Eigenkapitalquote

Jedes gesunde Unternehmen braucht ein bestimmtes Eigenkapital. Nicht immer ist die Auftragslage gut und für unvorhersehbare Ausgaben solltest du entsprechende Rücklagen bilden. Um zu ermitteln, wie gut es in deinem Betrieb um die Finanzen bestellt ist, dient die Eigenkapitalquote.

Zuletzt aktualisiert am 25.02.2025

Zusammenfassung

Die Eigenkapitalquote im Überblick

  • Die Eigenkapitalquote gibt das Verhältnis zwischen Eigen- und Gesamtkapital an.
  • Die Berechnung der EK-Quote ist für Unternehmer, aber auch für Kreditinstitute, Aktionäre, Wettbewerber und Gläubiger wichtig.
  • Eine gute Eigenkapitalquote beginnt aus Investorensicht bei 20 Prozent. Grundsätzlich sollte sie aber höher liegen, etwa bei 30 Prozent.
  • Für die Berechnung der Eigenkapitalquote nutzt du folgende Formel: Eigenkapital / Gesamtkapital x 100
  • Um die EK-Quote zu erhöhen, kannst du die Kapitalfreisetzung und -erhöhung nutzen oder Gewinne einbehalten.

Was versteht man unter der Eigenkapitalquote?

Die Eigenkapitalquote (EK-Quote), auch als Eigenkapitalintensität bekannt, gilt als Grundlage für Finanzentscheidungen. Diese Kennzahl hat eine Aussagekraft über die finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit eines Unternehmens. Aus diesem Grund gilt es, stets auf eine gesunde Eigenkapitalquote zu achten.

Definition

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote (auch: Eigenkapitalintensität) gibt an, welcher Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital (Bilanzsumme) eines Unternehmens besteht. Sie ist ein zentraler Indikator für finanzielle Stabilität, Unabhängigkeit und Bonität.

Wofür ist sie wichtig?

  • Aussage zur Kreditwürdigkeit und zur Haftungsmasse für Gläubiger
  • Puffer für Krisen: höhere Verlusttragfähigkeit bei Ertragsschwankungen
  • Unabhängigkeit von Fremdkapital und Zinsänderungen

Was gilt als guter Wert?
Als solide Orientierung gelten häufig etwa 20 % bis 30 %. Je nach Branche, Geschäftsmodell und Unternehmensphase können angemessene Spannen abweichen.

Berechnung (in %)
Eigenkapitalquote = (Eigenkapital / Gesamtkapital [Bilanzsumme]) × 100

Merke
Je höher die Eigenkapitalquote, desto stabiler und unabhängiger steht das Unternehmen finanziell.

Die EK-Quote gibt Aufschluss über die Kapitalstruktur in deinem Unternehmen. Das ermöglicht einen Rückschluss auf die Bonität und das Risiko der Firma. Genau dieser Wert ist für verschiedene Personengruppen wichtig:

  • Eigenes Unternehmen: Kennst du die Eigenkapitalquote deines Unternehmens, gibt dir dies Aufschluss über die finanzielle Situation deiner Firma.
  • Kreditinstitute: Braucht dein Unternehmen einen Kredit, schauen sich Banken verschiedene betriebswirtschaftliche Kennzahlen an, um sich leichter einen Überblick über die finanzielle Stabilität und die Kreditwürdigkeit zu verschaffen. Dazu gehört auch die EK-Quote.
  • Wettbewerber: Weiß deine Konkurrenz von einer schlechten Eigenkapitalquote, kann das beim Unterbreiten von Kaufangeboten ein Vorteil für sie sein, weil Kunden oft lieber bei Unternehmen mit stabilen Verhältnissen kaufen.
  • Aktionäre: Möchten Aktionäre in ein Unternehmen investieren, ist die Eigenkapitalquote ein wichtiger Indikator für den Aktienkauf.
  • Gläubiger: Das Eigenkapital eines Unternehmens steht dem Gläubiger als Haftungsmasse zur Verfügung. Im Insolvenzfall können Gläubiger nur darauf zugreifen.

