Der Cashflow hilft dir dabei, den Geldfluss nachzuvollziehen
Wenn du unerwartete Liquiditätsengpässe vermeiden möchtest, solltest du nicht nur den Gewinn im Auge behalten, sondern auch die Auswirkungen deiner betrieblichen Tätigkeiten auf dein Konto. Dabei kann dir der Cashflow bzw. Kapitalfluss helfen. In seiner einfachsten Form errechnest du ihn, indem du alle betrieblichen zahlungswirksamen Einnahmen und Ausgaben einer Periode (z. B. eines Monats oder eines Quartals) erfasst und dann die (zahlungsunwirksamen) Abschreibungen wieder addierst.
Zu den zahlungswirksamen betrieblichen Einnahmen gehören z. B. fällige Umsatzerlöse. Auch Einzahlungen aus neutralen Geschäftsfällen, z. B. Dividenden oder Mieten, solltest du berücksichtigen. Zu den zahlungswirksamen Ausgaben bzw. Aufwendungen gehören z. B. alle Kosten ohne Abschreibungen. Analog zu den Einzahlungen solltest du auch Auszahlungen aus neutralen Geschäftsfällen, z. B. die Begleichung von Garantieleistungen, aufnehmen.
Wenn du diese und ggf. weitere Positionen und Buchungen aus deinem Betrieb in der Cashflow-Rechnung ansetzt, weißt du schon, wie viel Geld dir in einer Periode aus deiner betrieblichen Tätigkeit zu- oder abgeflossen ist. Man spricht vom Cashflow im engeren Sinn. Allerdings gibt es in jedem Betrieb weitere Geschäftsfälle, die zahlungsrelevant sind und die Liquidität oft nachhaltig verändern. Diese Geschäftsfälle und deren Auswirkungen solltest du erfassen, um zu sehen, wofür du deinen Gewinn verwendet hast. Dazu musst du die Cashflow-Rechnung erweitern.
So stellst du eine erweiterte Cashflow-Rechnung auf
Zunächst solltest du weitere Positionen erfassen, die aus deiner betrieblichen Tätigkeit heraus entstehen. Hierzu zählt z. B. der Auf- bzw. Ausbau oder der Abbau von Forderungen und Vorräten. Der Aufbau muss in der Rechnung vom Cashflow abgezogen werden, da hierdurch Kapital gebunden wird, das dir für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung steht. Hast du z. B. für 50.000 EUR Waren gekauft, ist dieses Geld „gebunden“; du kannst es nicht anders verwenden, etwa für Investitionstätigkeiten. Ähnliches gilt für offene Forderungen: solange das Geld nicht auf deinem Konto eingeht, hast du keinen Zugriff darauf.
Steigen Vorräte und Forderungen, ist das grundsätzlich negativ zu bewerten. Umgekehrt ist es ein positives Signal, wenn beide Positionen sinken. Der Saldo bzw. die Differenz aus diesen Positionen wird im Cashflow berücksichtigt; der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit zeigt, wie erfolgreich du gewirtschaftet hast.
Aber damit noch nicht genug: Es fallen noch weitere zahlungsrelevante Vorgänge an, die deine Liquidität verändern. Dazu gehören beispielsweise Investitionen, Steuerzahlungen, Kreditaufnahmen oder -tilgungen, Gesellschafterentnahmen oder -einlagen. Diese musst du ebenfalls berücksichtigen. Erst dann weißt du genau, wohin der erzielte Gewinn „verschwunden“ ist und ob noch Geld übrig ist, um z. B. neue Produkte zu entwickeln oder Rücklagen zu bilden. Nicht zuletzt musst du den verfügbaren Finanzmittelbestand, etwa Bankguthaben, als Summe ebenfalls ansetzen.
Hier ein Beispiel für eine mehrstufige Betrachtung des Cashflows für eine entsprechende Rechnung:
Tipp
Erstelle am besten mehrmals im Jahr eine Cashflow-Rechnung
Bei der Cashflow-Betrachtung musst du nicht jeden EUR akribisch erfassen. Meist genügt es, wenn du mit gerundeten Werten arbeitest, etwa vollen 100 EUR. Wichtig ist, dass du erkennen kannst, wo du in etwa stehst.
Versuche, aufbauend auf den Daten der Buchhaltung oder des Steuerberaters, den Cashflow und die dazugehörige Rechnung mehrmals pro Jahr, am besten einmal pro Quartal, zu erstellen. Dann erhältst du schnell ein Gefühl dafür, ob du gut oder weniger gut dastehst und wie sich die Zukunft voraussichtlich entwickeln wird. Auch für den Jahresabschluss sind diese Werte auf längere Sicht von Vorteil.
