Tipps und Tricks für digitale Nomaden: Den Traum vom ortsunabhängigen Arbeiten leben

Sommer, Sonne, Strand – und das jeden Tag? Was die meisten Arbeitnehmer nur im Urlaub erleben, ist für viele digitale Nomaden Alltag und der Inbegriff von Freiheit. Das Image der achtstündigen Bürojobs verstaubt allmählich, während die digitale Transformation in vielen Unternehmen voranschreitet. Immer mehr Menschen arbeiten ohnehin bereits von zu Hause aus und manche verlegen ihren Arbeitsplatz sogar ins Ausland. Dabei gilt: Wer ein Gewerbe im Ausland bei Wohnsitz in Deutschland führt, sollte sich frühzeitig über steuerliche Regelungen informieren. In diesem Beitrag erfährst du einige Tipps, wie der Traum vom ortsunabhängigen Arbeiten für dich wahr werden könnte.

Zuletzt aktualisiert am 23.07.2025
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Was ist ein digitaler Nomade?

Ein digitaler Nomade - auch Internet-Nomade genannt - verdient seinenLebensunterhalt online und reist dabei ohne festen Wohnsitz um die Welt. Viele möchten deshalb digitale Nomaden werden, da sie die Freiheit schätzen, einige Länder bereisen zu können und trotzdem aufgrund ihrer Online-Tätigkeit über ein gewisses Einkommen verfügen.

Zumeist sind digitale Nomaden Freelancer, die für Unternehmen Aufgaben bzw. Projekte erledigen. Da inzwischen einige Firmen Remote-Stellen anbieten, können ebenso Angestellte digitale Nomaden werden.
Aber auch immer mehr Unternehmer möchten etwas von der Welt sehen und arbeiten während ihrer Reisen an verschiedenen Orten. Manche entscheiden sich sogar erst, ihr Gewerbe oder Kleingewerbe im Ausland zu gründen oder anzumelden, weil ihnen unterwegs die passenden Ideen für ihr Unternehmen eingefallen sind.

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Welche Jobs haben digitale Nomaden?

Digitale Nomaden haben verschiedenste Jobs: Sie arbeiten beispielsweise als Grafikdesigner, Softwareentwickler, Webdesigner, Influencer, SEO-Berater, Vertriebler oder Texter und besetzen ebenso weitere Stellen im Marketing.

Vorteile und Nachteile des Lebens als digitaler Nomade

Du wirst immer häufiger von Fernweh gepackt und spielst mit dem Gedanken, dich bei den weltweit rund fünf Millionen digitalen Nomaden einzureihen? Wirf vorher unbedingt einen Blick auf die Vor- und Nachteile des „New Work Lifestyles“.

Vorteile von digitalen Nomaden

  • Flexibles und ortsunabhängiges Arbeiten: Digitale Nomaden können dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Gerade für Freelancer, die meist nur einen Laptop und eine gute Internetverbindung brauchen, ist es daher oft irrelevant, von wo sie arbeiten. Aber auch Beschäftigte im Angestelltenverhältnis lockt die Ortsunabhängigkeit. Häufig benötigen Büroangestellte für ihre Arbeit ebenfalls nichts weiter als einen Laptop.
  • Hohe Selbstbestimmung: Im Falle von Freelancern entscheiden diese selbst, für wen sie arbeiten und welche Aufträge sie annehmen. Dafür gibt es auch zahlreiche Portale für Freelancer-Jobs: Für die dort gelisteten Projekte ist keine ausführliche Bewerbung notwendig – ein kurzer Infotext mit Referenzen reicht meist aus.
  • Keine regulären Arbeitszeiten: Digitale Nomaden haben kein Büro, ihr Arbeitsplatz ist dort, wo sich ihr Laptop befindet. Daher spielen die klassischen Arbeitszeiten zwischen 9 und 17 Uhr keine Rolle.
  • Wenig Alltagstrott: Auch digitale Nomaden haben Deadlines und Absprachen. Ihren Alltag können sie aber durch das zeit- und ortsunabhängige Arbeiten sowie die Auftragsvielfalt nach ihren Wünschen gestalten. Da jeder Tag theoretisch anders verlaufen könnte, minimiert das den Alltagstrott.
  • Geringes Bedürfnis nach materiellen Dingen: Das Bedürfnis nach materiellen Dingen variiert je nach Person. Bei digitalen Nomaden, die aufgrund ihres Freiheitsdrangs an verschiedenen Orten leben, ist dieses aber meist geringer. Oft bringt ihnen das Reisen und Kennenlernen verschiedener Kulturen Zufriedenheit und Erfüllung in ihrem Beruf.

