Gründung

Einen eigenen Laden eröffnen: Was du wissen und beachten solltest

Die Idee, einen eigenen Laden mit Leidenschaftsprodukten zu eröffnen, ist weit verbreitet, aber die Realisierung erfordert umfassende Planung und Kenntnisse. Neben der Entwicklung eines Businessplans und der Finanzierung sind fachliche Kompetenzen, Lagerverwaltung und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften entscheidend. Wir bieten dir Informationen und Unterstützung, damit du als angehender Einzelhandelsunternehmer deinen Traum erfolgreich umsetzt.

Zuletzt aktualisiert am 03.04.2025
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Was ist der Einzelhandel?

Wenn du deinen eigenen Laden eröffnen möchtest, solltest du grundlegende Kenntnisse über den Einzelhandel haben. Zum Einzelhandel zählen alle Unternehmen, die als Verkäufer den Endverbraucher mit Waren beliefern. Im Gegensatz zum Großhandel, der vom Hersteller eingekaufte Waren an gewerbliche Kunden verkauft, kauft der Einzelhandel sowohl beim Hersteller als auch beim Großhandel als Wiederverkäufer ein. Die Unterscheidung liegt im vorrangigen Abnehmer der Waren. Die Größe des Geschäftes spielt für die Einordnung nur eine untergeordnete Rolle.

Der Einzelhandel gliedert sich in verschiedene Sparten. Folgende Varianten sind am gängigsten: 

  • Sogenannte Vollsortimenter (Warenhäuser, Kaufhäuser, u.a.), die das vollständige Sortiment einer Branche für den Kunden bereithalten.
  • Discounter und Supermärkte, die mit einem begrenzten Sortiment schnell verkäufliche Waren zu günstigen Preisen absetzen.
  • Geschäfte mit selektiven Sortimenten (Boutiquen, Mono-Label-Stores, Spezialgeschäfte und Fachmärkte) variable Optionen, wie ein Einzelhandelsgeschäft aufgebaut sein soll.

Info

Der besondere Stellenwert des Lebensmittel-Einzelhandels

Im Vergleich zu allen anderen Geschäften des Einzelhandels unterliegt der Lebensmittel-Sektor zusätzlichen Bestimmungen, Verordnungen und gesetzlichen Vorgaben in Bezug auf Hygiene und Lebensmittelsicherheit. Willst du ein Lebensmittelgeschäft eröffnen, solltest du diese zwei Aspekte stets beachten:

  • Die strengsten Vorgaben werden bei Geschäften angewendet, die offene Lebensmittel verkaufen, also die Waren erst im Geschäft portionieren und verpacken (Metzgerei, Frischetheke, u.a.).
  • Die Vorgaben zu Hygiene und Lebensmittelsicherheit gelten für alle Geschäfte im Einzelhandel, die Lebensmittel verkaufen, auch wenn das Sortiment vorrangig in anderen Produkten einen Schwerpunkt hat.

Den eigenen Laden eröffnen: Besonderheiten und Vorüberlegungen

Die meisten Gründer, die einen eigenen Laden eröffnen möchten, entscheiden sich für eine Teilbranche des Einzelhandels. Mit viel Leidenschaft für ein individuelles Themenfeld verbindest du deine erworbene Fachkenntnis mit persönlichen Neigungen und Interessen. Deine eigene Begeisterung für die angebotenen Produkte ist eine gute Basis für den Erfolg, reicht alleine jedoch nicht aus, um den eigenen Laden zu einem rentablen Unternehmen zu machen. Jedes Geschäft hat seine eigenen Herausforderungen. 

