Definition
Cyberversicherung – was ist das?
In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt steigt die Anfälligkeit von Unternehmen gegenüber Cybergefahren im Internet. Remote-Arbeit ist dabei ein großer Faktor: Häufig fehlt es im Homeoffice an passender technischer Ausstattung sowie klaren Verhaltensregeln bei einem Hackerangriff. Gerade das Risiko für junge und mittelständische Unternehmen ist daher nicht zu unterschätzen. Eine Cyberversicherung sichert sie bei einem Schaden im Zusammenhang mit der Nutzung von Internetdiensten ab, beispielsweise durch Hackerangriffe und Betriebsunterbrechungen. Das heißt, sie hält die Höhe der Kosten gering, die durch einen Cyberangriff entstehen können. Versichert sind dabei Eigenschäden, aber auch finanzielle Folgen, die Dritten bei einem Vorfall entstehen.
Warum ist eine Cyberversicherung für Unternehmen wichtig?
Mit dem Abschluss einer Cyberversicherung bist du im Unternehmensbereich abgesichert, falls dir durch Angriffe aus dem Netz ein Schaden entsteht. Ob sich zum Beispiel Hacker mithilfe einer Phishing-Mail und einem dort versteckten Trojaner Zugang zum Unternehmensnetzwerk verschaffen, durch Diebstahl deine Passwörter erbeuten oder Unternehmensdaten mittels Malware verschlüsseln und Lösegeld fordern – die Möglichkeiten für Cyberangriffe sind vielfältig und betreffen Unternehmen jeder Größe. Und um großen Schaden anzurichten, müssen solche nicht einmal gezielt erfolgen.
Größere Unternehmen und Konzerne haben grundsätzlich den Vorteil, dass sie sich als Teil eines umfassenden IT-Sicherheitskonzepts eigene IT-Abteilungen leisten können. Einem kleinen Unternehmen fehlt es dagegen häufig an den nötigen Ressourcen, um entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Umso wichtiger ist es für diese, eine Cyberversicherung gegen Hackerangriffe als Maßnahme ins Auge zu fassen, um sich gegen die nicht selten existenzbedrohenden Folgen eines Angriffs abzusichern. Übrigens können auch Privatpersonen eine Cyberversicherung abschließen.
Was deckt eine Cyber-Security-Versicherung ab?
Von einer Cyberschutzversicherung werden üblicherweise nicht nur Angriffe von außen, sondern auch Bedienfehler der IT sowie Datenschutzverstöße durch dich oder deine Mitarbeitenden abgedeckt. Der Versicherungsschutz greift beispielsweise, wenn einer deiner Mitarbeiter versehentlich Daten zerstört oder du gegen vertragliche Geheimhaltungspflichten oder Datensicherheitsstandards verstößt. Das kann bereits der Fall sein, wenn du eine E-Mail mit vertraulichen Inhalten an den falschen Empfänger schickst.
Eine Cyberversicherung kommt im Allgemeinen für die Kosten der Wiederherstellung von IT-Systemen und Daten nach Systemausfällen sowie für die Entfernung von Schadprogrammen auf. Abhängig vom Versicherer und der Police ist ebenfalls eine Absicherung gegen Umsatzausfälle aus Betriebsunterbrechungen enthalten. Kosten für Kommunikationsmaßnahmen und Benachrichtigungen der Betroffenen, Behörden und Anwälte werden ebenfalls von vielen Versicherern erstattet. Ein Cyber-Sicherheitstraining als Präventionsmaßnahme gehört zu den zusätzlichen Leistungen, die Versicherer anbieten, um einen Schadensfall möglichst zu vermeiden.
Achtung
Ob eine Cyberversicherung bei Bußgeldern nach DSGVO-Verstößen schützt, ist strittig
Manche Versicherungspolicen beinhalten auch eine Absicherung im Falle von Bußgeldern, wenn du gegen die DSGVO verstößt. Ob diese Versicherungsleistung – also explizit für das Bußgeld – zulässig ist, befindet sich seit einigen Jahren in Prüfung.
Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen für eine Cyberversicherung erfüllen?
