Krankengeld: Alles Wichtige zur Unterstützung bei Arbeitsunfähigkeit

Krankengeld dient im Krankheitsfall der Lohnabsicherung. Selbstständige und Freiberufler haben – im Gegensatz zu Arbeitnehmern, die gesetzlich versichert sind – jedoch keinen automatischen Anspruch auf diese Leistung. Daher ist es wichtig, dass sie sich eigenständig um eine Absicherung im Krankheitsfall kümmern. Doch ab wann bekommt man Krankengeld? Wer bekommt eigentlich Krankengeld? Wie verhält es sich mit dem Krankengeld nach einer Kündigung? Und gibt es einen erneuten Anspruch auf Krankengeld wegen einer anderen Krankheit? Antworten auf diese und weitere Fragen erhältst du hier.

Zuletzt aktualisiert am 04.06.2025

Zusammenfassung

Krankentagegeld im Überblick

  • Krankengeld ist eine wichtige finanzielle Unterstützung, wenn du aufgrund einer Krankheit arbeitsunfähig wirst.
  • Die Höhe des Krankengelds hängt vom Bruttogehalt und der Krankheitsdauer ab.
  • Krankengeld fließt auch, wenn einem Arbeitnehmer gekündigt wird oder er innerhalb der Kündigungsfrist krank wird.
  • Es ist wichtig, dass du regelmäßig eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung deines Arztes einreichst, um einen Anspruch auf Krankengeld zu behalten.
  • Selbstständige haben keine automatische Absicherung bei Krankheit.
  • Selbstständige müssen sich eigenständig für den Krankheitsfall absichern.
  • Selbstständige können zur Absicherung einen höheren Beitrag in die gesetzliche Krankenkasse zahlen oder eine private Krankentagegeld-Versicherung abschließen.

Definition

Was ist Krankengeld?

Krankengeld stellt eine finanzielle Hilfe dar, die versicherte Personen erhalten, wenn sie durch eine Krankheit arbeitsunfähig geworden sind. Krankengeld wird von der Krankenkasse ausgezahlt, um den Einkommensverlust auszugleichen. Das Krankengeld ersetzt damit die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Wann zahlt die Krankenkasse Krankengeld?

Anspruch auf Krankengeld besteht, wenn eine versicherte Person länger als sechs Wochen aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls der Arbeit fernbleiben muss und dafür eine bzw. mehrere Krankschreibungen erhält.

Auch stationäre Behandlungen, wie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, können einen Anspruch auf Krankengeld ergeben. 

Auch als Selbstständiger kannst du dich vor finanziellen Schwierigkeiten im Krankheitsfall schützen. Beantrage dafür eine freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung mit dem allgemeinen Beitragssatz und einem Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit.

Info

Wann fällt man ins Krankengeld?

Ab der siebten Woche einer Arbeitsunfähigkeit. Genauer gesagt zahlt die Krankenkasse ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit Krankengeld, wenn du wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig bist.

Tipp

Für Arbeitgeber: Entgeltbescheinigung für Krankengeld

Wenn einer deiner Mitarbeiter länger krankgeschrieben ist, erhält er nach 42 Kalendertagen keine Entgeltfortzahlung mehr. Stattdessen erhält er Krankengeld von der Krankenkasse. Zu diesem Zweck musst du als Arbeitgeber eine Entgeltbescheinigung für das Krankengeld an die Krankenkasse übermitteln.

Ist der Arbeitnehmer privat krankenversichert, bietet sich eine individuell anpassbare Krankentagegeldversicherung an.

Krankengeld bei Arbeitslosigkeit

Wenn ein Arbeitsloser krank wird, hat er ebenfalls Krankengeldanspruch: Nach sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit erhält er bis zu 78 Wochen Krankengeld in Höhe des vorher bezogenen Arbeitslosengeldes.

Dauer und Höhe des Krankengelds

Infografik von Lexware zur Darstellung von "Krankengeld"

Wie lange die Krankenkasse Krankengeld zahlt, ist festgelegt. In der Regel wird das Krankengeld für eine Dauer von bis zu 1,5 Jahren gezahlt.

Wie hoch das Krankengeld ist, ist hängt vom Gehalt ab. Die Grenzen des Krankengelds sind prozentual festgelegt. In der Regel beträgt es 70 Prozent des Bruttogehalts bzw. 90 Prozent des Nettoeinkommens, jedoch mit einer Obergrenze von 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze.

