Nachhaltigkeit

Nachhaltige Finanzen: Die Rolle der Green Asset Ratio

Im Zusammenhang mit nachhaltigen Finanzierungen trifft man auch immer wieder auf die sogenannten Green Asset Ratio. Dabei handelt es sich um eine Kennzahl, die darüber informiert, wie nachhaltig Banken agieren. Hier ein Überblick.

Zuletzt aktualisiert am 04.04.2025
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Was ist Green Asset Ratio (GAR): Definition und Bedeutung

Die Green Asset Ratio (GAR) ist eine Kennzahl, die den Anteil (taxonomiekonformer) grüner bzw. nachhaltiger Vermögenswerte an den gesamten Vermögenswerten eines Finanzinstituts misst. Die Green Asset Ratio wurde im Rahmen der EU-Taxonomie entwickelt, um die Nachhaltigkeitsleistung von Banken   zu machen. Seit 2024 müssen große Banken in der EU die Kennzahl ermitteln und veröffentlichen. 

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Welche Rolle spielt die EU-Taxonomieverordnung im Zusammenhang mit der Kennzahl GAR?

Bei der Verordnung zur EU-Taxonomie handelt es sich um ein Klassifizierungssystem der EU. Es legt fest, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltig gelten. Die EU-Taxonomieverordnung wurde eingeführt, um Greenwashing zu vermeiden und Investitionen gezielt in nachhaltige Projekte zu lenken. Deshalb ist sie auch für Kreditinstitute von großer Relevanz. Die GAR basiert direkt auf der EU-Taxonomie und misst den Anteil taxonomiekonformer Kredite und Investments am Gesamtportfolio der Bank.

Mithilfe der Kennzahl Green Asset Ratio können also Vergleiche von Finanzinstituten im Hinblick auf die Nachhaltigkeit erfolgen. Deshalb ist sie für Investoren oder auch Banken so wichtig. 

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Das bietet die Kennzahl Green Asset Ratio

  • Transparenz
  • Erfüllung regulatorischer Anforderungen
  • Vergleichbarkeit zwischen Banken
  • Förderung nachhaltiger Finanzströme

Welche Rolle spielen Regulierungen und politische Rahmenbedingungen bei der GAR?

Die GAR ist direkt mit der EU-Taxonomieverordnung verbunden, die bestimmt, welche wirtschaftlichen Aktivitäten nachhaltig sind.

Die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) zwingt große Unternehmen, taxonomiekonforme Daten offenzulegen, was Banken hilft, die Green Asset Ratio präziser zu berechnen.

Allerdings ist zu beachten, dass durch die sog. Omnibus-Verordnung regulatorische Erleichterungen geplant werden. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen demnach von bestimmten Nachhaltigkeitsberichtspflichten befreit werden. Das würde bedeuten, dass weniger Unternehmen als ursprünglich geplant die CSRD-Anforderungen umsetzen müssen. Das kann sich auch auf die Datenlage zur Berechnung der GAR in der Finanzindustrie auswirken, wenn weniger Unternehmen entsprechende Angaben machen müssen.

Berechnung der Green Asset Ratio

Welche Daten und Informationen werden zur Berechnung der GAR benötigt? Hierfür brauchen Banken Daten zu den nachhaltig finanzierten Geschäftsvolumen und nachhaltigen Investitionen. Wichtig ist, dass es sich um taxonomiekonforme Vermögenswerte handeln muss.

Diese Beträge werden zur Offenlegung miteinander addiert. Die Summe hieraus wird durch das gesamte Geschäftsvolumen geteilt. 
Die Berechnung lautet also: 

(Nachhaltig finanzierte Geschäftsvolumen + Nachhaltige Investitionen) / Geschäftsvolumen

Das bedeutet aber auch, dass Banken zur Berechnung der Kennzahl auch Daten von Kreditnehmern benötigen, um zu prüfen, ob diese nachhaltig wirtschaften. Es verwundert daher nicht, dass Banken beispielsweise bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen immer häufiger auch Informationen zur Nachhaltigkeit anfordern.