Nachteile von digitalen Nomaden

  • Ungeregeltes Einkommen: Im Gegensatz zu digitalen Nomaden in einer Anstellung können Freelancer sich nicht auf ein bestimmtes Einkommen verlassen. Je nach Auftragslage und Honorarhöhe kann ihr Verdienst überdurchschnittlich gut sein. Gleichzeitig kümmern sie sich aber um ihre Projekte selbst und sind nicht durch eine Feststellung abgesichert.
  • Internetzugang immer erforderlich: Auswanderer mit wechselndem Aufenthaltsort müssen auf eine gute Internetverbindung achten. In einigen Ländern oder Regionen kann der Internetzugang begrenzt oder eine schnelle Internetgeschwindigkeit nicht gegeben sein.
  • Jeder Ort wird zur Arbeitsumgebung: Verbindest du paradiesische Urlaubsorte mit Stress und To-dos, kann die anfängliche Euphorie schwinden. Oft ist Homeoffice im Allgemeinen durch die fehlende räumliche Trennung von Arbeit und Freizeit anstrengend.

Ortsunabhängiges Arbeiten effizient organisieren: Darauf müssen digitale Nomaden achten

Hast du dich dazu entschieden, digitaler Nomade zu werden, gibt es einige Punkte, die du bei der Organisation beachten solltest:

Flexibel bleiben

 

Als digitaler Nomade musst du dich schnell an neue Gegebenheiten und Umgebungen gewöhnen können: Je nach Zeitzone kann es vorkommen, dass du aufgrund von Kundenterminen ganz andere Arbeitszeiten als gewohnt wählen musst.

Disziplin üben

 

Begrüßt dich jeden Morgen Sonnenschein und azurblaues Wasser, ist die Ablenkungsgefahr groß. Digitale Nomaden sind aber nicht im Urlaub: Daher brauchst du klare Zielsetzungen und eine gute Tagesorganisation.

Kommunikationsfähigkeit ausbauen

 

Sitzt du in einem Coworking-Space in Portugal, in der die Kaffeemaschine defekt ist, solltest du das kommunizieren können. Auch wenn in vielen Ländern Englisch gesprochen wird, darfst du nicht davon ausgehen, dass das überall der Fall ist. Erkundige dich vorab über die Sprachsituation und versuche, grundlegende Sprachkenntnisse für das jeweilige Land zu erlernen.

Up to date bleiben

 

Böse Überraschungen kannst du vermeiden, indem du die aktuellsten Einreise- und Visabestimmungen kennst und alle relevanten Versicherungen wie deine Auslandskrankenversicherung im Blick behältst. Informiere dich frühzeitig darüber, ob Internetzugang in deiner Unterkunft verfügbar ist und welche weiteren Reiseversicherungen oder Vorkehrungen für den Notfall notwendig sind.

Auf die Ausstattung achten

 

Auch wenn du als digitaler Nomade nur einen Laptop brauchst, sollte er sich in einem technisch einwandfreien Zustand befinden. Schließlich willst du deinen Arbeitsprozess nicht verlangsamen. Erkundige dich außerdem darüber, ob du spezielle Stromadapter in den jeweiligen Ländern benötigst.

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An diesen Orten leben die meisten digitalen Nomaden

Seit Jahren gilt die indonesische Insel Bali als wahre Hochburg des digitalen Nomadentums. Darauf haben auch die dort lebenden Menschen reagiert, sodass dir hier viele Angebote für Freizeit und Coworking zur Verfügung stehen. Zudem gibt es sehr gutes Internet. Vor allem in der Trockenzeit zwischen den Monaten Mai bis Oktober kannst du auf Bali viel Sonne genießen.

Auch in Europa gibt es viele Städte, die digitale Nomaden anziehen: So gelten Lissabon und Las Palmas, die Hauptstadt Gran Canarias, als relativgünstige, schöne und warme Orte zum Arbeiten und Leben.