Praxisbeispiel:

Wenn du zum Beispiel 2.000 € brutto verdienst und vor der 6. Krankheitswoche noch 1.400 € Krankengeld pro Monat beziehst, erhältst du nach der 6. Woche 1.600 € Krankengeld als Lohnfortzahlung. Hierfür ist es jedoch notwendig, dass du regelmäßig eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung deines Arztes an deine Krankenversicherung übermittelst.

Tipp

Krankengeldrechner nutzen

Hast du Anspruch auf Krankengeld? Nutze unseren kostenlosen Krankengeldrechner, um die Höhe des Krankengelds zu berechnen.

Freiwilliger Krankengeldzuschuss

Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, einen freiwilligen Krankengeldzuschuss zu leisten. Dieser Zuschuss unterliegt der Lohnsteuerpflicht und kann zusätzlich zum regulären Krankengeld gezahlt werden.

Aussteuerung des Krankengelds und erneute Erkrankung

Wenn du innerhalb von drei Jahren bereits 78 Wochen Krankengeld bekommen hast, musst du bis zum Beginn eines neuen Drei-Jahres-Zeitraums warten, bevor du einen erneuten Anspruch auf Krankengeld wegen einer anderen Krankheit hast.

Gesetzliche Krankenkassen zahlen Krankengeld nur, wenn der Anspruch darauf besteht und die Zahlung nach 78 Wochen endet, was als „Aussteuerung“ bezeichnet wird.

Krankengeld für Selbstständige und Freiberufler – welche Optionen hast du?

Selbstständige, die keinen gesetzlichen Krankengeldanspruch haben, müssen für ihren finanziellen Schutz im Krankheitsfall selbst sorgen. Hier stehen ihnen drei Optionen zur Verfügung:

Option 1 - Freiwillig gesetzlich versichern: Als Selbstständiger bzw. Freiberufler kannst du dich freiwillig für die gesetzliche Krankenversicherung entscheiden. Hierbei erhältst du ab dem 43. Krankheitstag Lohnausgleich, musst aber einen Mehrbeitrag von 0,6 Prozentpunkten zahlen.

Option 2 - Optionaler Wahltarif: Als Selbstständiger bzw. Freiberufler kannst du bei der gesetzlichen Krankenversicherung einen speziellen Wahltarif vereinbaren, um den Versicherungsschutz zu erhöhen. Um finanzielle Unterstützung während einer Krankheit vor dem 43. Tag zu erhalten, gibst du dazu bei deiner gesetzlichen Krankenkasse eine Wahlerklärung ab.

Option 3 - Privat absichern: Wenn man jung bzw. gesund genug ist, ist eine alternative Option der Abschluss einer privaten Krankentagegeld-Versicherung für Selbstständige bzw. Freiberufler. Sie lässt sich individuell an die Bedürfnisse anpassen.

Tipp

Krankentagegeld als Zusatzversicherung

Auch freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige können von einer Krankentagegeld-Versicherung profitieren. Damit können sie eine mögliche Lücke in der Versorgung schließen, indem sie z.B. den monatlichen Betrag oder die Leistungsdauer erhöhen.

Privates Krankentagegeld für Selbstständige

Privat versicherte Selbstständige können keine Versicherung für Krankengeld abschließen. Entsprechend wichtig ist es, dass du dich als Selbstständiger oder Freiberufler beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung über die Krankentagegeldversicherung informierst. Im Falle einer längeren Krankheit bzw. eines Unfalls bist du damit gegen einen Verdienstausfall abgesichert.

Für den Leistungsumfang der Absicherung ist entscheidend, wie hoch der monatliche Bedarf ausfällt. Hier ist in der Regel das Nettoeinkommen eine gute Referenzgröße.

Das Krankentagegeld der privaten Krankenversicherungen kann auch zur Schließung von Versorgungslücken für Selbstständige dienen. Und zwar für diejenigen, die in einer gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichert sind und eine Krankengeldversicherung abgeschlossen haben.

Das Krankentagegeld kann nämlich ergänzend zum Krankengeld der gesetzlichen Versicherung vereinbart werden, um die Differenz zwischen Nettoeinkommen und Krankengeld auszugleichen.