An den Besonderheiten des eigenen Geschäftsmodells orientieren sich die nötigen Vorüberlegungen. Die Abläufe des Laden-Eröffnens sind mit einer Checkliste zu planen. Halte dir die folgenden, beispielhaften Überlegungen immer vor Augen:  

  • Ein Fachgeschäft für anspruchsvolle Elektrogeräte stellt andere Anforderungen an die Geschäftsräume als eine kreative Boutique mit Modeaccessoires.
  • Ein Geschenkartikel-Laden mit individuellen Produkten benötigt eventuell nur ein kleines Lager, während der eigene Sonderpostenmarkt eher größeres Warenlager bedarf.
  • Die Ausstattung eines Ladens sollte dem Angebot entsprechen. Die Ladeneinrichtung für den Einzelhandel mit Lebensmitteln sollte auf jeden Fall Kühltheken enthalten.
  • Hinzu kommen gegebenenfalls nötige Extras wie eine kleine Werkstatt für das Schmuckgeschäft, das kleinere Reparaturen für Kunden übernimmt.
  • Ein Sortiment mit beratungsintensiven Artikeln wie ein Optiker-Geschäft unterliegt nicht nur einer Meisterpflicht (Augenoptiker-Meister), sondern sollte eventuell auch eine kleine Küche und sanitäre Anlagen bereithalten, um Kunden in der Wartezeit den Service eines Getränks bzw. einer Kundentoilette zu bieten.

Bevor du deinen eigenen Laden eröffnen kannst, solltest du im Rahmen der Planung deine persönliche Geschäftsidee finden. Das Alleinstellungsmerkmal (USP) fließt ebenso in die Konzeption ein wie die grundlegende Basis an Voraussetzungen für eine Geschäftseröffnung, die Schritte um dein Gewerbe anzumelden bis zur Finanzierung. 

  • Die beste Hilfestellung hierfür ist die Zusammenarbeit mit einem Unternehmensberater, der die Planung der Geschäftseröffnung mit einem Konzept auf ein stabiles Fundament hebt und dir dabei hilft, deinen Businessplan zu erstellen.
  • Darin können auch die Verkaufswege notiert werden, die gegebenenfalls neben dem klassischen Verkauf im Ladenlokal angedacht sind.
  • Ein Onlineshop kann dabei ebenso in Frage kommen wie die Teilnahme an regionalen Märkten, die zum eigenen Angebot passen.
  • Der Businessplan erläutert dabei nicht nur die Vorteile des Geschäftes, sondern auch mögliche Schwachpunkte in der Planung des Geschäftserfolges.
  • Zudem ist der Businessplan ein wertvolles Werkzeug, um bei Bedarf mit Banken und Investoren eine gute Argumentationsgrundlage zu haben.

Erste Schritte zur Ladeneröffnung im Einzelhandel: Wie gehe ich vor?

Im ersten Schritt sollten alle Ideen rund um das geplante Ladengeschäft schriftlich festgehalten werden. Im Anschluss gilt es dann, die Notizen zu sortieren und daraus einen übersichtlichen Businessplan zu erstellen. Die wesentlichen Gesichtspunkte zum Erstellen des Businessplans sind:

  • Angebot und Produkte
  • Das Alleinstellungsmerkmal
  • Der Standort für das Ladenlokal
  • Die Zielgruppe
  • Der Wettbewerb

Nach dem Businessplan: Welche Voraussetzungen sind nötig, um ein Geschäft eröffnen zu können?

Steht der grobe Businessplan, geht es an die weitere Umsetzung der Firmengründung. Die Voraussetzungen für den eigenen Laden stehen dabei im Mittelpunkt. Der Feinschliff im Businessplan entsteht häufig in diesem Planungssektor, da Herausforderungen und Ergänzungen oft erst in der Vorbereitung der Voraussetzungen entstehen. So kann der Austausch mit Geschäftskontakten und Lieferanten Informationen über weiterführenden Bedarf der eigenen Zielgruppe erschließen lassen, der sich optimal in das eigene Geschäftsmodell einbinden lässt. Oder die gefundenen Räumlichkeiten eröffnen neue Optionen, welche die eigene Geschäftsidee erweitern.