Buchhaltung und Steuer: Diese Regeln gelten für digitale Nomaden

Auch als digitaler Nomade gelten für dich weiterhin die Buchführungspflichten, beispielsweise für Rechnungsein- und -ausgänge oder Käufe. Wenn du etwas ein Gewerbe oder Kleingewerbe im Ausland anmelden möchtest, solltest du auf eine digitale Buchhaltung setzen. Dafür benötigst du unter anderem folgende Unterlagen:

  • Kontoauszüge
  • Rechnungseingänge
  • Rechnungsausgänge
  • Schriftverkehr mit Kunden oder Verträge
  • Kassenbons und Belege

Steuerrecht für digitale Nomaden

In Bezug auf die Steuerpflicht ist es für digitale nomaden wichtig zu wissen, wie man Steuern ohne festen Wohnsitz korrekt abführt. Digitale Nomaden sind in Deutschland steuerpflichtig, wenn sie hier ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort haben. Arbeitest du ortsunabhängig im Ausland, bist du beschränkt steuerpflichtig, sofern du dein Einkommen mit deutschen Kunden erwirtschaftest. Beschränkt steuerpflichtig bedeutet, dass du hier lediglich deine Einkünfte aus Deutschland versteuern musst.

Es gilt: Personen, die ihren Wohnsitz gemäß § 8 AO oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt gemäß § 9 Satz 1 AO in Deutschland haben, gelten gemäß § 1 Abs. 1 Satz 1 EstG als unbeschränkt steuerpflichtig.

Vergiss außerdem nicht, dass deine Umsatzsteuerpflicht bestehen bleibt und du deine Umsatzsteuervoranmeldungen pünktlich abgeben musst. Das Finanzamt erwartet außerdem weiterhin jährlich deine Steuererklärung - auch ohne festen Wohnsitz. Setze dir am besten eine frühzeitige Erinnerung, wenn deine Reise länger als ein Jahr gehen soll oder du dauerhaft unterwegs sein wirst.

Was genau bedeutet "Wohnsitz"?

Umgangssprachlich ist Wohnsitz der Platz, an dem man wohnt. Für die Finanzbehörden genügt diese Zuschreibung nicht. Sie legen die Bedeutung viel detaillierter fest. Dein Wohnsitz ist der Ort, an dem du eine Wohnung hast, die du benutzt und beibehalten wirst. Auch ein Raum, den du nutzen kannst, obwohl du dort nicht behördlich mit Wohnsitz gemeldet bist, gilt als solcher – das kannst du nicht selbst aussuchen oder entscheiden, die reinen Fakten legen dies fest. Und diese Fakten können es in sich haben:

Sobald aus der steuerlichen Sicht dein Wohnsitz in Deutschland ist, bist du hier steuerpflichtig für alle Einnahmen, auch für die am Strand oder im brasilianischen Straßencafé erarbeiteten. Schon wer über Wohnraum in Deutschland verfügen kann, sprich: Einen Schlüssel hat und jederzeit entscheiden kann, ob und wann er oder sie Zutritt zu diesem Raum nimmt, hat dort seinen oder ihren Wohnsitz. Leider kommt es gar nicht darauf an, ob du das auch tust und wie oft oder wann. Entscheidend ist, dass du es kannst. Nicht einmal eine Abmeldung beim Einwohnermeldeamt ändert diesen steuerrechtlichen Anspruch.

Heimatbesuche können zur Steuerpflicht führen

Auch kurze Aufenthalte in Deutschland können steuerliche Konsequenzen haben – besonders dann, wenn du weiterhin über Wohnraum verfügst, etwa durch eine Ferienwohnung oder ein Zimmer im Elternhaus mit eigenem Schlüssel. Schon der gewöhnliche Aufenthalt kann laut § 9 AO eine unbeschränkte Steuerpflicht auslösen – das gilt in der Regel ab einer Dauer von sechs Monaten, in Einzelfällen aber auch früher.

Wird diese Steuerpflicht erst später festgestellt, kann es zu Nachzahlungen und zusätzlichen Kosten kommen. Lass dich daher rechtzeitig steuerlich beraten, wenn du als digitaler Nomade regelmäßig nach Deutschland zurückkehrst.

Erweiterte beschränkte Steuerpflicht für digitale Nomaden

Die sogenannte erweiterte beschränkte Steuerpflicht kann auch dann greifen, wenn du in einem Niedrigsteuerland lebst, deine Einkünfte aber aus Deutschland beziehst. Hast du hingegen weder einen Wohnsitz noch einen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland und stammen deine Einnahmen ebenfalls nicht aus Deutschland, unterliegst du grundsätzlich nicht der deutschen Steuerpflicht.

In jedem Fall empfiehlt sich eine steuerliche Beratung. Ein Steuerberater kann prüfen, ob eine steuerliche Erfassung in Deutschland eventuell sogar vorteilhaft für dich ist – etwa aufgrund von Freibeträgen oder anderen Vergünstigungen.

