Nachhaltigkeit

Strategische Priorisierung: Die Bedeutung der Wesentlichkeitsmatrix für Unternehmen

Nachhaltigkeit ist für Unternehmen nicht mehr nur ein Trend, sondern eine strategische Notwendigkeit, um langfristig erfolgreich und im Wettbewerb zukunftsfähig zu sein. Um relevante Themen in Bezug auf Nachhaltigkeit zu identifizieren und gezielt Maßnahmen abzuleiten, setzen Unternehmen auf die sogenannte Wesentlichkeitsmatrix. Dieses Instrument hilft dabei, Nachhaltigkeitsaspekte systematisch zu bewerten und in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die sich erstmals mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung auseinandersetzen, profitieren von dieser Methode. In diesem Artikel erfahren Sie, wie eine Wesentlichkeitsmatrix funktioniert, welche Vorteile sie bietet und wie Sie diese für Ihr Unternehmen erstellen können.

Zuletzt aktualisiert am 04.04.2025
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Was ist eine Wesentlichkeitsmatrix?

Eine Wesentlichkeitsmatrix ist laut Definition eine Methode zur Identifikation und Priorisierung von Nachhaltigkeitsthemen, die für ein Unternehmen und seine Stakeholder relevant sind. Dabei werden wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte systematisch bewertet. Die Wesentlichkeitsmatrix stellt Themen visuell in einer Matrix dar, die zwei Dimensionen berücksichtigt:

  1. Bedeutung für das Unternehmen – Wie stark beeinflusst das Thema die Unternehmensstrategie?
  2. Bedeutung für Stakeholder – Wie wichtig ist das Thema für Investoren, Kunden und Mitarbeitende?

Was ist eine doppelte Wesentlichkeitsmatrix?

Mit der neuen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wird zunehmend die doppelte Wesentlichkeitsmatrix gefordert. Diese Methode bewertet Nachhaltigkeitsthemen nicht nur nach ihrer Relevanz für das Unternehmen und die Stakeholder, sondern auch nach ihrem tatsächlichen Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft.

Ein entscheidendes Merkmal der Wesentlichkeitsanalyse ist die Inside-Out- und Outside-In-Perspektive. Dabei werden die folgenden drei Perspektiven betrachtet:

  • Die relevanten Themen der ESG für die Stakeholder (Global Reporting Initiative – GRI)
  • Die relevanten Nachhaltigkeitsthemen, die das Unternehmen durch sein Tun beeinflusst (GRI & Non-Financial Reporting Directive – NFRD)
  • Die ESG-Themen, von denen das Unternehmen beeinflusst wird (NFRD)

Unternehmen, die die doppelte Wesentlichkeit anwenden, sind besser darauf vorbereitet, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und fundierte Nachhaltigkeitsentscheidungen zu treffen.

Wie erstellt man eine Wesentlichkeitsmatrix?

Die Erstellung einer Wesentlichkeitsmatrix erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Identifizieren aller Stakeholder: Unternehmen sollten Stakeholder in verschiedene Gruppen unterteilen, z. B. Wirtschaft (Investoren, Banken, Kunden), Gesellschaft (NGOs, Behörden), interne Interessengruppen (Mitarbeitende, Geschäftsführung).
  2. Bewerten der Stakeholder nach Relevanz: Nicht alle Stakeholder haben denselben Einfluss auf das Unternehmen. Durch eine Analyse der Rangfolge kann die Gewichtung der Themen gezielt erfolgen.
  3. Befragen der wichtigsten Stakeholder: Dies kann durch Umfragen, Interviews oder Workshops geschehen. Besonders externe Stakeholder liefern oft wertvolle Erkenntnisse.
  4. Priorisierung der Themen: Nachhaltigkeitsthemen werden nach ihrer finanziellen und auswirkungsbezogenen Relevanz priorisiert.
  5. Matrix erstellen: Die Themen werden in einer zweidimensionalen Matrix abgebildet – horizontal die Relevanz für das Unternehmen, vertikal die Relevanz für Stakeholder.
  6. Ergebnisse kommunizieren: Die Matrix sollte in Nachhaltigkeitsberichten veröffentlicht und regelmäßig überprüft werden.
     