Räume für das Ladenlokal und weiterführende Vertriebswege

Die richtigen Räume für das Geschäft haben nicht nur den richtigen Standort, sondern bieten genügend Raum für alle notwendigen Teilbereiche: 

  • Nicht nur die Ladentheke, sondern auch ausreichende Warenregale, ein Lager und gegebenenfalls nötige weitere Räume müssen so angeordnet sein, dass die Kunden sich nur im Verkaufsraum aufhalten müssen und dort nach Möglichkeit nicht nur den gewünschten Bedarf decken, sondern auch stöbern können. Nebenräume wie eine Küche oder ein Büro sind stets sinnvoll. Ist ein Mitarbeiterteam geplant, sind auch ein Aufenthaltsraum, eine Mitarbeitertoilette sowie gegebenenfalls ein Sanitätszimmer nötig.
  • Zählt das Geschäft zum Lebensmitteleinzelhandel, sind bei offenen sowie verpackten Lebensmitteln eine spezielle Zubereitungsküche und eine Kühlung für die Lagerhaltung nötig.
  • Hier sollte entsprechend bereits vor der Anmietung mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufgenommen werden, um die Räume zu prüfen.
  • Erfolgt dies nicht, können später unkalkulierbare Kosten für Umbauten aufkommen, wenn bei der erforderlichen Prüfung der Räume durch die zuständigen Stellen des Gesundheitsamtes nicht erfüllte Vorgaben festgestellt werden und somit das Laden eröffnen durch die Beseitigung der Fehler verhindert wird.

Entsprechend der erwarteten Kundenmenge und der individuellen Geschäftslage sind Kundenparkplätze gegebenenfalls sinnvoll und wichtig. So macht es wenig Sinn, ein SB-Geschäft für Möbel in einer Fußgängerzone zu eröffnen, wenn es keine eigenen Parkplätze gibt, die den Kunden das schnelle Be- und Entladen ermöglichen. Auch für gegebenenfalls nötige Großlieferungen von Herstellern und Großhändlern sollte die Anfahrt zu den Geschäftsräumen möglichst einfach und unkompliziert sein.

Neben dem Ladenlokal können weiterführende Vertriebswege eine gute Option für den Geschäftserfolg sein: Lokale Wochenmärkte, Onlineshops oder Messeteilnahmen verhelfen nicht nur zu neuen Kunden, sondern auch zu erhöhter Bekanntheit.

Netzwerk an Lieferanten und Geschäftspartnern

Planst du, ein Geschäft zu eröffnen, solltest du dich bereits vor der Eröffnung von deinem Laden um ein gutes Netzwerk au Lieferanten und passenden Geschäftspartnern kümmern.  

  • Setze dabei nicht allein auf einen Lieferanten, um die Unabhängigkeit in der Warenbeschaffung zu gewährleisten.
  • Auch Geschäftspartnerschaften können für den Unternehmenserfolg förderlich sein.
  • So kann ein Gebraucht-Möbelgeschäft mit einem Dienstleister wie einem Polsterer zusammenarbeiten oder ein Geschäft für Wohntextilien mit einer versierten Schneiderin Synergieeffekte erzielen.
  • Kontakte für das eigene Netzwerk können beispielsweise auf Messen oder in regionalen Unternehmernetzwerken und -vereinen gefunden werden.

Achtung

Eine besondere Ausnahme bilden Geschäfte im Franchise-System

Entscheidest du dich dazu, ein Franchise-Geschäft zu eröffnen, gelten hierbei bestimmte Voraussetzungen. Als selbständiger Lokalinhaber triffst du feste Vereinbarungen mit dem Franchise-Geber.

  • Du stimmst mit der Franchise-Direktion ab, wer zur Geschäftsführung gehören darf und wie die Geschäftsabläufe erfolgen sollen.
  • Der Franchise-Vertrag gibt vor, welche Produkte du in deinem Sortiment führen darfst und musst. Häufig sind Waren von einer bestimmten Marke vorgeschrieben. Produkte weiterer Hersteller sind in einem Franchise-Laden nicht gestattet.
  • Die Vertragsbedingungen im Franchise regeln ebenfalls, wie die Außendarstellung auszusehen hat.