Welche Relevanz hat die Kennzahl GAR aktuell?

Obwohl die Green Asset Ratio als wichtige Kennzahl für nachhaltige Finanzierungen gilt, sind die aktuellen Werte bei den Banken noch sehr niedrig. Laut einer Studie von PwC liegt die durchschnittliche GAR europäischer Banken in den Geschäftsberichten 2023 bei nur zwei Prozent. Das heißt, dass bisher ein nur sehr kleiner Teil der Bankfinanzierungen die strengen Nachhaltigkeitskriterien der EU-Taxonomie erfüllt.

Ein Hauptgrund für die niedrige GAR ist laut PwC das Privatkundengeschäft, insbesondere Hypotheken für Wohnimmobilien. Viele Immobilien erfüllen noch nicht die hohen Nachhaltigkeitsstandards der Taxonomie. Weitere Herausforderungen sind: 

  • Datenlücken: Viele Unternehmen liefern noch nicht genügend Informationen zur Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten.
  • Uneinheitliche Erhebungsmethoden: Banken nutzen unterschiedliche Verfahren zur Berechnung der GAR.
  • Geringe Abdeckung der Finanzierungsaktivitäten: Nicht alle von Banken finanzierten Projekte werden durch die aktuellen Taxonomiekriterien erfasst.

Es gibt zudem große Unterschiede zwischen den Ländern. Niederländische Banken haben mit durchschnittlich 13 % die höchste Green Asset Ratio, vermutlich wegen besserer Datenverfügbarkeit zu den Energy Performance Ratings (EPC). In anderen Ländern liegen die Werte teilweise bei 0 %.

Diese Zahlen zeigen, dass der Weg zu einer wirklich nachhaltigen Finanzwirtschaft noch weit ist. Damit die GAR künftig steigt, braucht es mehr einheitliche Datenstandards, bessere ESG-Berichte von Unternehmen und eine stärkere Ausrichtung der Finanzierungen auf nachhaltige Projekte.

Welche Vorteile bietet die GAR für Finanzinstitute und Investoren?

Von der Kennzahl Green Asset Ratio profitieren sowohl Banken als auch Investoren. Banken können damit bei nachhaltigen Investoren punkten, denen Umweltziele wichtig sind, und Wettbewerbsvorteile generieren, indem sie sich als „grüne Bank“ auszeichnen. Da Sustainable Finance immer bedeutsamer wird, ist es durchaus denkbar, dass auch die Kennzahl GAR künftig immer mehr Aufmerksamkeit erhält.

Eine Bank, die sich als besonders nachhaltig zeigt, erhält ggf. bessere Finanzierungsbedingungen durch Zugang zu Green Bonds oder günstigen Refinanzierungen. Davon profitiert das komplette Geschäftsmodell und auch die Nachhaltigkeitskommunikation.

Für Investoren bietet sich durch GAR eine klare Orientierung, welche Banken tatsächlich nachhaltig wirtschaften. Greenwashing kann auf diese Weise besser vermieden werden. Für Green Investing sind Informationen, wie Kennzahlen, generell von Relevanz. Nicht zuletzt fördert dies die Unterstützung der Nachhaltigkeitsziele der EU und somit den Klimaschutz durch gezielte Investitionen. 

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Wird die Green Asset Ratio künftig relevanter?

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Relevanz der Kennzahl generell entwickeln wird, wenn aufgrund regulatorischer Vorgaben oder auch ggf. freiwilliger Angaben mehr Daten zur Verfügung stehen.

So können Finanzinstitute und Investoren die GAR in ihre Anlagestrategie integrieren

Banken können die Kennzahl GAR nutzen, um ihre Kredit- und Investitionsstrategie nachhaltiger zu gestalten, indem sie mehr taxonomiekonforme Projekte finanzieren.

Investoren können Banken mit einer hohen GAR bevorzugen, um nachhaltige Anlageentscheidungen zu treffen. ESG-Fonds und nachhaltige Finanzprodukte können Banken mit hoher Green Asset Ratio in ihre Portfolios aufnehmen.