So beurteilst du deine Leistungs- und Zahlungsfähigkeit mit Cashflow-Kennzahlen

Grundsätzlich gilt, dass der Cashflow in deiner Rechnung so hoch wie möglich ausfallen bzw. über mehrere Perioden betrachtet steigen sollte. Allerdings ist die absolute Höhe oft wenig aussagekräftig, wenn Vergleichswerte fehlen. Wie erfolgreich du gewirtschaftet hast und ob der Cashflow eher gut oder eher mäßig ist, kannst du mit ausgewählten Kennzahlen beurteilen. In der Praxis sind vor allem folgende Kenngrößen relevant:
- Der Cashflow-Abdeckungsgrad zeigt, wie viel Prozent der Auszahlungen du im Schnitt noch ohne weitere Einzahlungen abdecken kannst (Sicherheitspuffer). Je höher der Abdeckungsgrad, desto besser; 20 Prozent sollten es wenigstens sein.
- Die Cashflow-Marge entspricht im Kern der Umsatzrendite, ist aber aussagekräftiger, weil sie sich auf zugeflossene Mittel bezieht. Die Marge sollte mindestens 5 Prozent betragen.
- Der Cashflow-Kapitalrückfluss zeigt, inwieweit du mit dem Cashflow das im Betrieb eingesetzte Kapital wieder „erwirtschaftest“. Je größer der Wert, desto besser; 5 Prozent sollten es mindestens sein.
- Die Kennzahl Cashflow-Investitionsdeckung zeigt, wie viel Prozent der geplanten Investitionen durch den Cashflow abgedeckt sind. Je höher der Prozentwert, desto geringer die Summe, die du z. B. in Form von Krediten aufnehmen musst; 80 Prozent sollten es daher schon sein.
- Die Schuldentilgungsdauer zeigt, wie viele Jahre es dauert, bis alle Schulden beglichen sind, wenn du den Cashflow nur hierfür einsetzt. Bis 5 Jahre sind günstig, bis 10 Jahre mittelmäßig. Mehr als 10 Jahre gelten als ungünstig.
Tipp: Die empfohlenen günstigen Ausprägungen der Kennzahlen sind – mit Ausnahme der Schuldentilgungsdauer – nicht absolut zu verstehen. Je nach Branche gibt es hier deutliche Unterschiede. Informiere dich im Zweifel bei deinem Branchenverband oder deiner Hausbank, welche Referenzwerte für deine Branche gelten.
Im Folgenden findest du eine Beispielrechnung zu den hier genannten Kennzahlen. Die Rechnung basiert auf den Zahlen aus dem oberen Rechenbeispiel zu einem mehrstufigen Cashflow:
Info
Lexware Liquiditätsplaner
Mit dem Lexware Liquiditätsplaner hast du immer alles im Blick: verschiedene Liquiditätsübersichten, alle Kostenpositionen bequem zusammengefasst, Geldeingänge und -ausgänge grafisch dargestellt.
So kannst du Cashflow und Kennzahlen verbessern
Stellt sich anhand deiner Rechnung heraus, dass dein Cashflow und die Ausprägungen der Kennzahlen ungünstig sind, hast du u. a. folgende Reaktionsmöglichkeiten:
- Einzahlungsseite verbessern (etwa über Umsatzerhöhungen, Verkürzung von Zahlungszielen, vermehrte Barverkäufe)
- Umsetzung von Kostensenkungsmaßnahmen
- Investitionen prüfen (verschieben, reduzieren)
- Privat-/Gesellschafterentnahmen reduzieren
- Verzicht auf übermäßigen Aufbau von Vorräten
Beispiel aus der Praxis
Peter Gerber hat häufig Liquiditätsprobleme, obwohl sein Betrieb stets Gewinn abwirft. Er möchte der Sache auf den Grund gehen. Von einem befreundeten Unternehmer erhält er den Tipp, eine vereinfachte Cashflow-Rechnung für den Betrieb zu erstellen. Der Freund gibt ihm dafür auch gleich ein geeignetes Tool mit. Gerber trägt für das abgelaufene Quartal seine Zahlen ein. Sowohl der Cashflow insgesamt als auch die Kennzahlen fallen schlecht bis sehr schlecht aus.
Der Nutzen, den Gerber von der Berechnung hat, ist mehr Klarheit und Transparenz über Zusammenhänge und Auswirkungen zahlungswirksamer Positionen auf seine Liquidität. Er beschließt, Verbesserungen umzusetzen. Beispielsweise will er kurzfristig Investitionen und Privatentnahmen um 20–30 Prozent reduzieren. Außerdem plant er, künftig stärker darauf zu achten, nicht mehr so viel Material auf Vorrat „en bloc“ einzukaufen.
Mittelfristig möchte er sich darüber hinaus um Verbesserungen beim Forderungsmanagement kümmern und säumige Kunden konsequenter mahnen. Neukunden werden durchgängig auf Bonität geprüft und es wird über kürzere Zahlungsziele, Lastschrifteinzug und Barverkäufe verhandelt.
Schon nach kurzer Zeit verbessert sich die Liquidität und Gerber benötigt weniger Kredite als zuvor. Das schont den Geldbeutel.