Einzelne Aushilfen oder festes Mitarbeiterteam

Die Art des Geschäftes, das Angebot sowie die Unternehmensgröße lassen einen variablen Bedarf an Mitarbeitern entstehen. Um einen Laden zu eröffnen, sollten die Konditionen und Erforderlichkeiten klar sein, um richtige Mitarbeiter zu finden und einzustellen: 

  • Kleine Geschäfte sind häufig unternehmergeführt, was bedeutet, dass die hauptsächliche Arbeit im Tagesgeschäft vom Einkauf und Verkauf bis hin zur Büroarbeit durch den Unternehmer selbst ausgeführt wird.
  • Zur Entlastung sollten hier wenigstens eine oder zwei Aushilfen als flexible Mitarbeiter gefunden werden, um im Krankheitsfall oder bei spontan aufkommender Mehrarbeit (z.B. im Weihnachtsgeschäft) Unterstützung zu haben.
  • Je größer die Geschäftsräume, desto wichtiger ist ein fester Mitarbeiterstamm, der individuell mit unterschiedlichen Expertisen zusammengesetzt sein sollte.
  • Da jeder zusätzliche Mitarbeiter jedoch auch die Unternehmenskosten erhöht, sollte die Zusammenstellung des Mitarbeiterteams gut überlegt werden.

Gesetzliche Bestimmungen und Verordnungen

Je nach Art des Einzelhandelsgeschäftes sind unterschiedliche Gesetze und Verordnungen zu erfüllen, um einen Laden eröffnen zu dürfen. Dies betrifft sowohl die Grundlagen für ein Unternehmen wie die Gewerbeanmeldung, die Anmeldung beim Finanzamt und bei gegebenenfalls nötigen Organisationen und regional sinnvollen Gewerbevereinen. Die Räume müssen gegebenenfalls eine Prüfung erhalten und in einigen Fällen persönliche Expertisen und Sachkundenachweise (z.B. Meisterbrief) nachgewiesen werden.

  • Bei Geschäften im Lebensmitteleinzelhandel kommen weiterführende Aspekte hinzu, beispielsweise die Erfüllung von einem Lebensmittelhygienekonzept nach der EU-Verordnung VO 852-853/2004.
  • Diese legt fest, wie Lebensmittel zu jeder Zeit vor Verunreinigungen durch Verschmutzungen, Fremdkörper, der Kontaminierung mit Bakterien, Krankheitserregern und Keimen sowie vor einem möglichen Verderb zu schützen sind.
  • Hinzu kommen weitreichendere Anforderungen an die Räumlichkeiten und die Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel, wenn beispielsweise verkaufte Produkte wie Kuchen oder Kaffee auch vor Ort verköstigt werden sollen.
  • In diesen Fällen kommen die gesetzlichen Bestimmungen der Gastronomie zu den bereits vorhandenen Regelungen und Gesetzen.
  • Auch ein passendes Müllentsorgungskonzept kann je nach Geschäftsart notwendig sein.

Ein guter Ansprechpartner für Unsicherheiten bezüglich der gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen im Einzelhandel ist die Industrie- und Handelskammer (IHK), in der eine Pflichtmitgliedschaft ab der Unternehmensgründung erfolgt. Die Mitgliedschaft bietet jedoch auch viele Vorteile, die über die Informationsbeschaffung und aktuelle Gesetzesänderungen für Unternehmen hinausgehen.

Kosten für den eigenen Laden

Eine solide Finanzierung sichert die Basis für das eigene Laden-Lokal. Dabei geht es nicht allein um die Kosten für die Geschäftsausstattung, die Miete und den ersten Warenbestand, um den Laden eröffnen zu können. Es geht auch um die Finanzierung der laufenden Kosten in den ersten Monaten. Hier solltest du folgende Ausgaben berücksichtigen: 

  • die Gehälter von Mitarbeitern
  • die Gebühren für bürokratische Aspekte der Geschäftsgründung, beispielsweise die Gewerbeanmeldung, die Eintragung ins Handelsregister oder die Rechnung für das Notarbüro (je nach Rechtsform)
  • die laufenden Nebenkosten wie Strom, Internet und Telefon 

Die entstehenden Kosten zur Ladeneröffnung sind ähnlich den anfallenden Kosten, wenn du eine Firma gründen willst. Der individuelle Finanzbedarf ergibt sich aus dem Businessplan, in dem auch die Vorausschau auf die möglichen Verdienste aus dem Verkauf im Ladenlokal mit den Kosten verglichen wird, um eine Berechnung der Rentabilität aufstellen zu können. Möglichkeiten zur Finanzierung werden in einem gesonderten Teil dieses Ratgebers noch einmal ausführlicher erläutert.