Eigenkapitalquote berechnen

Für die Berechnung der Eigenkapitalquote ermittelst du das prozentuale Verhältnis zwischen Eigenkapital und Gesamtkapital (Bilanzsumme). Daraus ergibt sich folgende Berechnungsformel:

Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital (Bilanzsumme) x 100

Eigenkapitalquote ermitteln an einem einfachen Beispiel

1 Mio. / 3 Mio. x 100 = 33 Prozent

Für die Berechnung musst du die konkreten Zahlen kennen. Schau in deine Bilanz, um die Eigenkapitalquote zu berechnen. Hier sind alle Posten aufgelistet, um den Eigenkapitalanteil zu ermitteln. Dazu gehören:

  • Kapitalrücklagen
  • Gewinnrücklagen
  • Gezeichnetes Kapital
  • Gewinn- und Verlustvortrag
  • Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag
Bilanz: Anlage- und Umlaufvermögen, Eigen- und Fremdkapital.

Info

Beispielrechnung: Eigenkapitalquote

Angenommen du besitzt ein Eigenkapital in Höhe von 10.000,00 € und ein Fremdkapital von 25.000,00 €, welches sich aus Verbindlichkeiten und Rückstellungen zusammensetzt, musst du folgende Formel in den Rechner eingeben: 

10.000 / 35.000 × 100 = 28,57 Prozent Eigenkapitalquote

Was ist eine gute Eigenkapitalquote?

Für die Interpretation der Eigenkapitalquote ist es wichtig, Orientierungsgrößen für einen guten Wert zu kennen. Beachte dabei, dass bei der Beurteilung der Kennzahl bestimmte Einflussfaktoren eine Rolle spielen. Ein Unternehmen kann jedoch bereits ab einem Wert von 20 Prozent über eine gute Eigenkapitalquote verfügen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn noch offene Forderungen bestehen. Ab einem Wert von unter 20 Prozent wird es wirtschaftlich gefährlich. Es besteht die Gefahr von Zahlungsschwierigkeit oder gar eines Zahlungsausfalls. Grundsätzlich gilt hierbei, je niedriger die Eigenkapitalquote, desto höher das Risiko!

Grundsätzlich gilt: Solide wirtschaftende Unternehmen weisen eine Eigenkapitalquote von ungefähr 30 Prozent auf. An diesen Werten kannst du dich auch mit deinem Unternehmen orientieren. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote in Deutschland liegt bei 30 Prozent.

Eigenkapitalquote für Banken

Die Eigenkapitalquote bei Banken liegt noch einmal deutlich unter dem Wert für Unternehmen. Für die Geldinstitute ist ein Zielwert der Eigenkapitalquote von mindestens 8 Prozent vorgegeben.

Solltest du auf ein Ergebnis von unter 20 Prozent kommen, solltest du handeln. Unter Umständen kann es zu Zahlungsschwierigkeiten und im schlimmsten Fall zur Zahlungsunfähigkeit kommen. In jedem Fall verschlechtert sich deine Bonität. 

Negative Eigenkapitalquote vermeiden

Wenn die Schulden das Vermögen übersteigen, liegt grundsätzlich eine Überschuldung vor, die ohne sofortige Maßnahmen zur Erhöhung des Eigenkapitals zur Insolvenz führen kann. In der Bilanz muss bei Kapitalgesellschaften in einem solchen Fall auf der Aktivseite ein gesonderter Posten ausgewiesen werden (Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag.).

Allerdings kann eine negative Eigenkapitalquote auch nur von kurzer Dauer, beziehungsweise vorübergehend sein. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Eigenkapitalquote zwar im positiven Bereich liegt, aber dennoch recht niedrig ausfällt. Hat beispielsweise ein Kunde Zahlungsschwierigkeiten, kannst du kurzfristig in eine negative Eigenkapitalquote rutschen. Nach Zahlung der Verbindlichkeiten sollte sich dies jedoch wieder ausgleichen.

Einflussfaktoren für eine gesunde Eigenkapitalquote

Darüber hinaus gibt es keine pauschale Antwort, was eine gute Eigenkapitalquote ist. Sie ist von folgenden Faktoren abhängig:

  • Ertragsrisiko: Ist das Ertragsrisiko in deinem Unternehmen hoch, sollte auch die Eigenkapitalquote hoch sein.
  • Branche: Die Branche, der dein Unternehmen angehört, ist ein entscheidender Faktor bei der Bedeutung der Eigenkapitalquote. Führst du ein anlageintensives Unternehmen in der verarbeitenden Industrie, sollte deine Eigenkapitalquote höher liegen.
  • Größe des Unternehmens: Als kleines Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern hast du eine geringere Eigenkapitalquote als eine große Firma mit mehreren Tausenden Beschäftigten.

