Wie ist der Ablauf bei einem GmbH-Verkauf?
Möchtest du als Gesellschafter-Geschäftsführer eine GmbH verkaufen, ist das meist ein längerer Prozess, der mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Beim Verkauf einer GmbH gibt es für dich im Vorfeld einiges zu klären und zu erledigen:
- Geeignete Nachfolgegesellschaft bzw. potenziellen Käufer finden
- Unternehmenswert ermitteln
- Sämtliche Verträge sichten (z. B. Miet- und Leasing-Verträge, Mitarbeiterverträge etc.)
- Verkaufsverhandlungen ansetzen
- Außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen, die den Unternehmensverkauf rechtsgültig beschließen muss
- Neuen Kaufvertrag notariell beglaubigen lassen, damit der Verkauf rechtskräftig ist
Für dich als Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung), der in einigen Jahren verkaufen willst, gilt es also, frühzeitig die Weichen für einen erfolgreichen „Merger“ zu stellen, wenn du eine GmbH oder Gesellschaftsanteile verkaufen möchtest.
So findest du den richtigen Käufer für die GmbH
Wenn du die Geschäfte einer GmbH als Gesellschafter-Geschäftsführer über einige Jahre erfolgreich geführt hast, bist du gut beraten, rechtzeitig die Nachfolge zu organisieren. Erfreulich ist, wenn der/die Nachfolger/in aus deiner eigenen Familie stammt. Dann entfällt eine aufwendige und unter Umständen risikobehaftete Suche nach einem Käufer. Das gilt auch für den Fall, wenn ein geeigneter Mitarbeiter die Firma übernehmen will und auch finanziell dazu in der Lage ist, die GmbH zu kaufen. Schwieriger und langwieriger ist es, wenn du einen externen Käufer finden musst.
Das solltest du bei der Suche nach einem externen Käufer beachten
Soll die Gesellschaft an einen externen Käufer gehen, ist es wichtig, dass du dir für dessen Suche und Auswahl ausreichend Zeit nimmst und frühzeitig mit der Planung der Nachfolge-Regelung beginnst. Um die Risiken möglichst gut einzugrenzen, solltest du dir so wie bald wie möglich über folgende Punkte Gedanken machen:
- Letter of Intent
- Vertragsgestaltung
- Verschwiegenheitsvereinbarung
- Sicherung des Kaufpreises
Rechne mit zwei oder mehr Jahren, bis du die rechtsverbindliche Abtretung der GmbH bzw. den Verkauf deiner GmbH-Anteile unter Dach und Fach gebracht hast.
Achtung
Werde beim GmbH-Verkauf aus Ungeduld nicht nachlässig
Häufige Fehler in dieser Phase: Oft werden aus Ungeduld Zugeständnisse gemacht oder es kommen gelegentlich Blitz-Verkäufe zustande, die nicht sein müssen. Andere Verkäufer haben die Erfahrung, dass es mehrere Anläufe braucht, bis der GmbH-Verkauf tatsächlich unter Dach und Fach gebracht ist.
Kooperations- und Nachfolgebörsen können bei der Suche helfen
Regional tätige Unternehmen sind gut beraten, die Kooperations- und Nachfolge-Börse der IHK „nexxt-change“ zu nutzen. Die einzelnen Datenbanken sind gut vernetzt und es hat sich bundesweit herumgesprochen, dass expansionswillige Firmen auf diese Art in der Vergangenheit gut eingeführte Unternehmen erwerben konnten, u. a. um:
- ein Filialnetz zu erweitern
- regionale Präsenzen aufzubauen
Achtung
Setze ausschließlich auf seriöse Vermittler
Sei vorsichtig: Unter ähnlichen Bezeichnungen wie nexxt-change tummeln sich im Internet einige Anbieter, die nichts mit der offiziellen IHK-Börse zu tun haben und nicht wirklich zu empfehlen sind.
Seriöse Begleitung und Beratung auf dem Weg zum Nachfolger bieten dir ebenfalls die Rationalisierungs- und Innovationszentren (RKW) der Deutschen Wirtschaft. Diese unterstützen ebenfalls dabei, wenn du eine GmbH verkaufen möchtest.
Potenzielle Käufer bei der Konkurrenz ausfindig machen
Gut überlegen solltest du dir dagegen die Kontaktaufnahme zur Konkurrenz. Um hier einen potenziellen Käufer aufzutun, solltest du auf jeden Fall einen Anwalt einschalten. Zum einen, um die Ernsthaftigkeit der Kaufabsicht zu belegen, aber auch, um eine professionelle Verkaufsanbahnung zu gewährleisten.
Achtung
Vorsicht vor “schwarzen Schafen”
Viele Unternehmensverkäufer haben bei der Suche nach potenziellen Nachfolgern schlechte Erfahrungen mit diversen Internet-Portalen gemacht. Abgesehen davon, dass die Verkaufsabsicht schnell und unkontrolliert öffentlich werden kann, tummeln sich hier auch schwarze Schafe, denen es mehr um einen Umsatz bringenden Auftrag geht und, die potenzielle Käufer gar nicht aufbieten können.
Einige dieser Anbieter wurden in der Vergangenheit wegen irreführender Werbung („Jemand interessiert sich für deine GmbH“) bzw. Schlechtleistung verklagt oder sie sind wieder vom Markt verschwunden.