Marketing für den Unternehmenserfolg

Mit der guten Vorbereitung der Geschäftseröffnung gehen viele Aspekte einher. Häufig unterschätzt wird dabei das Marketing, das gerade in der Phase, wenn der Laden eröffnen soll, unzählige Chancen bietet. Folgende Möglichkeiten solltest du im Rahmen des Marketings kennen:

  • Ein besonderes Angebot kann interessant genug sein, dass die regionale Presse darüber berichtet. Diese häufig kostenlose Werbung sollten Gründer in jedem Fall ins Auge fassen und rechtzeitig passende Kontakte knüpfen.
  • Regionale Kundenevents und -aktionen, Informationsveranstaltungen zu Themen aus dem Umfeld der Produktgruppe (z.B. Autorenlesungen für einen Buchladen), machen die anvisierte Zielgruppe neugierig.
  • Damit das Marketing optimal beim Laden eröffnen genutzt wird, ist ein stimmiges Gesamtbild für den Außenauftritt wichtig.
  • Das eigene Logo, gleichbleibende Schriftzüge und feststehende Firmenfarben werden in einem Corporate Design festgehalten, um einen Wiedererkennungswert zu erschaffen.
  • Dieses Branding sollte sich im Schaufenster, in Firmenschildern, aber auch im Briefpapier wiederholen.
  • Im besten Fall sorgen lokale Werbemittel von Printanzeigen und Flyern über Plakate bis hin zur Fahrzeugbeschriftung neben einer guten Webpräsenz für ein bald bekanntes Bild, das die Kunden des Geschäftes regelmäßig den Wunsch nach einem erneuten Besuch im Laden erinnern.

Sonderform im Einzelhandel: Einen Unverpacktladen eröffnen

Nachhaltigkeit ist längst mehr als ein Trend, sondern ein fester Bestandteil in der zukunftsorientierten Firmenphilosophie zahlreicher Unternehmen sowie im Einzelhandel. Das Konzept beruht auf dem Verkauf von nachhaltigen Lebensmitteln, regionalen Produkten und der Kombination mit der bestmöglichen Reduktion von Müll. All diese Prinzipien werden in einer besonderen Form des Lebensmittelgeschäfts umgesetzt: den Unverpacktläden.

Was ist ein Unverpacktladen?

Als Unverpacktläden werden Geschäfte im Lebensmittel-Einzelhandel bezeichnet, die sich durch ihre nachhaltigen und umweltfreundlichen Geschäftsmodelle von klassischen Supermärkten und Discountern unterscheiden. Folgende Grundsätze charakterisieren einen Unverpacktladen:

  • Das Alleinstellungsmerkmal (USP) besteht darin, dass die angebotenen Lebensmittel und Produkte ohne Umverpackungen zu kaufen sind, also unverpackt.
  • Anstelle von verkaufsfertig verpackten Produkten werden Großgebinde eingekauft, die in geeigneten Behältnissen auf den Kauf durch Kunden warten.
  • Der Kauf von loser Ware wird auch als „Zero Waste Prinzip“ bezeichnet.
  • Die Kunden kaufen die Lebensmittel in eigens mitgebrachten Gefäßen oder in wiederverwendbaren Behältnissen auf Pfandbasis.
  • Für ökologische Vertriebswege sollte der Unverpacktladen in der Nähe deiner Lieferanten sein. 

Info

Welche Zielgruppe kauft im Unverpacktladen ein?

Bevor du deinen Unverpacktladen aufmachst, solltest du dir ein Bild von deiner Kundschaft machen. Die Zielgruppe für Unverpacktläden zeigt sich in Umfragen als offene, gut gebildete Menschen mit akademischer Bildung und einem guten Einkommen. Die Kunden sind aufgeschlossen gegenüber neuen Ideen und Konzepten, sind aktiv und engagiert und interessieren sich für Trends und Diskussionen für eine gute Lebensqualität. Damit einher geht ein hoher Qualitätsanspruch, der Wunsch nach Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher sowie ökologischer Verantwortung. 

