Zusammenfassung
Einzelkosten im Überblick
- Einzelkosten lassen sich im Gegensatz zu Gemeinkosten direkt einem Kostenträger oder einer Kostenstelle zurechnen.
- Daher werden sie auch als direkte Kosten bezeichnet.
- Kostenträger sind einzelne Produkte oder Dienstleistungen, die ein Unternehmen anbietet. Beispiele sind Materialien, die direkt im Produkt verbaut werden.
- Kostenstellen sind kostenverursachende Abteilungen im Unternehmen, wie zum Beispiel der Vertrieb.
- Es gibt Kostenstelleneinzelkosten und Kostenträgereinzelkosten. Letztere unterteilen sich in 4 weitere Arten.
- Dank der Berechnung von Einzelkosten lassen sich profitable Preise für deine Produkte und Dienstleistungen kalkulieren.
- Zur Einzelkostenberechnung kannst du zwischen der Grenzplankostenrechnung und der Prozesskostenrechnung wählen.
Definition
Was sind Einzelkosten?
Einzelkosten sind laut Definition jene Kosten im Unternehmen, die einem bestimmten hergestellten Produkt bzw. einer bestimmten angebotenen Dienstleistung (= Kostenträger) direkt zurechenbar sind. Alternativ können sie einem bestimmten Fachbereich oder einer einzelnen Abteilung (=Kostenstelle) direkt zugeordnet werden. Als Synonym für den Begriff Einzelkosten ist auch häufig von direkten Kosten (engl.: direct costs) die Rede.
Exkurs: Kostenstellen und Kostenträger
Stellt dein Unternehmen beispielsweise E-Bikes her, sind das deine Kostenträger. Oder arbeitest du zum Beispiel als Coach, so sind deine Coachings deine Kostenträger. Als eigene Kostenstelle könnte in deinem Unternehmen dann der Vertrieb (mit Provisionen als Sondereinzelkosten) gelten, der für den Verkauf des Produkts oder der Dienstleistung sorgt.
Alle Kosten, die durch solche Kostenstellen und Kostenträger entstehen, können mengen- und wertmäßig den einzelnen Produkten und Dienstleistungen in deinem Unternehmen zugerechnet werden und fließen damit in die Kostenträgerrechnung ein. Je nach Detailgrad der Kosten-Aufschlüsselung lassen sich auch noch Einzelkosten der Teilleistungen erfassen.
| Kostenstelle | Kostenträger | |
|---|---|---|
| Definition | Ort der Kostenentstehung wie Funktions- / Verantwortungsbereiche / Abteilungen | Produkte oder Dienstleistungen, die von deinem Unternehmen hergestellt oder angeboten werden. |
| Beispiele | Vertrieb, Fertigung, Verwaltung | E-Bikes, Geschenkartikel, Coaching, Grafikdesign, Lektorat |
| Beispiele für entstehende Kosten | Löhne und Gehälter für die Mitarbeiter des Bereichs und dort verbrauchte Hilfsmaterialien | Materialien, die direkt im Produkt verbaut werden. |
Info
Wann gelten Kosten als Einzelkosten?
Sobald bestimmte Kosten direkt einer Kostenstelle oder einem Kostenträger zugerechnet werden können, gelten sie eindeutig als zuordenbare Einzelkosten.
Einzelkosten vs. Gemeinkosten
Das Gegenteil von Einzelkosten sind Gemeinkosten. Unter Gemeinkosten wird alles gefasst, was sich eben anders als bei Einzelkosten nicht eindeutig einem Produkt oder einer Dienstleistung zurechnen lässt, die in deinem Unternehmen entsteht.
Beispiele für Gemeinkosten:
- Energie- und Heizkosten
- Reinigungskosten
- Kosten für Raummiete
Um die Gesamtkosten deines Unternehmens zu berechnen, addierst du die Einzelkosten oder auch variablen Kosten mit den Gemeinkosten bzw. fixen Kosten.
Welche Einzelkosten gibt es?
Eine erste Unterscheidung von Einzelkosten erhältst du, wenn du die Kosten in Kostenträgereinzelkosten und Kostenstelleneinzelkosten gruppierst.
Kostenträgereinzelkosten: 4 Arten
Kostenträgereinzelkosten machen den größten Teil der Einzelkosten aus. Sie unterscheiden sich ihrerseits in vier verschiedene Arten:
1. Materialeinzelkosten (MEK)
Unter Materialeinzelkosten werden vor allem Rohstoffe und zugekaufte Bauteile für einzelne Kostenträger verbucht. Braucht dein Unternehmen beispielsweise LEDs für die produzierten E-Bikes und kauft diese Leuchtmittel ein, gelten diese als Materialeinzelkosten.
Die benötigten Rohstoffe und Bauteile kannst du in der Regel aus Materialentnahmescheinen oder Stücklisten für die gefertigten Produkte ablesen.
2. Fertigungseinzelkosten (FEK)
Fertigungseinzelkosten entstehen unmittelbar durch die Fertigung bzw. Herstellung des Produkts oder das Ausliefern einer Dienstleistung. Entsprechend sind diese Einzelkosten auch direkt dem fertigen Produkt oder der Leistung zurechenbar. Beispiele für diese Art von Einzelkosten sind Fertigungslöhne.
