicht beruhigen, brichst du besser das Gespräch ab und schlägst einen neuen Termin vor.

Die Nachbearbeitung des Personalgesprächs

Wenn du Mitarbeitergespräche führst, sind diese meistens mit dem Ziel der Verbesserung verbunden. Daher geht mit jedem Mitarbeitergespräch die Nachbereitung einher. Folgende Aspekte solltest du durchführen:

  • Reflektiere das Gespräch. Was hast du gut oder nicht so gut gemacht? Welchen Eindruck hast du von deinem Mitarbeiter erhalten?
  • Erörtere, welche Ziele du im Termin erreicht hast und welche noch offen sind.
  • Setze die erarbeiteten Absprachen um. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer verlassen das Personalgespräch mit dem Ziel auf Veränderung bzw. Verbesserung. Daher solltest du die getroffenen Vereinbarungen auch einhalten.

Weitere Gesprächstypen

Neben dem regelmäßigen Mitarbeitergespräch gibt es noch andere Varianten von Beurteilungsgesprächen. Diese können zwar dem gleichen Gesprächsleitfaden (s. o.) folgen, aber meist einen konkreten Anlass haben. Das sind:

  • das Anerkennungsgespräch
  • das Kritikgespräch
  • das Konfliktgespräch

Das Anerkennungsgespräch

Anerkennung und Lob werden vielfach vernachlässigt, weil gute Leistungen schnell zur Selbstverständlichkeit werden. Man geht davon aus, dass der Mitarbeiter doch weiß, dass man ihn schätzt. Dabei wird vergessen, dass viele Mitarbeiter ausgesprochene Anerkennung benötigen, um sich weiter anspornen zu können. Darum solltest du besondere Leistungen und Kompetenzen in einem Mitarbeitergespräch würdigen. Auf diese Weise erhältst du die Mitarbeitermotivation aufrecht oder kannst diese noch steigern.

Das Kritikgespräch

Im Alltag von Abteilungsleitern gehört es auch dazu, schwierige Mitarbeitergespräche zu führen. Das Kritikgespräch ist daher eines der wichtigsten Führungsinstrumente. Nur wenn du mit deinem Mitarbeiter über Probleme redest, ihm Fehler und Schwächen vorhältst und gemeinsam nach Lösungen suchst, kannst du Besserung erwarten. Das Kritikgespräch ist aber auch unangenehm. Du musst damit rechnen, dass dein Mitarbeiter mit Widerwillen reagiert oder in eine Verteidigungshaltung gerät. Deshalb solltest du ein Kritikgespräch stets sachlich und ruhig führen. Bereite im Vorfeld Formulierungen für dieses Mitarbeitergespräch vor, die das Thema zwar genau benennen, den Mitarbeiter aber nicht kränken. Erkläre deinem Mitarbeiter die Situation genau; versuche, Einsicht und das Versprechen von Besserung zu erhalten.

Das Konfliktgespräch

Konflikte unter Mitarbeitern können das Betriebsklima und die Leistung der Mitarbeiter erheblich beeinträchtigen. Sie sollten umgehend geklärt und konstruktiv gelöst werden. Mit einem Mitarbeitergespräch kannst du Konflikte rasch, auf Dauer und für alle Beteiligten zufriedenstellend lösen. Beim Konfliktgespräch ist es besonders wichtig, dass sich am Ende keiner als Verlierer fühlt und keiner „sein Gesicht verliert“. Gesprächsziel muss sein, gemeinsam eine Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten gut leben können. Im Konfliktmanagement ist es für Führungskräfte wichtig, eine neutrale Haltung einzunehmen. Beim Konfliktgespräch solltest du aufpassen, dich nicht auf die Seite eines Mitarbeiters ziehen zu lassen.

Praxis-Beispiel: Gehaltsgespräch

Mitarbeiter M bittet Unternehmer U um ein persönliches Gespräch. Um sich darauf vorbereiten zu können und den Zeitbedarf abschätzen zu können, fragt U nach dem Anlass. M erklärt, Grund sei sein Gehalt, das seit 2 Jahren unverändert sei. Er glaubt, eine Gehaltserhöhung verdient zu haben. In einem Mitarbeitergespräch möchte er um mehr Gehalt verhandeln.