Welche Komponenten sind wichtig, um einen Unverpacktladen zu eröffnen?

Damit du dieses Ladenkonzept auch richtig umsetzen kannst, solltest du bei deinem Unverpacktladen über die entsprechende Einrichtung und notwendige Ausstattung verfügen.

  • Der Unverpacktladen sollte ein ausreichend großes Ladenlokal mit einem entsprechenden Lagerplatz aufweisen.
  • Zudem ist die Räumlichkeit für die Umsetzung eines Hygienekonzeptes so aufzubauen, dass alle Aspekte für den Lebensmittelschutz eingehalten werden.
  • Zur Einrichtung eines Unverpacktladens zählt auch eine angemessene Kühlung für frische Produkte, sowohl im Verkaufsbereich als auch im Lager.
  • Damit du Waren und Produkte unverpackt anbieten kannst, sollte deine Ladeneinrichtung auch über stabile Regale sowie große Behälter aus Glas oder Edelstahl verfügen, in denen du große Mengen anbieten kannst. 
  • Da die meisten Lebensmittel abgewogen werden, gehören funktionierende Waagen zum wichtigsten Equipment für einen Unverpacktladen.

Wirtschaftliche Aspekte bei der Eröffnung eines Unverpacktladens

Nachdem das Modell des Unverpacktladens eher eine Nischenform im Einzelhandel darstellt, solltest du auch aus wirtschaftlicher Sicht gewisse Besonderheiten beachten. 

  • Zeige in einem umfassenden Businessplan auf, wie du deinen Unverpacktladen zu einem wirtschaftlich liquiden Geschäft etablieren möchtest.
  • Im Rahmen der Finanzierung deines Unverpacktladens solltest du genau aufzeigen können, dass deine Zielgruppe groß genug ist, um Einnahmen zu generieren. Dein Laden muss also rentabel sein.
  • Integriere eine Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben. Um deinen Unverpacktladen zu eröffnen, sollen die Kosten durch den künftigen Gewinn gedeckt werden.
  • Durch die unverpackten Lebensmittel stehen die Hygiene und einwandfreie Lagerung der Ware an erster Stelle. Lege dar, dass du diesen Anforderungen nachkommen kannst.
  • Beweise mit dem richtigen Standort, dass deine zukünftigen Kunden deinen Laden auch gut erreichen können.
  • Erläutere, dass du mit den richtigen Lieferanten zusammenarbeiten wirst. Diese müssen einerseits dem Leitbild deines Geschäfts entsprechen. Andererseits müssen diese auch in deine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung passen.
  • Wenn du einen Franchise-Unverpacktladen eröffnen willst, solltest du auch die Lizenzgebühren in deiner Kostenaufstellung integrieren.

Finanzierungsmöglichkeiten für den eigenen Laden im Einzelhandel

Die Finanzierung für den eigenen Laden und die Eröffnung betrifft die Kosten für die Geschäftsausstattung, den Warenerstbestand, die Miete und die Nebenkosten, aber auch den Finanzbedarf für das Personal einschließlich dem Firmeninhaber, der von den Einnahmen des Ladens künftig leben muss und möchte. Entsprechend wichtig ist eine solide Finanzierung: 

  • Im optimalen Fall sind mit der Finanzierung die Kosten für das erste Jahr, mindestens jedoch 6 Monate gedeckt, ohne dass die Einnahmen dafür eingesetzt werden müssen.
  • Dies verschafft dem Ladeninhaber eine starke Basis, mit der er sein Unternehmen zum sogenannten Break-even führen kann.
  • Als Break-even wird der Punkt bezeichnet, in dem die Einnahmen die Kosten übersteigen und das Geschäft somit rentabel wird.
  • Das Erreichen dieses Punktes wird im Businessplan bereits dargelegt: Ein bestes Szenario wird dem „Worst Case“, also dem schlechtest möglichen Firmenergebnis gegenübergestellt. Beide Aspekte zusammen lassen eine grobe Schätzung erkennen, ab wann sich das Unternehmen selbst tragen kann.

Je nach angedachter Geschäftsform und individueller Situation sind unterschiedliche Wege möglich, das Kapital für die Laden-Eröffnung zusammenzubekommen:

Die Firmengründung: Mit welcher Rechtsform eröffnet man einen Laden?