Um Fertigungseinzelkosten zu berechnen, kannst du einfach den Stundensatz eines Fertigungsmitarbeiters mit der Dauer seines Einsatzes am Produkt multiplizieren.
Beispiel: Deine Mitarbeiterin benötigt 1,5 Stunden, um die LED-Beleuchtung am Produkt E-Bike zu montieren. Ihr Stundensatz beträgt 60 Euro. Die Fertigungseinzelkosten für das Einbauen der LEDs betragen damit 90 Euro.
Entsprechend wichtig: Ermittle einzelne Fertigungsschritte und halte die Fertigungszeiten, z. B. in Arbeitsplänen, fest. Solche vermeintlichen Kleinigkeiten erleichtern dir später die Kalkulation deiner Preise.
Info
Reguläre Einzelkosten
Materialeinzelkosten und Fertigungseinzelkosten zählen zu den regulären Einzelkosten. Das sind Ausgaben, die regelmäßig auftreten, aber durch die Herstellungsmenge auch variabel sein können. Sie zählen auch zu den zuordenbaren Einzelkosten.
3. Sondereinzelkosten der Fertigung
Neben Materialien und Fertigungslöhnen gibt es weitere Einzelkosten, die einem Auftrag oder Kostenträger direkt zugeordnet werden können, die nur für die Herstellung eines Auftrags, Produktes oder einzelner Chargen anfallen.
Beispiele für Sondereinzelkosten der Fertigung sind:
- Lizenzgebühren
- Entwicklung von Prototypen
- spezielles Werkzeug, das sich nicht auf bestimmte Produkte umlegen lässt
- Kosten für Materialanalysen
4. Sondereinzelkosten im Vertrieb
Auch wenn Kosten im Vertrieb üblicherweise nicht eindeutig einem einzigen Produkt zugeordnet werden können, gilt: Kosten für beispielsweise Verkaufsprovisionen, spezielle Verpackungen oder Versand-Versicherungen werden als Sondereinzelkosten im Vertrieb den Einzelkosten zugerechnet.
Kostenstelleneinzelkosten
Zu den Kostenstelleneinzelkosten gehören solche Kosten, die nicht wie oben beschrieben einem Kostenträger, sondern einer Kostenstelle zugeordnet werden – wie beispielsweise Gehälter.
Beispiel für Kostenstelleneinzelkosten
Das Gehalt deiner Abteilungsleitung der Fertigung kannst du direkt und ohne weiteren Schlüssel der Kostenstelle Fertigung zurechnen.
Da es aber nicht einem einzelnen Produkt zugerechnet werden kann (sofern dein Unternehmen mehr als nur ein Modell oder Produkt herstellt), gehört es entsprechend nicht zu den Kostenträgereinzelkosten.
Zur weiteren Abgrenzung: Die Miete für Werkstätten oder Büroräume gehört nicht zu den Kostenstelleneinzelkosten, denn hier müsstest du zur genauen Berechnung einen Schlüssel anwenden (die qm-Zahl).
Einzelkosten berechnen: 2 Möglichkeiten
Bei der Einzelkostenrechnung hast du zwei Möglichkeiten: die Grenzplankostenrechnung und die Prozesskostenrechnung.
| Grenzplankostenrechnung | Prozesskostenrechnung | |
|---|---|---|
| Zugrundeliegendes Prinzip | Verursachungsprinzip | Beanspruchungsprinzip |
| Fokus | Wie viel exakt kostet die Fertigung eines bestimmten Produktes / das Durchführen einer bestimmten Dienstleistung? | Welche Ressourcen werden für den Prozess der Produktion / der Durchführung beansprucht? |
| Beispiel-Frage | Was kosten die im Produkt verbauten Schrauben? | Was kostet zusätzlich der Prozess des Schrauben-Montierens oder die Miete für die Werkstatt etc.? |
| Was zählt zu den Einzelkosten? | Hier sind die Einzelkosten nahezu identisch mit den variablen Grenzkosten. | Hier wird auch ein Teil der Fixkosten zu den Einzelkosten gezählt. |
Für dich als Unternehmer ist es lohnenswert, dass du dich mit einer dieser beiden Verfahren zur Einzelkostenberechnung vertraut machst. Basierend auf den Ergebnissen kannst du anschließend nämlich gewinnbringende Preise für deine Produkte und Dienstleistungen festlegen.
Warum ist das Thema Einzelkosten so wichtig für dein Unternehmen?
Für dich und dein Unternehmen hat die Auseinandersetzung damit und die Berechnung von solchen direkt zurechenbaren Einzelkosten folgende Vorteile:
Auf Basis dieser Informationen kannst du:
- verstehen, welche Arten von Kosten wo in deinem Unternehmen anfallen, und diese Kosten gliedern
- überblicken, für welche Produkte und Leistungen welche Kosten anfallen
- ein Kostenbewusstsein bei deinen Mitarbeitenden schaffen
- steigende Kosten im Unternehmen analysieren und Einsparungspotenziale ermitteln
- Preise für einzelne Produkte und Dienstleistungen kalkulieren
- dein Betriebsergebnis analysieren und im Controlling herausfinden, welche Produkte bzw. Dienstleistungen besonders profitabel sind
Sich mit dem Thema Einzelkosten und der Differenzierung gegenüber Gemeinkosten auszukennen, bildet die Basis für deine Kostenartenrechnung, die Kostenstellenrechnung und die Kostenträgerrechnung.