Definition
Was ist Klimamanagement?
Unter Klimamanagement versteht man im Kern die systematische Planung, Umsetzung und Überwachung von Maßnahmen, die dazu dienen, die Treibhausemissionen nachhaltig zu reduzieren oder sogar vollständig zu vermeiden, um die Umwelt weniger zu belasten und so der menschengemachten Veränderung des Klimawandels zu begegnen bzw. ihn zu verlangsamen. Unternehmerisches Klimamanagement umfasst dabei ein Konzept zur Entwicklung von Strategien zur Vermeidung von Emissionen, die Umsetzung konkreter Projekte und Maßnahmen und die Messung des Erfolgs. Eine durchdachte Klimastrategie hilft Unternehmen dabei, langfristige Ziele zur Emissionsreduktion festzulegen und wirksame Maßnahmen strategisch zu planen. Dabei müssen Unternehmen zunehmend auch regulatorische Anforderungen erfüllen, da Gesetze und Vorschriften zum Klimaschutz stetig verschärft werden. Hinzu kommt, dass Unternehmen Risiken, die sich durch den Klimawandel ergeben können, etwa Auswirkungen von Extremwetter oder Änderungen bei der Verfügbarkeit von Ressourcen, früher erkennen und ihnen entgegenwirken können. Auch in der Wirtschaft gewinnt Klimamanagement zunehmend an Bedeutung, da es nicht nur ökologische Vorteile bringt, sondern auch Kosten senken und Wettbewerbsvorteile schaffen kann.
Wie unterscheidet sich Klimamanagement vom Nachhaltigkeitsmanagement?
Zwischen Klimamanagement und Nachhaltigkeitsmanagement gibt es Schnittmengen, aber auch Unterschiede in den Konzepten. Klimamanagement fokussiert vor allem auf die Reduzierung von Treibhausgasemissionen und die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels. Es umfasst Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen, negative Klimaauswirkungen von Aktivitäten der Unternehmen zu minimieren, etwa durch Nutzung regenerativer Energien. Nachhaltigkeitsmanagement ist umfassender, weil es noch mehr ökonomische und auch soziale Aspekte umfasst. Man spricht hier vom Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit. Allerdings führt ein gutes Klimamanagement dazu, dass sich der ökonomische Erfolg von Unternehmen verbessert, etwa, weil sich Kosten sparen lassen. Daher ist eine trennscharfe Betrachtung in der Praxis oft schwierig und Klimamanagement eignet sich gut als Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit.
Die Bedeutung von Klimamanagement für Unternehmen
Unternehmen, die sich aktiv um Klimamanagement und um Erreichung von Klimaneutralität bemühen, profitieren mehrfach: Nach wie vor gilt, dass du Wettbewerbsvorteile erlangst, weil du dich von deinen Konkurrenten abhebst. Hinzu kommt die – mittelfristige – Realisierung von Kostenvorteilen, wenn du z. B. mehr Maßnahmen zur Energiereduzierung umsetzt oder auf regenerative Energien setzt. Beispielsweise kannst du Kostensteigerungen durch höhere CO2-Preise begegnen. Gleichzeitig kannst du leichter Forderungen nach klimafreundlicheren Produkten erfüllen und so Kundenbeziehungen festigen und neue Kunden gewinnen. Gibt es klimabedingte Änderungen bei Beschaffungsgütern, können frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden, etwa durch Substitution von Materialien. Dadurch wird die Zukunft deines Betriebes gesichert, weil du besser in der Lage bist, auf künftige Herausforderungen und Risiken, die durch den Klimawandel entstehen können, zu reagieren. Das betrifft sowohl Ereignisse wie Extremwetter, als auch zu erwartende Verschärfungen in Sachen Klimaschutz durch neue Gesetze. Nicht zuletzt kannst du Ansprüche von Finanzpartnern, Gesellschaft oder Mitarbeitern in Sachen Umweltschutz und Klimamanagement in der Firma erfüllen.
Welche Strategien können Unternehmen im Rahmen des Klimamanagements verfolgen?
Bevor es wirklich losgeht, solltest du für dich und deinen Betrieb Klarheit verschaffen. Warum ist Klimaschutz und Klimamanagement für deinen Betrieb wichtig? Welche Vorteile versprichst du dir konkret? Wer soll sich in deiner Organisation um das Thema kümmern? Soll es ein Projektteam geben und wenn ja, wer soll daran mitarbeiten? Welche Emissionsreduktionen willst du in welchem Zeitraum erreichen? Wie soll dein Klimamanagement konkret aufgebaut werden?
Hier ist eine Untergliederung in mehrere Schritte sinnvoll:
- Festlegung von Verantwortlichkeiten und Beteiligten, ggf. auch einen Klimamanager
- Durchführung einer Bestandsaufnahme
- Definition von Zielen
- Festlegung und Umsetzung von Maßnahmen
- Erfolgskontrolle und Steuerung
Tipp
Investiere in das Fachwissen deiner Mitarbeiter
Wenn es in deinem Betrieb kein ausreichendes Fachwissen gibt, prüfe, welchen Beschäftigten du einer spezifischen Weiterbildung zum Thema Klimamanagement unterziehen kannst.