Ob Einzelunternehmen, GmbH, Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft in Frage kommen, hängt von individuellen Zielen und Voraussetzungen des Unternehmers ab. Die richtige Rechtsform für das eigene Geschäft zu finden, kann eine Herausforderung sein, bei der die Unterstützung durch einen Unternehmensberater hilfreich ist, da er mit Rat und Fachkenntnis bei der Geschäftsgründung, aber auch bei späteren Expansionsplänen zur Seite steht. Folgende Rechtsformen stehen unter anderem zur Auswahl:

Welche persönlichen Kenntnisse sollten Gründer für das eigene Geschäft mitbringen?

Die Eröffnung im Einzelhandel kann grundlegend recht einfach sein und durch die Leidenschaft des Inhabers zum Erfolg führen. Doch dies gelingt nur, wenn die persönliche Eignung für die praktische Arbeit im eigenen Laden vorliegt. Die wichtigsten Grundlagen für die Eröffnung im Einzelhandel liegen in der eigenen Erfahrung, den kaufmännischen Kenntnissen, der Fachexpertise und der Branchenkenntnisse sowie im Sinn für unternehmerisches Risiko, zu denen sich persönliche Eigenschaften wie Kontaktfreude und Kundenorientierung ergänzen.

1. Erfahrung im Einzelhandel

Wer einen Laden eröffnen will, sollte bereits Erfahrungen im Einzelhandel gesammelt haben. Damit du dein Geschäft auch erfolgreich führst, solltest du über bestimmte Fähigkeiten verfügen oder dir diese aneignen: 

  • Verschaffe dir gute Kenntnisse über das Sortiment.
  • Eigne dir Wissen über grundlegende Geschäftsabläufe an. 
  • Nutze deine Fähigkeit zu beraten und deine Geduld, um auch mit schwierig empfundenen Kunden umgehen zu können.
  • Gehört das eigene Geschäft zum Lebensmittel-Einzelhandel, sollte zudem die Grundlagen für ein Hygienekonzept und weitere spezifische Vorkenntnisse zum Erfahrungsschatz zählen.

2. Kaufmännische Kenntnisse

Bei der Eröffnung des eigenen Ladens ist es essenziell die Kosten im Blick zu behalten. Doch erst im laufenden Geschäftsbetrieb zeigt sich der Umgang mit kaufmännischen Kenntnissen. Damit das Geschäft rentabel wird, benötigen Gründer Grundkenntnisse zu betriebswirtschaftlichen Sachverhalten. Bei den folgenden Konzepten solltest du die Grundlagen kennen: 

  • Verständnis für eine gute Kosten-Nutzen-Rechnung
  • Basiswissen zur nötigen Buchhaltung
  • Ein Verständnis für Gewinn und Verlust

Sollte eine kaufmännische Ausbildung nicht vorliegen, empfiehlt sich eine entsprechende Weiterbildung. Auch die Zusammenarbeit mit einem Unternehmensberater und einem Steuerberater ist sinnvoll und kann bei größeren Unternehmen durch einen angestellten Buchhalter ergänzt werden.

3. Fachexpertise, Branchenkenntnisse und Kundenorientierung

Je mehr ein Geschäft eine Spezialisierung aufweist, umso wichtiger sind Fachkenntnisse zu den Produkten und der Branche. Vor allem Geschäftsnischen und Fachgeschäfte werden daher häufig von Unternehmern geführt, die selbst für ihre Produktpalette „brennen“

  • Dabei muss jedoch bei aller Leidenschaft für das Sortiment eine realistische Einschätzung von Angebot und Nachfrage vorliegen, um das eigene Geschäft zum Erfolg zu führen.
  • Zudem muss ein Laden-Inhaber eine gute Kommunikationsfähigkeit besitzen und kontaktfreudig sein, um den guten Kundenumgang zu prägen und die Zielgruppe für das Unternehmen und sein Angebot zu begeistern.