Vorteile für Selbstständige beim Krankentagegeld

  • Beim Krankengeld gilt ein sogenanntes „Bereicherungsverbot“. D. h. der Versicherte darf im Krankheitsfall durch das Krankengeld nicht bessergestellt werden als im Falle einer Arbeitsunfähigkeit. Das bedeutet, dass Zahlungen von Krankengeld bzw. Krankentagegeld das durchschnittliche Nettoeinkommen nicht wesentlich übersteigen dürfen. Die gute Nachricht ist, dass dieses Verbot für Selbstständige nicht gilt.
  • Vorteilhaft ist auch, dass du bei einer privaten Krankentagegeldversicherung den Zeitpunkt der Krankengeldzahlung im Vorfeld selbst bestimmen kannst. Hier ist es in der Regel ratsam, ein Krankentagegeld erst ab der 7. Woche zu vereinbaren. Denn Tarife, bei denen schon früher ein Krankentagegeld bezahlt wird, sind deutlich teurer.

Krankengeld für freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige

Gesetzlich freiwillig versicherte Selbstständige haben einen Anspruch auf Krankengeld, das nach der 7. Krankheitswoche gezahlt wird. Mit dem Wahltarif zum Krankengeld kannst du die Zahlungsweise flexibilisieren.

Krankengeldprämie für Selbstständige

Um Anspruch auf Krankengeld zu erlangen, musst du einen höheren Beitrag als den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent für deine Krankenversicherung leisten. Du bezahlst den normalen Beitragssatz von 14,6 Prozent zuzüglich eines Zusatzbeitrags von 0,6 Prozentpunkten. 

Dieser erhöhte Beitrag berechtigt zum Krankengeld ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit sowie zur Übertragung von Mutterschaftsgeld vor und nach der Geburt.

Info

Gut zu wissen: Ab wann muss ich Krankengeld versteuern?

Krankengeld ist steuerfrei, du musst es aber in der Steuererklärung angeben.

Maximales gesetzliches Krankengeld

Der Beitragsaufschlag für das Krankengeld wird nur auf das Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze angewendet. Das bedeutet, dass du höchstens etwa 28 Euro pro Monat für das Krankengeld bezahlen musst.

Darüber hinaus ist die Höhe des gesetzlichen Krankengelds auf 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze beschränkt. Das bedeutet, dass das maximale Krankengeld im Jahr 2025 bei rund 128,63 Euro pro Tag liegt - unabhängig davon, wie hoch dein reguläres Einkommen ist.

Wahlerklärung bei der Krankenkasse

Um deinen Anspruch auf Krankengeld zu gewährleisten, ist es ratsam, dass du bei deiner Krankenkasse eine formlose, schriftliche Wahlerklärung einreichst.

Beispieltext für eine Wahlerklärung:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich die Erweiterung meiner freiwilligen Mitgliedschaft in der Krankenversicherung als hauptberuflich Selbstständiger. Durch diese Erweiterung möchte ich einen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit erhalten. Ich bin über die Bedingungen dieser Leistungserweiterung informiert und weiß, dass ich drei Jahre ab Teilnahmebeginn an meine Wahl gebunden bin.

Mit freundlichen Grüßen

[Datum, Unterschrift]“

Beitragsbefreiung bei Krankheit

Während des Krankengeldbezugs wird der gesetzlich freiwillig Versicherte von der Krankenkasse von der Beitragszahlung befreit.

FAQ

Hier findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen noch einmal zusammengefasst.

Ab wann fällt man ins Krankengeld?

Du erhältst Krankengeld, wenn du länger als sechs Wochen arbeitsunfähig bist und die Entgeltfortzahlung durch deinen Arbeitgeber endet. Je nach Versicherungsvertrag haben auch Selbstständige unter Umständen einen Krankengeldanspruch ab der siebten Woche.

Wer zahlt Krankengeld?

Krankengeld zahlt die gesetzliche Krankenkasse.

Wie lange zahlt die Krankenkasse Krankengeld?

Die Krankenkasse zahlt Krankengeld für maximal 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Krankheit. Falls weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit besteht, kannst du nach Ablauf der 78 Wochen unter bestimmten Voraussetzungen Leistungen wie beispielsweise eine Erwerbsminderungsrente bei der Rentenversicherung beantragen.