Welche konkreten Maßnahmen können Unternehmen ergreifen, um ihre Klimabilanz zu verbessern?
Bevor du mit der Definition und Umsetzung von Maßnahmen beginnst, solltest du eine Bestandsaufnahme durchführen und mindestens folgende Fragen beantworten (Einstieg ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
- Welche Energiearten werden im Betrieb verbraucht, z. B. Strom, Erdgas, Öl, Treibstoffe, Wasser?
- Wie viel Energie wurde in den letzten drei bis vier Jahren verbraucht, z. B. in Kilowattstunden oder Kubikmetern?
- Wie haben sich die Kosten in Euro je Energieart entwickelt? Welcher Anteil ist auf Mehrverbrauch, welcher auf Preissteigerungen zurückzuführen?
- Wie haben sich die Kosten je Energieart zum Umsatz oder der Produktionsmenge entwickelt: überproportional, gleich, niedriger?
- Welche CO2 Emissionen sind durch den Energieverbrauch entstanden? Wenn du noch über keine eigenen Messmethoden verfügst, kannst du auch CO2-Rechner wie z. B. den CO2-Rechner von IZU oder den kostenlosen CO2-Rechner von grünes KLIMA zur Umrechnung von kWh oder m3 in CO2 oder spezialisierte Dienstleister wie Dekra nutzen.
- Ggf. kann auch die Entsorgung eingebunden werden, weil hier auch Abfallstoffe und Emissionen entstehen.
Formuliere dann Ziele, die du in einem bestimmten Zeitraum erreichen möchtest, z. B. den Stromverbrauch innerhalb von 2 Jahren um 10 % zu senken oder den Ökostromanteil auf X% vom Gesamtverbrauch zu steigern.
Lege dann fest, was du sofort machen willst und welche Maßnahmen du später umsetzen möchtest:
- Beispiele für Sofortmaßnahmen: Lastspitzenmanagement einführen, Materialsubstitution in nachwachsende Rohstoffe, Bezug von Materialien mit Ökobilanzen / FSC-Zertifizierungen (Forest Stewardship Council, internationales Zertifizierungssystem für nachhaltiger Waldwirtschaft), Überprüfen von Fahrten und Reisen auf Notwendigkeit, mehr Video-Konferenzen, Online-Schulungen und Homeoffice, Umstellung von Verpackungen auf FSC-zertifizierte Behältnisse, Auswahl von Speditionen, die nachhaltig wirtschaften.
- Beispiele mittelfristige Maßnahmen: Konzept zur Wärmerückgewinnung entwickeln, Ersatz von Maschinen und Fuhrpark durch sparsamere Anlagegüter, Wärmedämmung von Gebäuden und Anlagen, Nutzung von Solaranlagen oder Batterien, Umstellungen in Produktionsverfahren, Nutzung grüner IT.
Für die Umsetzung mittelfristiger Maßnahmen musst du zusätzlich Geld ausgeben und investieren, z. B. in emissionsarme Fahrzeuge oder die Isolierung von Gebäuden. Hierfür stellt der Staat oft Fördermittel bzw. -gelder bereit, z. B. über die KfW-Bank (z. B. Klimaschutzoffensive für Unternehmen).
Tipp
Klimaschutz als gemeinsames Projekt
Beziehe, um Maßnahmen zur Energiereduktion zu finden, deine Mitarbeitenden ein und führe z. B. ein Brainstorming durch. Die Beschäftigten wissen meist sehr gut, wo es Unwirtschaftlichkeiten oder Verschwendung gibt. Kannst du schnell größere Erfolge erzielen, beteilige die Mitarbeitenden und zahle z. B. einen Teil der Einsparungen als Prämie aus.
Wie können Unternehmen ihre Klimabilanz messen und überwachen?
Zur Messung des Erfolgs von Klimaschutzaktivitäten eignen sich Kennzahlen sehr gut. Auch hierzu einige Beispiele:
- Energieverbrauch in z. B. kWh unterteilt nach Arten
- Soweit möglich: Anteil regenerativer Energien nach Arten
- Energiekosten unterteilt nach Arten, absolut und relativ zum Umsatz
- Gefahrene Kilometer, ggf. unterteilt in PKW und Nutzfahrzeuge
- Anzahl Reisen, ggf. unterteilt nach Abteilungen
- Ggf. Abfallmengen, getrennt nach Arten sowie Recycling-Quoten
Tipp
Schritt für Schritt zum betrieblichen Klimamangement
Klimaschutz ist eine Daueraufgabe und du musst die Arbeiten regelmäßig wiederholen. Wenn du schnell mehr für den Schutz fürs Klima tun möchtest, fang einfach an und setze zu Beginn vor allem auf Praktikabilität, weniger auf Genauigkeit. Sammle Erfahrungen und verbessere die Genauigkeit mit jedem neuen Durchlauf. Dokumentiere deine Aktivitäten, um gegenüber Dritten nachweisen zu können, dass und was du bereits getan hast und was du künftig tun möchtest.