U, dessen Unternehmen nicht tarifgebunden ist, hat sich die Gehälter vor einigen Monaten angesehen. Er hat festgestellt, dass Ms Gehalt im Vergleich zu dem anderer Mitarbeiter angemessen ist. Er weiß, dass seine Mitarbeiter im vorigen Jahr gut gearbeitet haben, und hätte gerne eine allgemeine Gehaltserhöhung gewährt. Er musste jedoch erkennen, dass sich das Unternehmen, im Zusammenhang mit den anderen Personalkosten, eine spürbare Gehaltserhöhung derzeit nicht leisten kann

Auch M hat in den vergangenen Monaten gut gearbeitet, sogar mehr geleistet als die anderen. Er hat den Auftrag mit dem Kunden K1 zügig und eigenverantwortlich abgearbeitet. K1 hat sich ausdrücklich beim Unternehmer U für die rasche und erfolgreiche Arbeit bedankt. U überlegt, wie er Ms Leistung anerkennen könnte, ohne sein Gehalt zu erhöhen. Ihm fällt ein, dass M einen verhältnismäßig kleinen Firmenwagen fährt und sich wegen seiner 2 Kinder schon häufiger den Kombi eines Kollegen geliehen hat.

So könnten der Unternehmer und sein Angestellter das fiktive Mitarbeitergespräch führen:

U: „Guten Tag, Herr M. Bevor wir hier mit dem eigentlichen Thema beginnen, möchte ich dich fragen, wie es deinem Nachwuchs geht?“
M: „Guten Tag, Herr U. Meiner Familie geht es gut. Die Jungs sind halt jetzt in einem schwierigen Alter und halten uns ganz schön auf Trab…“
U: „Das kenne ich. Also unsere Jungs…. Aber du bist ja aus einem anderen Grund hier. Du wolltest mich ja wegen deines Gehalts sprechen. Du meinst, ich sollte dein Gehalt erhöhen?“
M: „Ja, ich arbeite jetzt schon 2 Jahre bei dir, und mein Gehalt ist unverändert. Du warst doch bisher mit meiner Arbeit sehr zufrieden. Den Auftrag mit K1 habe ich vollkommen selbstständig und pünktlich abgeschlossen, obwohl der Zeitplan sehr eng war.“
U: „Das stimmt. Ich weiß, dass du noch keine Gehaltserhöhung bekommen hast, seit du bei mir bist, und ich weiß auch, dass du den Auftrag mit K1 hervorragend abgewickelt hast. Dafür möchte ich mich bei der Gelegenheit noch einmal bedanken.“

– U macht eine kleine Pause und trinkt einen Schluck Kaffee –
„Wie jedes Jahr habe ich mir im Januar die Gehälter aller Mitarbeiter angesehen. Ich hätte sie gerne erhöht, aber wir können uns das gerade einfach nicht leisten. Du weißt, dass wir voriges Jahr erhebliche Verluste wegen der Insolvenz von K3 hatten. Wenn ich jetzt nur dein Gehalt erhöhe, würde ich alle anderen benachteiligen. Das möchte ich natürlich nicht.“
– U macht wieder eine kleine Pause –
„Ich mache dir aber einen anderen Vorschlag: Was hältst du davon, wenn du statt einer Gehaltserhöhung einen größeren Dienstwagen bekommst? Ich dachte mir, dass die Fahrt in den Urlaub vielleicht entspannter ist, wenn die Jungs etwas mehr Platz haben.“
M: „Einen Kombi vielleicht? Wir hatten schon überlegt, privat einen zu kaufen; das war mir aber bisher zu teuer. Also, das wäre schon was.“
U: „Gut, dann schlage ich vor, ich hole mal 2, 3 Angebote ein und komme auf dich zu.“
M: „Das hört sich gut an …“
U: „Ich denke, das lässt sich machen. Dann verbleiben wir für heute so. Danke für das angenehme Gespräch, und grüß deine Frau von mir.“
M verabschiedet sich.