4. Sinn für unternehmerisches Risiko

Der Markt von Angebot und Nachfrage schwankt in den meisten Sparten des Einzelhandels sowohl saisonal als auch regulär. Entsprechend geht eine Selbständigkeit immer mit einem unternehmerischen Risiko einher. Erfolgreiche Unternehmer müssen daher gute Überlegungen treffen, welche Risiken sie im Geschäftsalltag eingehen und welche sie besser meiden. 

  • Im Einzelhandelsgeschäft kann dies schon beim Einkauf eine Rolle spielen. Wenn Inhaber einen großen Posten günstiger Waren einkaufen, müssen sie dennoch sicher sein, diese Menge auch verkaufen zu können, das heißt, genügend Interessenten zu finden, da sonst die scheinbar rentable Chance zu einem Kostenfaktor wird.
  • Auch muss jedes Geschäft auf unvorhergesehene Veränderungen am Markt reagieren können und entsprechend Ausweichpläne und Alternativen im Hinterkopf haben.
  • Ein gutes Beispiel hierfür zeigte sich in Zusammenhang mit der globalen Corona-Pandemie, die viele Unternehmen vor neue Herausforderungen stellte.

Steter Blick auf die Finanzen: Steuern, Versicherungen und Buchhaltung

Kein Unternehmen kann erfolgreich geführt werden, ohne dass der Inhaber des Ladenlokals die Zahlen im Griff hat. Die wichtigsten Aspekte im Geschäftsalltag setzen sich aus anfallenden Steuern, der nötigen Absicherung des Geschäfts durch geeignete Unternehmensversicherungen und der regelmäßigen Buchhaltung zusammen.

1. Steuern

Je nach Rechtsform können unterschiedliche Steuern fällig werden. Beim Eröffnen eines Ladens stehen vor allem die folgenden Steuerarten im Mittelpunkt:

Da das Steuersystem sehr komplex sein kann, sollte die Unterstützung eines guten Steuerberaters in jedem Fall anvisiert werden. Dieser hilft nicht nur bei der Büroarbeit, bei den richtigen Wegen in der Kommunikation mit dem Finanzamt, sondern auch für die Nutzung möglicher Steuerersparnisse im gesetzlich gesicherten Rahmen.

2. Versicherungen

Als Inhaber eines Ladenlokales sollte die Sicherung von Geschäftsausstattung, Warenbestand und der persönlichen Haftung stets im Auge behalten werden. Sinnvoll sind die Abschlüsse speziell ausgerichteter Versicherungen, deren Leistungen sich konkret an der jeweiligen Branche orientieren. Hierzu zählen: 

  • die Betriebshaftpflichtversicherung
  • die Geschäftsversicherung
  • die Rechtsschutzversicherung

Weiterführende Versicherungen können im Einzelfall sinnvoll sein, um einen gut abgesicherten Laden eröffnen zu können.

3. Buchhaltung

Die Buchhaltung ist das Kernstück der Selbständigkeit für jeden Unternehmer und somit auch für jeden, der einen eigenen Laden eröffnen möchte.  Informiere dich nach einer geeigneten Software, um deine Buchhaltung selber zu machen. Diese Lösung bietet dir Sicherheit und Flexibilität zugleich, um rechtssichere Rechnungen  zu schreiben und die Kosten und Einnahmen übersichtlich im Blick zu behalten. Hinzu kommen weitere Vorteile:

  • Die gute Software erlaubt vereinfachte Datenübertragungen zum Steuerberater und zum Finanzamt.
  • Je nach Angebot kann es zu besonderen Bedürfnissen im Rahmen der Buchhaltung kommen, die für das Ladenlokal im besten Fall mit einem Kassensystem kombinierbar sind.
  • Spezielle Programme erlauben sogar die Abrechnung von Waren nach Gewicht (z. B. bei losen Süßwaren oder Unverpacktläden).
  • So haben Inhaber mit der richtigen Software nicht nur die Finanzzahlen im Blick, sondern auch die Warenbestände sowie die individuelle Hilfestellung für die im Ladenlokal regelmäßig notwendige Inventur.
  • Entsprechend sollte die Software für die Buchhaltung und das Tagesgeschäft individuell und passend gewählt werden, um die finanzielle Seite der Geschäftsführung optimal zu gestalten.