Info

Datenbasierte Wesentlichkeitsmatrix

Unternehmen können Softwarelösungen als Vorlage nutzen, um eine datenbasierte Wesentlichkeitsmatrix zu erstellen. Tools wie das GRI-Framework oder der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) unterstützen die systematische Erfassung der relevanten Themen.

Herausforderungen bei der Umsetzung einer Wesentlichkeitsmatrix

Auch wenn eine Wesentlichkeitsmatrix viele Vorteile bietet, gibt es Herausforderungen, die gerade von KMU bewältigt werden müssen:

  • Datenverfügbarkeit: Die Qualität der Matrix hängt von den verfügbaren Daten ab. Fehlende oder ungenaue Informationen können zu Fehlbewertungen führen.
  • Stakeholder-Management: Unterschiedliche Interessen der Stakeholder erfordern eine sorgfältige Abwägung der Prioritäten.
  • Integration in die Unternehmensstrategie: Nachhaltigkeit darf nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss in die gesamte Unternehmensstrategie eingebunden sein. Solange die Nachhaltigkeit nicht in tiefen integriert ist, werden die Themen immer als „Mehrarbeit“ empfunden, das tatsächliche Handeln wird nach hinten geschoben und führen letztendlich zu Ablehnung.
  • Dynamische Anforderungen: Nachhaltigkeitsthemen ändern sich mit der Zeit, weshalb eine regelmäßige Aktualisierung notwendig ist.

Warum ist eine Wesentlichkeitsmatrix wichtig?

Trotz aller Herausforderungen ist eine Wesentlichkeitsmatrix von großer Bedeutung, da sie zahlreiche Vorteile bietet, die über die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen hinausgehen: Sie ist ein essenzielles Werkzeugfür Unternehmen, die Nachhaltigkeit strategisch verankern möchten und ermöglicht die Priorisierung relevanter Nachhaltigkeitsthemen, was eine gezielte Strategieentwicklung stärkt. Die Matrix schafft Transparenz für Stakeholder, indem sie Nachhaltigkeitsthemen strukturiert darstellt. 

Zudem verbessert sie die Wettbewerbsfähigkeit, da Nachhaltigkeit zunehmend ein Entscheidungskriterium für Investoren und Kunden darstellt. Durch die frühzeitige Identifizierung von Themen, die regulatorische oder wirtschaftliche Auswirkungen haben könnten, trägt sie zur Risikominimierung bei. Schließlich ermöglicht die Wesentlichkeitsmatrix eine effizientere Ressourcennutzung, indem finanzielle und personelle Mittel gezielt für die wesentlichen Themen eingesetzt werden können.

Checkliste: Ist eine Wesentlichkeitsmatrix für Ihr Unternehmen sinnvoll?

Auch wenn die Erstellung einer Wesentlichkeitsmatrix viele Vorteile mit sich bringt, ist die Erstellung nicht für jedes Unternehmen sinnvoll. Prüfen Sie daher zunächst, ob folgende Punkte für Ihr Unternehmen zutreffen:

  • Ist Nachhaltigkeit bereits Teil Ihrer Unternehmensstrategie?
  • Haben Sie Transparenz über die Erwartungen Ihrer Stakeholder?
  • Benötigen Sie eine strukturierte Grundlage für die Nachhaltigkeitsberichterstattung?
  • Wollen Sie gezielt in nachhaltige Maßnahmen investieren?
  • Haben Sie Mechanismen und die entsprechenden Kapazitäten an Mitarbeitenden zur regelmäßigen Überprüfung der Nachhaltigkeitsthemen?
  • Nutzen Sie bereits digitale Tools zur Nachhaltigkeitsbewertung?