Auch hier gilt: Ohne anwaltliche Beratung bleiben beim GmbH-Verkauf unkalkulierbare Risiken – ebenso wie bei der gerichtsfesten Formulierung des Vorvertrages inkl. einer pragmatischen Verschwiegenheitsklausel mit einer durchsetzbaren Vertragsstrafe und der rechtssicheren Formulierung des Schadensersatzanspruchs bei missbräuchlicher Verwendung des beim Verkauf erlangten Firmenwissens.
GmbH verkaufen – Was musst du bei den Vertragsverhandlungen beachten?
Hast du einen geeigneten GmbH-Nachfolger gefunden, geht es im nächsten Schritt in die Vertragsverhandlungen. Im Folgenden haben wir verschiedene Fälle für dich zusammengestellt:
Vorgehen bei einer starken Verhandlungssituation
Bei einer starken Verhandlungssituation ist es im Vorfeld des Verkaufs sinnvoll, wenn das Vertragswerk des Unternehmens (Gesellschaftsvertrag, Geschäftsführer-Anstellungsvertrag, Pensionszusage) viele, für die Verkäuferseite vorteilhafte Regelungen enthält. Der potenzielle Erwerber wird damit dazu verpflichtet, neben dem betriebswirtschaftlich ermittelten Kaufpreis sämtliche zusätzliche Rechte des ausscheidenden Gesellschafters zu erfüllen, sobald die GmbH verkauft ist.
Beispiel: Laut Anstellungsvertrag gilt für den Gesellschafter-Geschäftsführer ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot, von dem die GmbH nicht einseitig zurücktreten kann. Es wurde eine ungewöhnlich lange Karenzzeit vereinbart. Laut Vertrag darf der ausgeschiedene Geschäftsführer 3 Jahre lang nicht konkurrierend tätig werden. Im Gegenzug hat er dafür Anspruch auf eine Karenzzahlung in Höhe seines zuletzt bezogenen Gehaltes. Rechnet sich der Invest für den potenziellen Käufer, wird selbst eine solche Vereinbarung den betriebswirtschaftlichen Kaufpreis nicht mindern. Der ausscheidende Gesellschafter-Geschäftsführer hat zumindest bei den Kaufverhandlungen gute Karten.
Vorgehen bei einer schwachen Verhandlungssituation
Bei einer schwachen wirtschaftlichen Verhandlungssituation ist es im Vorfeld der Übertragung sinnvoll, wenn es möglichst wenig Kosten treibende Sondervereinbarungen im Vertragswerk des Unternehmens gibt. Der Erwerber muss dann beim GmbH-Ankauf keine zusätzlichen Kosten für vertragliche Sonderbestimmungen kalkulieren.
Beispiel: Bei schlechter Ertragslage und schwacher Verhandlungsposition wirkt die oben beschriebene Vertragsvereinbarung zum nachvertraglichen Wettbewerbsverbot umgekehrt. Der potenzielle Käufer kann damit den betriebswirtschaftlichen Kaufpreis noch weiter drücken. Unter Umständen wirkt dieses Verkaufshindernis so gravierend, dass der potenzielle Erwerber des Unternehmens bereits im Vorfeld aus seinen Überlegungen ausscheidet oder dieses gar nicht erst als interessanten Übernahmekandidaten einstuft.
Wichtiger Bestandteil der Verkaufsvorbereitung ist die Planung der vertraglichen Vereinbarungen – insbesondere des GmbH-Gesellschaftsvertrages und des Geschäftsführer-Anstellungsvertrages. Beim Käufer darf dabei auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass die Verträge im Hinblick auf einen bevorstehenden Verkauf zugunsten des Verkäufers abgeändert wurden. Der Käufer kann alle Vertragsänderungen anhand des Registerauszuges bzw. der Beschlussprotokolle der Gesellschafterversammlungen zeitlich nachvollziehen.
Tipp
Praxis-Tipp
Du solltest Vertragsanpassungen schon weit im Vorfeldbeschließen und umsetzen, wenn du eine GmbH verkaufen willst. Vertragsänderungen im zeitlichen Zusammenhang von 2 Jahren und weniger vor der Veräußerung wirken nicht gut. Der Verkäufer sollte für diesen Fall gut begründen können, warum eine solche Vertragsänderung noch kurz vor dem GmbH-Verkauf notwendig wurde. Eine Änderung der Verträge, die 3 Jahre und mehr vor der Veräußerung liegen, haben in der Regel keine nachteiligen Folgen.
Was passiert beim GmbH-Verkauf mit dem Stammkapital?
Möchtest du lediglich GmbH-Anteile verkaufen, verändert sich am Stammkapital der GmbH in aller Regel nichts. Willst du eine GmbH als Ganzes verkaufen, besteht die Möglichkeit, das Stammkapital im Zuge der Veräußerung zu ändern.
Wie wird der GmbH-Verkauf versteuert?
Möchtest du eine GmbH verkaufen, musst du den Veräußerungsgewinn grundsätzlich nach § 17 EStG versteuern. Beim Verkauf von GmbH-Anteilen kann das Teileinkünfteverfahren zur Versteuerung gewählt werden. Demnach bleiben 40 % des Veräußerungsgewinns steuerfrei.