Zusätzlich beeinflusst deine Rechtsform, ob du eine gute EK-Quote hast. Kapitalgesellschaften haben oft eine höhere Kennzahl, da sie sich meist in einer anlage- und kapitalintensiven Branche aufhalten. Dagegen ist die Eigenkapitalquote bei Personengesellschaften niedriger, da diese mit ihrem Privatvermögen haften.

Bedeutung einer hohen Eigenkapitalquote

Bei Unternehmen mit hoher Eigenkapitalquote ist der Verschuldungsgrad niedrig. Für Gläubiger bedeutet das ein geringes Ausfallrisiko und zugleich ein geringes Risiko für eine Insolvenz. Zusätzlich hat dein Unternehmen günstige Schuldenkennzahlen.

Daraus resultiert ebenfalls, dass deine Firma weniger anfällig für Krisen ist. Mit den vorhandenen Reserven kannst du z. B. mangelnde Auftragslagen überbrücken. Auch reduzierte Ertrags- und Beschäftigungsrisiken sind bei einer hohen EK-Quote zu befürchten. Deinem Unternehmen wird durch eine hohe Eigenkapitalquote eine hohe Kreditwürdigkeit zugeschrieben. Durch diese bringst du dich in eine gute Verhandlungsposition für Anschlussfinanzierungen. Das bringt niedrigere Zinsen für Kredite mit sich. Durch die geringeren Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten reduziert sich die Belastung durch Zins- und Tilgungszahlungen. Das wiederum macht sich in einer verbesserten Liquidität bemerkbar.

Vor- und Nachteile einer hohen Eigenkapitalquote in der Übersicht

Vorteile

  • Die Kreditwürdigkeit (Bonität) des Unternehmens steigt, wodurch du einfach an Kredite und Finanzierungen gelangst.
  • Durch die niedrige Verschuldung ist von finanziellen Schwierigkeiten in naher Zukunft nicht auszugehen.
  • Das Unternehmen kann unabhängiger agieren und ist freier in seiner Entscheidungsgewalt.

Nachteile

  • Eine hohe Eigenkapitalquote wirkt sich negativ auf die Eigenkapitalrentabilität aus. Sie wird nämlich durch den Gewinn und das eingesetzte Eigenkapital bestimmt, wobei die Rendite sinkt, wenn die Quote steigt.

Niedrige Eigenkapitalrentabilität

Neben dieser Vielzahl an Vorteilen bringt eine hohe Eigenkapitalquote auch einen Nachteil mit sich: eine niedrige Eigenkapitalrentabilität. Diese Kennzahl gibt die Wirtschaftlichkeit deines Unternehmens an. Sie sagt aus, mit welchem Prozentsatz sich dein Eigenkapital verzinst.

Eigenkapitalquote erhöhen

Möchtest du die Eigenkapitalquote verbessern, solltest du die im Rahmen deiner Möglichkeiten tun. Dir stehen drei Varianten zur Verfügung:

  1. Kapitalfreisetzung: Du kannst Anlage- und Umlaufvermögen nutzen, um Kapital freizusetzen. Das funktioniert beispielsweise, indem du Maschinen verkaufst oder offene Forderungen eintreibst.
  2. Kapitalerhöhung: Mit dieser Methode erhöhen Gesellschaften Ihre Eigenkapitalquote. Nimm als GmbH neue Gesellschafter auf, die neues Geld in dein Unternehmen bringen. Als AG kannst du neue Aktien in Umlauf bringen.
  3. Gewinneinbehaltung: Zahle Gewinne nicht aus, sondern belasse die im Unternehmen. Mit denen kannst du ausstehende Forderungen begleichen oder als Gewinnrücklagen für Eigenkapitel nutzen.

Aussagekraft einer niedrigen Eigenkapitalquote

Bei einer niedrigen Eigenkapitalquote verhält es sich genau umgekehrt. Du giltst als wirtschaftliches Unternehmen, da deine Eigenkapitalrentabilität hoch ist.

Das birgt allerdings mehr Risiken und einen höheren Verschuldungsgrad. Daher musst du mit höheren Kosten für Fremdkapital rechnen. Damit steigen gleichzeitig deine Verbindlichkeiten. Zudem wirkt sich eine niedrige EK-Quote negativ auf die Schuldenkennzahlen aus.