Diese Checkliste fasst ausgewählte Aspekte zusammen und kann von dir ergänzt und verändert werden:
- Du hast dich ausdrücklich für die zeitnahe Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung des Klimaschutzes bekannt
- Gibt es bereits Maßnahmen, die zum Klimaschutz durch deinen Betrieb beitragen, z.B. Nutzung von E-Fahrrädern oder regenerative Energien?
- Hast du entschieden, wer insgesamt verantwortlich sein soll und wer ggfs. im Team mitarbeiten soll?
- Willst du zumindest in der Startphase Dritte einbinden, um den Einstieg zu erleichtern – z.B. Berater oder dir bekannte Unternehmen, die schon aktiv sind?
- Wurde eine Bestandsaufnahme durchgeführt, um z.B. den Energieverbrauch und die Emissionen zu bestimmen?
- Können Emissionen selbst gemessen werden oder wird ein Umrechner oder Dienstleister benötigt?
- Hast du Ziele formuliert, die du kurz- und mittelfristig erreichen möchtest, z.B. zur Reduzierung des Energieverbrauchs?
- Hast du bereits Maßnahmen zur Verbesserung der Klimabilanz verbessert, kurz- und mittelfristig?
- Bindest du zur Suche nach Verbesserungen auch die Mitarbeitenden ein, um mehr Ideen zu entwickeln?
- Siehst du auch Schulungen für deine Beschäftigten vor, um schneller und mit mehr Erfolg voranzukommen?
- Bist du bereit, die Beschäftigten am Erfolg zu beteiligen, z.B. mit einem Prozentsatz von den Einsparungen?
- Bist du bereit, für mittelfristig wirksame Maßnahmen auch Investitionen zu tätigen bzw. evtl. vorzuziehen?
- Prüfe, ob es hierfür Fördermittel gibt, etwa von der KfW?
- Hast du eine Reihenfolge für die Maßnahmen erstellt, in der du diese durchführen möchtest, auch unabhängig von den verfügbaren Ressourcen?
- Willst du zur Erfolgsmessung zunächst eigene Kennzahlen einsetzen oder hast du geplant, dich direkt an möglichen Standards wie GRI zu orientieren?
- Dokumentierst du alle Aktivitäten, die du für den Klimaschutz erarbeitest, auch um sie gegenüber interessierten Dritten nachweisen zu können?
- Siehst du Klimaschutz als regelmäßige und wiederkehrende Aufgabe und wiederholst und verbesserst du alle nötigen Arbeiten?
Welche Standards und Rahmenwerke gibt es für die Klimaberichterstattung?
Es gibt verschiedene Standards, die du verwenden kannst – unter anderem die Global Reporting Initiative (GRI). Sie stellt Leitlinien für Nachhaltigkeitsberichterstattung und Klimawandel bereit. Darüber hinaus gibt es die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD). Sie fördert die Offenlegung von klimabezogenen finanziellen Risiken und Chancen, um Investoren und andere Stakeholder zu informieren. Außerdem das Carbon Disclosure Project (CDP): Hier werden Daten über die Umweltauswirkungen von Unternehmen, einschließlich ihrer Treibhausgasemissionen, gesammelt. Nicht zuletzt der Sustainability Accounting Standards Board (SASB), der ebenfalls klimabezogene Themen behandelt.
Tipp
Starte mit eigenen Kennzahlen
Zu Beginn ist es oft günstiger, wenn du mit eigenen Kennzahlen arbeitest und dich später um eine „Migration“ in bereits vorhandene Standards kümmerst.
Welche Herausforderungen gibt es beim Klimamanagement für KMU?
Ist das Klimamanagement einmal aufgebaut, profitieren Unternehmen auf vielfältige Art und Weise davon. Doch die Implementierung kann mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein: Da sind unter anderem fehlende Erfahrungen und Wissen zum Thema Klimamanagement und Nachhaltigkeit zu nennen. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Veränderungen bei Gesetzen, Regeln und Vorgaben, die beachtet werden müssen und es fehlen geeignete technische Möglichkeiten für die Umsetzung. Hinzu kommt, dass Ressourcen, vor allem in Sachen Personal und Geld, knapper sind als es in Großunternehmen der Fall ist. Die Entwicklung eines Konzepts und von Klimaschutzstrategien ist daher sehr schwierig und oft liegt der Fokus zunächst zwangsläufig auf operativen Maßnahmen, die sich auch im Tagesgeschäft realisieren lassen.
Tipp
Erweitere dein Netzwerk
Um unter den Beschränkungen dennoch effizient arbeiten zu können, solltest du versuchen, deine Kontakte im Netzwerk zu nutzen, um Maßnahmen ggf. gemeinsam bei geringerem Ressourceneinsatz umsetzen zu können. Dadurch lässt sich auch Wissen gezielter aufbauen.