Eine Cyberversicherung dient als Absicherung für einen Schadensfall. Sie ersetzt jedoch nicht die Sicherheitsvorkehrungen deines Unternehmens. Versicherer verlangen daher bestimmte grundlegende Sicherheitsvorkehrungen, bevor eine Cyberversicherung abgeschlossen werden kann. Dazu gehören beispielsweise:
- eine Firewall
- ein Virenschutz auf allen IT-Geräten des Unternehmens
- regelmäßige und vollständige Datensicherung
- klar definierte und hierarchische Zugriffsrechte innerhalb des Unternehmens
Vor dem Abschluss einer Cyberversicherung müssen diese IT-Sicherheitsstandards beim jeweiligenAnbieter korrekt angegeben werden. Vorsicht: Waren die Angaben nicht korrekt, leistet die Versicherung im Schadensfall keine Zahlung!
Wie hoch sind die Kosten für eine Cyberversicherung?
Die Kosten einer Cyberversicherung für Unternehmen hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab und müssen deshalb für jedes Gewerbe individuell berechnet werden. Ausschlaggebende Eckdaten für die Berechnung sind:
- Branche, in der du tätig bist
- spezifische und zu versichernde Risiken
- Umsatz
- Anzahl der Mitarbeitenden
Zudem hängen die Kosten mit dem Leistungsumfang zusammen, den ein Versicherer anbietet, und davon, welche Deckungssumme und Selbstbeteiligung du wählst – also welchen Betrag du im Schadensfall selbst übernimmst. Grundsätzlich kann ein Jahresbetrag grob zwischen 40 und 1.000 EUR kosten. Aber auch wesentlich höhere Kosten können anfallen. Die Kosten sind stark vom gewählten Versicherungsumfang und deinem Betrieb (Umsatz, Mitarbeiter, IT-Infrastruktur etc.) abhängig.
Welche Cyberrisiken sind durch andere Versicherungen abgedeckt?
Nicht für jede Art von IT-Schäden ist es nötig, eine Cyberversicherung abzuschließen. So werden bestimmte Krisenfälle auch von anderen Versicherungen abgedeckt:
- Kommt es zu Daten- oder Identitätsdiebstählen durch Hacker, greifen teilweise auch herkömmliche Policen. Bist du beispielsweise Opfer eines Phishing-Angriffs, erhältst du gestohlenes Geld eventuell direkt von deinem Versicherer zurück. Die Schäden, die in Verbindung mit Online-Banking auftreten, übernimmt unter Umständen deine Hausratsversicherung, allerdings nur in begrenzter Höhe. Werden beispielsweise Online-Einkäufe von fremder Stelle über dein Konto durchgeführt, solltest du diese sofort informieren.
- Leitet ein Mitarbeiter versehentlich einen Virus weiter, wodurch deinem Unternehmen ein Schaden entsteht, übernimmt ggf. dessen private Haftpflichtversicherung die Kosten. Hierbei kommt es allerdings stark auf den jeweiligen Versicherer an. Nicht alle Anbieter decken Schäden durch Virenangriffe, Ausfälle etc. ab.
- Bei einem Rechtsstreit, der aus Problemen mit der Internetnutzung erwächst – etwa zwischen dir und einem Angestellten – übernimmt deine Rechtsschutzversicherung die Kosten. Auf Beklagtenseite trägt u. U. die Haftpflichtversicherung die Kosten.
Für wen ist eine Cyberversicherung sinnvoll?
Grundsätzlich ist eine Cyberversicherung für alle Unternehmen sinnvoll, die mit sensiblen Daten arbeiten. Dabei spielt es keine Rolle, wie groß der jeweilige Betrieb ist. Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass allein große und international agierende Unternehmen von Sicherheitslücken betroffen sind. Denn Ursachen und deren Auswirkungen können vielseitig sein. Absichern solltest du dich insbesondere gegen Folgendes:
- zerstörerische Wirkung von Betriebsunterbrechungen
- finanzielle Schäden
- Gefahren durch Datenschutzverstöße nach der DSGVO
- Reputationsschäden
Dabei ist es allerdings empfehlenswert zu prüfen, welche Risiken ohnehin durch deine Haftpflicht-, Hausrats- oder Rechtsschutzversicherung abgedeckt sind – oder von diesen abgedeckt werden können. Bevor du eine Cyberversicherung abschließt, solltest du andere Versicherungen ggf. aktualisieren. Bleiben anschließend noch Risiken übrig, wäge ab, ob eine ergänzende Internetschutz-Versicherung sinnvoll ist.