Als gewerblich tätige Person musst du zudem gegebenenfalls sowohl in Deutschland als auch im Aufenthaltsland ein Gewerbe anmelden. Ein deutscher Gewerbeschein kann im Ausland unter bestimmten Voraussetzungen weitergeführt werden. Dabei solltest du die jeweiligen gesetzlichen Vorgaben und Abgabepflichten im Aufenthaltsland unbedingt berücksichtigen. Auch hier ist fachkundige Unterstützung ratsam, da die bürokratischen Anforderungen oft komplex sind.

Welche Vorteile ein fester Wohnsitz in Deutschland bieten kann

Ein deutscher Wohnsitz vereinfacht viele organisatorische Abläufe. Banken verlangen häufig eine aktuelle Meldebescheinigung, etwa bei Kontoeröffnungen oder Adressänderungen. Auch Kreditkarten, Reisedokumente, Mietwagen oder Versicherungsanträge lassen sich mit Wohnsitznachweis unkomplizierter beantragen.

Zudem benötigst du für rechtssichere Rechnungen eine ladungsfähige Adresse. Bevor du langfristig ins Ausland gehst, solltest du deine steuerliche und organisatorische Situation mit einer Steuerberatung klären.

Krankenversicherung und Rentenversicherung für digitale Nomaden

Mit Wohnsitz in Deutschland und einer freiberuflichen oder gewerblichen Tätigkeit unterliegst du nicht nur der Steuerpflicht, sondern in der Regel auch der Krankenversicherungspflicht – gesetzlich oder privat. Einige deutsche Krankenkassen bieten auch für längere Auslandsaufenthalte passende Tarife an. Alternativ kannst du internationale oder klassische Auslandskrankenversicherungen abschließen. Diese decken Zeiträume von wenigen Wochen bis hin zu mehreren Jahren ab. Lass dich hierzu ausführlich beraten und achte darauf, dir alle Vereinbarungen schriftlich bestätigen zu lassen.

Du kannst eine Krankenversicherung allerdings auch ohne festen Wohnsitz in Deutschland abschließen. Auch um deine Altersvorsorge solltest du dich ebenfalls frühzeitig kümmern – vor allem, wenn du ohne festen Wohnsitz in Deutschland langfristig im Ausland selbstständig tätig bist. Du kannst privat vorsorgen oder freiwillig weiter in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen – sofern dies bereits der Fall ist. Auch Kapitalanlagen oder andere Vorsorgemodelle können infrage kommen. Lass dich bei Bedarf vom zuständigen Rentenversicherungsträger beraten.

Beachte außerdem, dass manche weiteren Versicherungen nicht mehr greifen, wenn du dich für längere Zeit im (Nicht-EU-)Ausland befindest. Frag daher am besten schon früh vor deiner Abreise bei deinen Versicherern nach.

Du planst einen längeren Auslandsaufenthalt als digitaler Nomade? Das musst du zusätzlich beachten

Damit keine bösen Überraschungen auf dich zukommen, wenn du dich länger im Ausland befindest, solltest du dich zudem noch auf folgende Angelegenheiten vorbereiten:

  • Visabestimmungen klären: Erkundige dich frühzeitig, wie lange du dich in anderen Ländern aufhalten wirst und ob du dort arbeiten darfst.
  • Einreisebestimmungen erfüllen: In manchen Ländern dürfen bestimmte Waren, die in Deutschland legal erhältlich sind, nicht eingeführt werden (z.B. Alkohol oder bestimmte Medikamente). Ebenso sind manche Impfungen für eine Einreise verpflichtend.  
  • Nachsendeauftrag beantragen: Damit du wichtige Post trotzdem erhältst, solltest du einen Nachsendeauftrag einrichten. Inzwischen existieren auch Firmen, die deine Briefe digitalisieren und dir online zur Verfügung stellen. So müssen sich deine Verwandten oder Freunde nicht darum kümmern.
  • Versicherungsschutz von Krankenkasse, BU usw. abklären/anpassen: Wenn du länger im EU-Ausland bist, gelten für deine Kranken- und weitere Versicherungen andere Regeln. Informiere dich deshalb rechtzeitig, welche Möglichkeiten du hast und ob du ggf. zusätzliche Versicherungen abschließen solltest (z.B. Auslandskrankenversicherung, Dread-Disease etc.).

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Start ins digitale Nomadentum!